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21.09.18 / Pregel-Wels lässt grüßen / Neue Skulptur an der Königsberger Hohen Brücke erinnert an schweren Flussbewohner

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-18 vom 21. September 2018

Pregel-Wels lässt grüßen
Neue Skulptur an der Königsberger Hohen Brücke erinnert an schweren Flussbewohner
Jurij Tschernyschew

Neben der restaurierten Hohen Brücke ist eine bronzene Wels-Skulptur aufgestellt worden, mit der an den Flussbewohner erinnert werden soll, der in einem der Brückenpfeiler gewohnt hat. 

Die Hohe Brücke ist im Rahmen der Vorbereitungen zur Fußball-WM umfassend renoviert worden, und nun führt ein Fußgängerweg darüber, der das Pregelufer vor dem Fischdorf mit dem neuen Fußballstadion verbindet. 

Im Juli 2016 wurde beim Beginn der Baumaßnahmen ein großer Wels im Pregel entdeckt, als Taucher die Brückenpfeiler untersuchen wollten. Allem Anschein nach hatte der Fisch schon lange dort gelebt und war über den Besuch der ungebetenen Gäste wenig erfreut (die PAZ berichtete). Es ist bemerkenswert, dass niemand zuvor den Wels bemerkt hatte. Er war erst entdeckt worden, als ein Taucher sich auf ein unter dem Brückenpfeiler befindliches Rohr gesetzt hatte. Als das Rohr sich plötzlich bewegte, wusste er gleich, dass es sich um irgendeinen Fisch handeln musste. Das Wasser war jedoch sehr trüb und so konnten die Taucher nur durch Berührungen die Abmessungen des Unterwasserbewohners bestimmen. Das Tier war zirka zwei Meter lang und etwa 200 Kilogramm schwer. Deshalb gingen die Spezialisten davon aus, dass es sich nur um einen Wels handeln konnte. 

Der ehemalige Gouverneur Nikolaj Zukanow hatte damals angekündigt, dass er höchstpersönlich den Wels jagen wolle, sollte er die Brückenbauarbeiten stören. Doch der aufgescheuchte Wels verschwand von selbst spurlos und behinderte die Arbeiten nicht, die Ende 2017 fertiggestellt wurden.

Doch die Geschichte von dem geheimnisvollen Pregelbewohner gefiel den Stadtbewohnern so gut, dass sie ihn vermissten. Deshalb kam in der Stadtverwaltung die Idee auf, eine Skulptur aufzustellen, die an den Wasserbewohner erinnern sollte.

Vor einiger Zeit schrieb die Stadt einen Wettbewerb aus für die beste Komposition, an der sich alle beteiligen konnten. Der Wettbewerb lief unter dem Motto: „Auf der Fontanka Tschischik-Pyschik, auf dem Pregel wird es einen Wels geben“ (Die Fontanka ist ein Fluss in St. Petersburg, und Tschischik-Pyschik ist der Held eines berühmten Scherzlieds). 

Die beste Figur wurde aus den Arbeiten von Kindern ausgewählt, die sich am Wettbewerb beteiligt hatten. Insgesamt hatten über 160 Menschen daran teilgenommen, die ihre Zeichnungen, Skulpturen aus Plastilin, Teig oder Pappmasché bei der Jury einreichten. Die Jury bestand aus Bauexperten, Bildhauern und Stadtbeamten. Pjotr Zoroastrow ging als Sieger hervor. Die Skulptur wurde von der Baufirma aus St. Petersburg finanziert, die auch die Hohe Brücke restauriert hatte. Die Bronzefigur mit einem Gewicht von 400 Kilogramm hat der Königsberger Bildhauer Andrej Schwedzow hergestellt. Er arbeitete ein halbes Jahr daran. Man entschied sich, der Skulptur ein Modell des Brückenhäuschens der Hohen Brücke, das sich ganz in der Nähe am anderen Pregelufer befindet sowie einen symbolischen Schlüssel hinzuzufügen. 

Unter den Königsbergern hat sich bereits ein neuer Aberglaube breit gemacht: Wenn man das Maul des Fisches berührt, soll das Glück bringen. Deshalb leuchtet der vordere Teil der Skulptur nun in der Sonne.