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05.10.18 / Alles in Butter beim Essig

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 40-18 vom 05. Oktober 2018

Alles in Butter beim Essig
Silvia Friedrich

Sprache ist lebendig und verändert sich mit jeder Generation. Nicht nur Zuwanderer aus anderen Ländern brachten sprachliche Einflüsse mit. Auch Städte, Dörfer und Regionen prägten die sprachliche Landkarte ganz erheblich. Der als „Redewendungen-Papst“ bekannte Germanist und Historiker Rolf-Bernhard Essig hat sich in seinem neuen Buch „Ich kenn doch meine Pappenheimer“ auf die Suche gemacht nach der Herkunft vieler Redensarten.

Im ersten Kapitel begibt der Sprachforscher sich auf den „Weg nach Küsnacht“, erklärt, was es mit dem Hornberger Schießen auf sich hat und vergisst auch nicht das „heiratsfreudige Österreich“ zu erwähnen. Sprichwörtliche Orte in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden hier abgehandelt. Wer hätte gedacht, dass, wenn etwas „wie gewienert“, also supersauber aussieht, es auf ein Poliermittel namens „Wiener Kalk“ von vor 100 Jahren zurück­geht? Es bestand aus gemahlenem Dolomitstein und verbreitete sich rasend schnell auf dem Markt. Schließlich wurde es so beliebt, dass man schon vor dem Zweiten Weltkrieg für „polieren“ nun den Begriff „wienern“ verwendete. 

So ist eine Reise in die Eigenarten und Auffälligkeiten unserer Sprache auch immer eine Reise in die Geschichte. Ins sprichwörtliche Europa begibt sich der Autor im zweiten Kapitel, „Wie man zwischen Skylla und Charybdis sein Waterloo erleben kann“. Vielleicht nicht vielen geläufig, aber „zwischen Skylla und Charybdis“ erinnert an die Redewendung „zwischen Pest und Cholera wählen“. Es handelt sich hierbei um zwei weibliche Ungeheuer aus der griechischen Mythologie. 

In dieser Sparte erfährt man auch, dass es Redensarten, in denen Schweden vorkommen, sehr häufig gibt. Diese gingen, so der Autor, auf die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück, als unter König Gustav Adolf von Schweden schwedische Truppen bis tief nach Süddeutschland zogen. Viele Lieder, Gedichte und Sprüche zeugen noch heute davon, dass die Soldaten aus dem Norden besonders grausam waren. Die berühmten „schwedischen Gardinen“ entstanden aus der Tatsache, dass Schwedenstahl damals für seine Qualität bekannt war und Gauner nun mal hinter Stahlgittern hocken. 

Im dritten Teil des Buches behandelt Essig den sprichwörtlichen Rest der Welt. Von Agadir über Jericho bis hin zur Welt im Ganzen gibt es Redensarten, die den meisten geläufig sind, deren Herkunft aber bisher eher unbekannt blieb. Am Ende fügt der Autor noch eine Liste internationaler Sprichwörter hinzu, die sicher nur Reisende mit guten Sprachkenntnissen der jeweiligen Länder kennen.

Ein sehr lesenswertes Buch, das bei sprachhistorisch Interessierten, aber auch beim ganz normalen Leser so manches Licht aufgehen lässt.

Rolf-Bernhard Essig: „Ich kenn doch meine Pappenheimer. Wunderbare Geschichten hinter sprichwörtlichen Orten“, Duden Sprachwissen, Bibliographisches Institut, Berlin 2018, broschiert, 144 Seiten, 10 Euro