03.10.2023

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05.10.18 / Schon jetzt genug gebeutelt / Die Lausitz hat auch ohne Kohleausstieg große Probleme

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 40-18 vom 05. Oktober 2018

Schon jetzt genug gebeutelt
Die Lausitz hat auch ohne Kohleausstieg große Probleme

Das Lausitzer Braunkohlerevier im Süden Brandenburgs und im Nordosten Sachsens befindet sich mittlerweile seit Jahrzehnten in einem Strukturwandel. Nach dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes haben in den 90er Jahren über 90 Prozent der Bergleute ihre Arbeit verloren. Zulieferer und Dienstleister nicht einmal mitgezählt, ermöglichte die Braunkohle bis 1989 etwa 90000 Menschen Arbeit und Einkommen. 

Noch heute ist das Bergbauunternehmen LEAG mit 8000 Beschäftigten das größte Industrieunternehmen in Brandenburg. Der Bergbauriese gibt über Löhne oder Aufträge pro Jahr 1,4 Milliarden Euro in der Region aus. Der sächsische CDU-Politiker Marko Schiemann hat wiederholt auf die Entwicklung in der Oberlausitz hingewiesen, in der in den 90er Jahren reihenweise Textilunternehmen und Maschinenbauer dichtgemacht haben. Laut Schiemann hat der Strukturwandel in den 1990er Jahren allein in der Oberlausitz rund 100000 Arbeitsplätze gekostet, in der gesamten Lausitz sollen mindestens 180000 Jobs verschwunden sein. 

Entsprechend drastisch fallen nun die Warnungen von Politikern in Regierungsverantwortung vor einem schnellen Ausstieg aus der Kohleförderung aus. So fordert Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) mit Blick auf die Pläne zum Kohleausstieg: „Einen harten Bruch wie 1990 nach dem Ende der DDR darf es nicht noch einmal geben.“ Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat klar gemacht, dass für ihn erst der Strukturwandel und dann der Ausstieg aus der Kohle kommt. Woidke sagte, erst wenn diese Arbeitsplätze entstanden sind, könne die Dis-kussion über ein Ausstiegsdatum geführt werden.

Der Verlust von Beschäftigungsmöglichkeiten hat in den letzten Jahrzehnten auch eine massive Abwanderung in Gang gesetzt. Insgesamt hat allein die Oberlausitz seit der sogenannten Wende mindestens 200000 Menschen verloren. Die Prognosen gehen dahin, dass die Region zwischen Spreewald und Bautzen bis 2050 etwa 100000 weitere Einwohner verlieren wird.N.H.