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28.09.18 / »Mindestens 20 Jahre Handelsstreit« / Alibaba-Gründer Jack Ma sieht die USA und China im Kampf um die weltweite Vormachtstellung

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-18 vom 28. September 2018

»Mindestens 20 Jahre Handelsstreit«
Alibaba-Gründer Jack Ma sieht die USA und China im Kampf um die weltweite Vormachtstellung
Norman Hanert

Jack Ma, einer der erfolgreichsten und weltweit bekanntesten chinesischen Unternehmer, hat zum Handelsstreit zwischen den USA und China vor Kurzem eine sehr düstere Prognose abgegeben.

Der Gründer der chinesischen Internetplattform Alibaba sagte, der Handelsstreit zwischen den beiden Ländern könnte noch 20 Jahre oder sogar noch länger andauern. Aus Sicht des Selfmade-Milliardärs wetteiferten die beiden wichtigsten Wirtschaftsnationen der Welt um die globale Vormachtstellung. Ma geht davon aus, dass sich dieser Wettstreit auch mit dem Ende der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump nicht erledigt haben wird. 

Begleitet wird die Warnung des chinesischen Unternehmers Jack Ma von einer weiteren Zuspitzung im Konflikt beider Großmächte. US-Präsident Trump kündigte die Einführung von Zöllen auf chinesische Einfuhren in die USA im Wert von 200 Milliarden US-Dollar an. Mit dem Schritt werden die Hälfte aller US-Importe aus dem Reich der Mitte Zöllen unterliegen. Zunächst gilt mit Wirkung vom 24. September ein Zollsatz von zehn Prozent für die ausgewählten chinesischen Güter, die in die USA eingeführt werden. Sollte Peking im Zollstreit nicht einlenken beziehungsweise nachgeben, soll zu Anfang des kommenden Jahres der Satz dann auf 25 Prozent steigen. Für den Fall, dass China im Zollstreit Vergeltung üben sollte, hat Trump eine dritte Phase angekündigt. Diese würde dann ausnahmslos alle chinesischen Ausfuhren in die USA betreffen. 

Bereits in den vergangenen Monaten hatte der US-Präsident Einfuhrzölle von 25 Prozent auf Stahlimporte und zehn Prozent auf Aluminium verhängt. Zusätzlich führte Trump eine Sonderabgabe in Höhe von 25 Prozent auf chinesische Warenlieferungen in die USA im Wert von 50 Milliarden Dollar ein. Im Gegenzug hatte die chinesische Führung mit Zöllen auf US-Waren in gleichem Umfang reagiert.

US-Präsident Donald Trump verteidigt seine Zollpolitik damit, er wolle erreichen, dass China den eigenen Markt stärker öffnet, Investitionshürden für ausländische Firmen beseitigt und gegen Technologieklau vorgeht. Trump sagte: „Über Monate hinweg haben wir China dazu gedrängt, diese unfairen Handelspraktiken zu ändern und US-Unternehmen fair zu behandeln.“

Die Führung in Peking scheint bislang nicht klein beigeben zu wollen. Die Zeichen stehen vielmehr auf Eskalation. Als Antwort auf die neu eingeführten US-Zölle kündigte das Handelsministerium in Peking an, seinerseits zusätzliche Zölle auf US-Einfuhren von 60 Milliarden Dollar zu verhängen. 

In Peking wird inzwischen noch über eine völlig andere Möglichkeit nachgedacht, um die USA zu bestrafen. Wie der Informationsdienst Bloomberg mitteilte, plant die chinesische Führung eine Senkung der Einfuhrzölle bei wichtigen Handelspartnern. Ausgenommen werden sollen dabei aber die Vereinigten Staaten. Der Griff in die Trickkiste unkonventioneller Gegenmittel kommt für einige Beobachter keineswegs überraschend. 

Die Einfuhren Chinas beliefen sich im vergangenen Jahr auf 130 Milliarden Dollar. 40 Prozent dieser Einfuhren waren mit chinesischen Zöllen belegt. Mit den angekündigten Gegenmaßnahmen Chinas wird der Anteil künftig auf 85 Prozent steigen. Für eine Ausweitung bleibt damit nicht mehr viel Spielraum. China wird bei einer weiteren Eskalation des Handelskrieges die Einfuhrzölle weiter hochschrauben oder aber auf sogenannte nichttarifäre Handelshemmnisse setzen müssen. Dazu zählt etwa die Einführung von Vorschriften oder technischen Standards, die ausländische Anbieter vom eigenen Markt fernhalten sollen.

Inzwischen wächst auch aus Europa der Druck auf China. Viele Unternehmen aus EU-Ländern teilen offenbar die Kritik des US-Präsidenten am mangelnden Reformwillen der chinesischen Führung. Eine jährlich von der Unternehmensberatung Roland Berger durchgeführte Umfrage unter mehr als 1600 europäischen Unternehmen, die in China aktiv sind, förderte zuletzt weitverbreiteten Unmut zu Tage. Zwar konnten sich auch im Jahr 2017 die ausländischen Unternehmen in China gut behaupten, aber es macht sich unter Europäern in China eine „neue Nüchternheit“ breit. Die Führung in Peking hat zwar Veränderungen angekündigt, aber unter den Investoren, die in China aktiv sind, wächst der Frust über ausbleibende Reformen. Gut die Hälfte der befragten Firmen äußerte die Befürchtung, dass sich in den kommenden fünf Jahren die administrativen Behinderungen und Reglementierungen in China verschlimmern. Beachtliche 62 Prozent der Befragten kritisierten, dass Chinas Firmen besseren Marktzugang in Europa erhalten als Europäer in China. Wie eine Bestätigung der Sichtweise Trumps kann auch die Kritik der EU-Handelskammer in Peking aufgefasst werden, die China als „eine der restriktivsten Volkswirtschaften der Welt, noch weit hinter den meisten Schwellenländern“ bezeichnete.