15.08.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
28.09.18 / Ausweichen ins Umland / Die hohen Preise in den boomenden Städten lassen Wohnungssuchende nach Alternativen Ausschau halten

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-18 vom 28. September 2018

Ausweichen ins Umland
Die hohen Preise in den boomenden Städten lassen Wohnungssuchende nach Alternativen Ausschau halten
Peter Entinger

Im vergangenen Jahr wurden in den deutschen Großstädten 125821 Eigentumswohnungen (Bestand und Neubau) verkauft. Verglichen mit 2016 waren das 5,62 Prozent weniger, und Experten leiten daraus einen Trend ab. Immer mehr Menschen würden aus Mangel an finanzierbaren Immobilien auf das flache Land ausweichen.

Aus den aktuellen Zahlen des Wohneigentumsreports 2018, der seit 2008 jährlich vom Immobilien-Konzern Accentro Real Estate herausgegeben wird, geht hervor, dass in den Metropolen das Geschäft deutlich zurückgeht – das Angebot sei knapp und die Preise seien hoch. „Schwierige Genehmigungsbedingungen und fehlende Impulse zur Lösung des Problems führen dazu, dass sich der städtische Wohnungsmarkt weiter verkompliziert“, erklärte Accentro-Vorstand Jacopo Mingazzini dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. 

Gerade in den neuen Bundesländern seien dabei erstaunliche Bewegungen zu sehen. In Chemnitz beispielsweise legten die Verkäufe im vergangenen Jahr um mehr als 83 Prozent zu. Damit steht die Stadt bundesweit an erster Stelle. 

Wie die Preisentwicklung insgesamt verläuft, lässt sich am besten an der Bundeshauptstadt Berlin belegen. Dort wurden im vergangenen Jahr für eine Eigentumswohnung im Schnitt knapp 264000 Euro gezahlt, was einen Zuwachs von knapp sechs Prozent gegenüber 2016 ausmacht. Im Zehnjahresvergleich beträgt der Anstieg allerdings satte 134 Prozent. Auch in München, Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt haben sich die Preise dem Bericht zufolge auf Zehnjahressicht mindestens verdoppelt. In München waren 2017 durchschnittlich 447638 Euro für eine Wohnung zu zahlen. Über der 400000er-Marke lagen 2017 zudem Frankfurt und Hamburg, wo die Zuwächse in den zweistelligen Bereich gingen. 

Im bundesweiten Durchschnitt der untersuchten Großstädte sind die Wohnungspreise 2017 um 4,56 Prozent gestiegen, während im Vorjahr noch ein Plus in Höhe von 7,73 Prozent zu Buche stand. Im Durchschnitt kostete im Jahr 2017 eine Wohnung in den 82 erfassten deutschen Großstädten 239493 Euro. Accentro führt die steigenden Preise auf die nicht ausreichende Neubautätigkeit und damit auf ein zu geringes Kaufangebot zurück. 

Die seit Jahren ansteigenden Preise führen in Verbindung mit dem knappen Wohnungsangebot in den Ballungsgebieten dazu, dass sich zunehmend mehr Menschen in den umliegenden Städten niederlassen. Das wiederum hat zur Folge, dass auch dort die Preise in die Höhe schnellen. Der „Spiegel“ berichtet, dass in Mainz, wo die Verkaufspreise im Vergleich zu Frankfurt rund ein Drittel günstiger seien, im vergangenen Jahr knapp sieben Prozent mehr Verkäufe abgewickelt worden seien als 2016. In Frankfurt, der bevölkerungsreichsten Stadt Hessens, seien die Zahlen zeitgleich um mehr als zwölf Prozent zurückgegangen. Und in Lübeck seien die Verkaufspreise im Vergleich zu denen der benachbarten Metropole Hamburg fast 46 Prozent günstiger. Während die Verkaufszahlen in Lübeck im Jahr 2017 im Vergleich zu 2016 um mehr als zwölf Prozent stiegen, sanken sie in Hamburg um mehr als zwölf Prozent. 

Für Accentro-Manager Mingazzini ist dies eine logische Entwick­lung. Der Trend, dass zunehmend mehr Käufer ins Umland der Großstädte ausweichen, sei erst im Anfangsstadium. „Von der Sogwirkung Frankfurts profitieren Städte wie Wiesbaden, Offenbach, Darmstadt und Mainz“, sagt Mingazzini. Zum Ziel werden sie für Käufer, weil die Verkaufspreise noch immer gut 30 bis 40 Prozent unter Frankfurts Preisen liegen. Allerdings sei absehbar, wann sich die Preisschere schließen werde. Die erhöhte Nachfrage im Umland der Ballungsgebiete werde in absehbarer Zeit auch dort zu steigenden Preisen und Engpässen führen. „Der Zenit ist noch nicht überschritten“, sagte Mingazzini. 

Zur Linderung der Wohnungsnot fordert daher der Deutsche Städte- und Gemeindebund eine Kraftanstrengung von Bund und Ländern. „Die Frage wird zum sozialen Sprengstoff, und die Politik muss handeln. Die Devise muss lauten: Bezahlbare Wohnungen schaffen, den Bestand aktivieren und die entlegeneren Räume einbinden“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der „Passauer Neuen Presse“. 

Die Messlatte, die sich die schwarz-rote Koalition dabei gelegt hat, ist hoch: 1,5 Millionen neue Wohnungen und Eigenheime sollen bis zum Ende der Legislaturperiode in Deutschland gebaut werden, das sind insgesamt 375000 Wohnungen pro Jahr. Doch noch streiten sich Union und SPD, wie man dieses Vorhaben am besten umsetzen kann. 

Klar ist, dass die immer höher werdenden Kaufpreise am Ende auf die Mieter umgelegt werden. Denn nicht jeder Käufer möchte zwingend selbst einziehen. Noch immer sehen laut Accentro-Vorstand Mingazzini viele Menschen den Immobilienkauf als Kapitalanlage. Die SPD fordert daher eine Deckelung der Mietpreise. „Es ist schockierend, dass die CDU meint, der freie Markt werde das Problem explodierender Mieten schon regeln“, sagte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, „Wir sehen doch seit Jahren, dass das nicht funktioniert.“ Wenn CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer den Mietenstopp der SPD für Populismus halte, habe sie den Kontakt zur Realität verloren. „Sie sollte mal mit den vielen Menschen reden, die sich in den Innenstädten keine Wohnung mehr leisten können und aus ihren Stadtteilen verdrängt werden“, sagte Klingbeil der Deutschen Presse-Agentur.