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14.09.18 / Franco soll umziehen / In Spanien entbrennt ein Streit um die Umbettung des Diktators – Neue Regierung spaltet

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 37-18 vom 14. September 2018

Franco soll umziehen
In Spanien entbrennt ein Streit um die Umbettung des Diktators – Neue Regierung spaltet
Bodo Bost

Eine der ersten Entscheidungen der neuen sozialistischen spanischen Minderheitsregierung unter Pedro Sanchez war der Beschluss, die Gebeine des 1975 verstorbenen Generals Francisco Franco nach fast 50 Jahren aus seinem Mausoleum im Valle de los Caidos (Tal der Gefallenen) nahe Madrid, welches zugleich Gedenkstätte zu Ehren der Gefallenen des Spanischen Bürgerkriegs ist, umzubetten. Das schon lange gehegte Vorhaben war bislang immer an juristischen Fragen und dem Widerstand der Familie Francos gescheitert. 

Es gilt aber als wahrscheinlich, dass Sánchez diesmal mit Hilfe kleinerer Regional-Parteien die nötige einfache Mehrheit erhält. Allerdings erklärte die Familie Francos, dass sie bis zur letzten Instanz juristisch für die Beibehaltung des Grabes kämpfen werde. Sie drohte Premier Sanchez im Falle einer Umbettung mit einer Klage wegen Störung der Totenruhe und Leichenschändung.

Ein 150 Meter hohes Kreuz überragt das Mausoleum nordwestlich von Madrid. Franco war  ein erzkonservativer Katholik, und er wollte dies durch sein Mausoleum, welches eine katholische Kirche ist, ausdrücken. Francos Grab befindet sich in einer Basilika, welche Zwangsarbeiter gleich nach seiner Machtergreifung ab 1940 in den Fels zu hauen begannen. 1959 war das Mausoleum fertig, danach entstand das gigantische Betonkreuz. In den Seitenwänden fanden die Überreste von 37000 Toten des Bürgerkriegs ihre letzte Ruhestätte. 

Der Bürgerkrieg zwischen 1936 und 1939 war nicht nur eine Konfrontation zwischen Rechts und Links. Neben dieser Front gab es vor allem in der Endphase einen anderen, nicht weniger blutigen Konflikt innerhalb der linken Kräfte. Die aus Moskau dirigierten Kommunisten hatten im Bürgerkrieg im Auftrag Stalins andere linke Gruppierungen angegriffen: Sozialdemokraten, Sozialisten, Anarchisten. Stalin wollte, wie im eigenen Land, die alleinige Macht und keine geeinte Volksfront. 

Auch viele der internationalen Brigadisten wurden Opfer der eigenen Leute. In Barcelona richteten die Kommunisten unter den Anarchisten ein grausames Blutbad an, anstatt gemeinsam gegen Franco zu kämpfen. Auch die Gegner Francos haben im Bürgerkrieg Kriegsverbrechen begangen. Deren Opfer haben ihre Gedenkstätte in Paracuellos, auch unter einem hohen Kreuz, in der Nähe des Madrider Flughafens Barrajas. Hier hatten kommunistische Milizen im Bürgerkrieg etwa 2500 Vertreter der bürgerlichen Elite, darunter viele Politiker, Professoren und Priester, erschossen. 

Von marginalen Stimmen abgesehen, verteidigt heute niemand mehr Franco, der Spanien zwar mit harter Hand und mit Hilfe der Kirche regiert hat, aber seine Herrschaft nicht auf Terror und Unrecht errichtet hatte. Als Premier Sánchez die Umwidmung des Tals der Gefallenen zu einer Gedenkstätte für alle Opfer und einem Dokumentationszentrum ankündigte, gab es im Parlament kaum Widerspruch. 

Auch die Konservativen um die Volkspartei (PP), obwohl aus einer franquistischen Gruppe hervorgegangen, leisten keinen Widerstand mehr. Ihr langjähriger Vorsitzender Mariano Rajoy hat die Partei kräftig zur Mitte gerückt und dabei die Alt-Franquisten in den eigenen Reihen an den Rand gedrängt. Der neue Chef der PP, Pablo Casado, nannte es allerdings „unverantwortlich, bereits geheilte Wunden wieder aufzureißen“.

Ob die Wunden bereits verheilt sind, ist jedoch die Frage. Bislang hatte das nach dem Tod Francos verabschiedete Amnestiegesetz eine Aufarbeitung der wirklichen Geschehnisse im Bürgerkrieg blockiert. König Juan Carlos war  nach Francos Tod 1975 der Verwalter dieses Gesetzes, welches dafür sorgte, dass Franco-Anhänger nach seinem Tod die Demokratisierung nicht behindert haben. Die Täter des Repressionsapparats blieben straffrei, der Staat ignorierte die Opfer und die Täter des Regimes weitgehend. 

Die mentalen Gräben quer durch die Gesellschaft bestehen seit dem Bürgerkrieg weiter. Vielerorts hat man die im Krieg in Massengräbern verscharrten Gefallenen nicht ausgegraben, sie harren noch ihrer Exhumierung. Die Toten des Tals der Gefallenen waren da eine Ausnahme.

Viele Spanier glauben bis heute, dass Franco das kleinere Übel gegenüber der drohenden Herrschaft der von Moskau bewaffneten Kommunisten und ihrem „roten Terror“ gewesen sei. Auch wird es Franco als Verdienst angerechnet, dass er dem vielfachen Druck Hitlers widerstanden und Spanien aus dem Zweiten Weltkrieg herausgehalten hat, der einen noch größeren Blutzoll gefordert hätte.