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28.09.18 / Ökumenisch und dreisprachig / In Mörken wurde das Denkmal für gefallene Soldaten des Ersten Weltkrieges neu geweiht

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-18 vom 28. September 2018

Ökumenisch und dreisprachig
In Mörken wurde das Denkmal für gefallene Soldaten des Ersten Weltkrieges neu geweiht
Uwe Hahnkamp

Aus Anlass ihres 25. Jubiläums und zum 100. Jahrestags des Endes des Ersten Weltkriegs nimmt sich die Gesellschaft zur Pflege deutschen Kulturguts „Emil von Behring“ in Hohenstein der Erinnerungsstätten aus dem Ersten Weltkrieg in der Region an. Zuletzt wurden der Friedhof und das vernachlässigte Denkmal für die damals Gefallenen in Mörken gesäubert und am 25. August ökumenisch und mehrsprachig geweiht.

Das Dorf Mörken, zwei Kilometer östlich von Hohenstein, wurde 1343 gegründet. Nach den verschiedenen Wechselfällen der Geschichte geriet es am 28. und 29. August 1914 in die Schlacht bei Tannenberg. Bei den Kämpfen zwischen deutschen und russischen Truppen brannte ein Viertel seiner Häuser nieder, darüber hinaus elf Ställe und neun Scheunen. Nach der Schlacht wurden auf dem Kriegerfriedhof in der Ortsmitte 183 deutsche und 213 russische Soldaten bestattet. Bis heute stehen dort ein Gedenkstein mit der Aufschrift „Den Helden des Weltkriegs 1914–1918 die dankbare Heimat“ und auf dem Gelände verteilt einige lateinische und russische Holzkreuze.

„Der Gedenkstein stand nicht stabil, die Schrift darauf war undeutlich, das Gelände selbst überwuchert und das Eingangstor kaum zu erkennen. Wir haben den Stein konserviert und gereinigt, Äste abgesägt, Gras gemäht, Kreuze repariert und senkrecht gestellt und die Tafel beim Eingang erneuert“, beschreibt der Vorsitzende der Gesellschaft „Emil von Behring“, Leon Kuck, den Umfang der Arbeiten. Das Hauptengagement in diesem Projekt ging jedoch, wie er betont, von Ryszard Eberhardt aus. Der Vizevorsitzende der Gesellschaft „Emil von Behring“ wohnt selber in Mörken und konnte Dorfbewohner und Sponsoren von der Idee überzeugen. Ohne die finanzielle Unterstützung unter anderem der Ortsgruppe Ansbach der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen in Bayern und der Turnitzmühle Heritage Foundation aus Turnitzmühle nahe Hohenstein wäre das Projekt so nicht möglich gewesen.

Am 25. August wurde der Gedenkstein im Rahmen einer kurzen Andacht neu geweiht. „Es war uns wichtig, dass dabei die Religionen, denen die Gefallenen angehörten, und auch ihre Sprachen vertreten waren“, erklärt Eberhardt. So zelebrierten der katholische Seelsorger der deutschen Volksgruppe, Domherr André Schmeier, der Dekan der orthodoxen Kirche, Jaroslaw Jasz­czuk, und der Propst der evangelisch-augsburgischen Kirche in Allenstein, Lukasz Stachelek, die Eucharistie auf Deutsch, Russisch und Polnisch, bevor sie nach einem gemeinsamen mehrsprachigen Vaterunser aller Teilnehmer den Gedenkstein segneten.

Bei Hohensteins Vize­bür­ger­mei­ster Boguslaw Kowalewski kam die Idee der Nationen übergreifenden Feier sehr gut an. „Mein Großvater hat gezwungenermaßen in dieser Schlacht gekämpft – in der russischen Armee, da er aus Masowien kam“, berichtet er, „was er später davon erzählt hat, klang immer wie ein schreck­licher Kriegsfilm“. Den Dank für das Engagement der Gesellschaft „Emil von Behring“ ergänzte er um das Versprechen, dass die Gemeinde sich um den Friedhof kümmern werde.

Derweil laufen bei der Gesellschaft „Emil von Behring“ bereits die Vorbereitungen für das nächste Projekt. „Wir sind wegen des Friedhofs des 147. Infanterieregiments in Jagiellek mit dem Denkmalpflegeamt und der Oberförsterei in Verbindung“, erklärt Kuck, „der Stein dort ist jedoch in einer schlechteren Verfassung als der in Mörken.“ Entlang der dorthin führenden Lindenallee wurden dagegen gerade von Schülern neue Bäume gepflanzt, allerdings im Kontext des 100. Jahrestages der Proklamation eines unabhängigen polnischen Staates durch den Re­gentschaftsrat in Warschau am 7. Oktober 1918. „Die Aktion ist sehr gut, die Begründung aber historisch falsch, hier war ja damals Ostpreußen. Und wenn jemand sagt, dass nicht bekannt sei, weshalb diese Allee entstand, zeugt das im besten Fall von mangelnder Kenntnis der lokalen Geschichte“, macht Kuck bei einem Termin im Wald in Jagiellek abschließend deutlich, „hier gibt es für uns noch einiges zu tun.“