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05.10.18 / Vor allem Spanien betroffen / Europas Banken droht Ansteckung an türkischer Wirtschaftskrise

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 40-18 vom 05. Oktober 2018

Vor allem Spanien betroffen
Europas Banken droht Ansteckung an türkischer Wirtschaftskrise
Norman Hanert

Die Wirtschaftskrise in der Türkei und der Kursverfall der Landeswährung entwickeln sich auch für einige Banken in der Eurozone zu einem Risiko. Nach Berechnungen der niederländischen Bank ABN Amro summiert sich das Türkei-Engagement europäischer Banken auf insgesamt 143 Milliarden Euro. Ein erhöhtes Risiko bestehe allerdings nur für eine Handvoll Banken und einige EU-Länder. 

Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) haben spanische Großbanken in der Türkei Kredite über rund 83 Milliarden US-Dollar vergeben, französische Banken liegen bei 38 Milliarden Dollar und italienische Geldhäuser bei 17 Milliarden Dollar. Viele türkische Unternehmen haben sich in den letzten Jahren in Dollar oder Euro verschuldet. Wurden bei den Krediten keine Absicherungen gegen ein Wechselkursrisiko getroffen, dann kann eine anhaltende Schwäche der türkischen Lira zu vermehrten Zahlungsausfällen führen.

Wie die „Financial Times“ berichtet, ist das Türkei-Engagement europäischer Banken mittlerweile auch für die EU-Bankenaufsicht ein Thema. Zwar wird die Situation derzeit nicht als kritisch eingeschätzt, doch stehen einige Banken offenbar unter Beobachtung. Genannt wurden in diesem Zusammenhang die spanische Großbank BBVA, die französische BNP Paribas und die italienische UniCredit.

Besonders stark hat die spanische Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) in der Türkei investiert. Die zweitgrößte Bank in Spanien hält knapp 50 Prozent an der Garanti Bank, dem drittgrößten türkischen Geldhaus. Die Beteiligung am Bosporus steuert bislang rund ein Fünftel zum Gewinn der BBVA bei. Der Bank droht bei einer Zuspitzung der Türkei-Krise nicht nur ein Wegfall des Gewinns. Kreditausfälle in der Türkei könnten auch Abschreibungen notwendig machen und eine zusätzliche Unterlegung mit Eigenkapital erfordern.

Gleiches gilt für die italienische UniCredit. Die Mailänder Bank hält 40,9 Prozent an Yapi Kredi, der viertgrößten Privatbank der Türkei. Fabrizio Saccomanni, Verwaltungsratspräsident der UniCredit, beschwichtigt hinsichtlich der Beteiligung an der Istanbuler Bank. Yapi Kredi sei „rentabel“ und habe nur eine „beschränkte Auswirkung“ auf UniCredit, so der Italiener. 

Für das türkische Bankensys-tem könnte die Lage noch schwieriger werden. Bereits im August hatte die Ratingagentur Moody’s wegen der bestehenden finanziellen Risiken die Kreditwürdigkeit von 18 türkischen Banken und zwei weiteren Finanzinstituten herabgestuft. 

Zudem haben Moody’s und die Agentur S&P inzwischen auch die Kreditwürdigkeit des Staates Türkei herabgestuft. S&P setzte das Rating von BB- auf B+ zurück. Türkische Staatsanleihen gelten damit aus Sicht der Ratingagentur als eine sehr spekulative Anlage.