27.01.2022

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12.10.18 / Strohfeuer nach der Dürre / Preise für Heu explodieren – Folgen auch für Normalverbraucher

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 41-18 vom 12. Oktober 2018

Strohfeuer nach der Dürre
Preise für Heu explodieren – Folgen auch für Normalverbraucher
Stephanie Sieckmann

Die Dürre in diesem Sommer hat Folgen. Da nicht nur Norddeutschland von dem Wetter und seinen Auswirkungen betroffen war, sondern auch Dänemark, Schweden und Teile Nordfrankreichs – exakt die Länder bei denen deutsche Landwirte in anderen Jahren mit Ernteschwierigkeiten einkaufen konnten – ist die Not groß. 

Aus Schweden ist zu hören: „Wir zahlen jeden Preis für Heu“. Viele Landwirte fahren inzwischen nach Polen, um Heu und Stroh zu kaufen. Mit gutem Grund. Die Preise für Heu und Stroh explodieren in Deutschland, sofern Bestände vorhanden sind. Kostete der Rundballen Heu im letzten Jahr noch 35 Euro, werden heute bis zu 145 Euro dafür verlangt. In der Region Düsseldorf sind auch schon 160 Euro verlangt worden.

Bei derartigen Preissteigerungen wundert es nicht, dass Landwirte mit Rinderhaltung oder Milchvieh, die Heu, Silo und Stroh nicht von eigenen Flächen gewinnen, seit Wochen vermehrt Tiere zur Schlachtung geben, weil sie die hohen Futterpreise nicht zahlen können. Der Schlachtpreis fällt mit der Menge der Schlachttiere, teilweise um mehr als die Hälfte. Verbraucher, die davon träumen, dass aufgrund der Notlage der Landwirte die Fleischtheke zum Schlaraffenland wird, sitzen dem Irrglauben auf, dass der Fleischpreis etwas mit Angebot und Nachfrage zu tun habe.

„Fleisch wird vom Einzelhandel als Lockmittel eingesetzt“, erklärt Tim Koch von der Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI), „der Fleischpreis, der an der Laden­theke verlangt wird, hat nichts mit dem tatsächlichen Preis zu tun. Es ist ein vollkommen unrealistischer Preis.“ Wenn in einigen Monaten kaum noch Rinder zum Schlachter gebracht werden und erwartet wird, dass der Preis anzieht, werde diese Entwick­lung nicht am Markt zu sehen sein. 

Bleibt also alles beim Alten? Wohl kaum. Abgesehen davon, dass die Ernte bei Lebensmittelgetreide enorm knapp ausfällt und daher mit einer Preissteigerung bei Produkten wie Brot und Mehl zu rechnen ist, fällt auch die Gemüseernte geringer aus. Konservenhersteller Hengstenberg hat bereits Kurzarbeit angemeldet, weil die Kohlernte um rund die Hälfte reduziert ausfällt.

Bei Kartoffeln, Möhren, Sellerie und Rote Beete sieht es nicht besser aus, wie der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie meldet. Aufgrund des zu erwartenden geringen Angebots sind Preissteigerungen von rund 30 Prozent für den Verbraucher zu erwarten. 

Bei den Bio-Beständen fällt die Dürre dieses Sommers dagegen kaum ins Gewicht. „Es gibt Reserven aus den letzten zwei Jahren, daher ist der Preis für Bio-Futterweizen bei 340 bis 360 Euro pro Tonne recht stabil“, sagt Diana Schaack vom AMI. „Die langfristigen Verträge in der Bio-Landwirtschaft sorgen zudem dafür, dass die Preise stabiler sind als in der konventionellen Landwirtschaft.“ 

Außerdem steht die Hälfte der Bio-Kühe in Bayern, das von der Dürre kaum betroffen war. Futter- und Schlachtsituation sind daher bei den Bio-Kühen bei Weitem nicht so dramatisch wie in der konventionellen Rinder- und Milchviehhaltung. Daher ist es gut möglich, dass die Preise für herkömmliches Getreide und Milch im Laufe der nächsten Monate stark anziehen, während die Preise für Bio-Produkte stabil bleiben. Dann würden vielleicht auch mehr Menschen auf Bio-Produkte umsteigen.