28.01.2022

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02.11.18 / Brüssel fürchtet die Konkurrenz von Peking

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 44-18 vom 02. November 2018

Brüssel fürchtet die Konkurrenz von Peking
Wolfgang Kaufmann

Seitens der Europäischen Union wird mittlerweile befürchtet, dass die Balkanstaaten durch das chinesische Engagement in der Region in politische und wirtschaftliche Abhängigkeit von Peking geraten könnten. Teilweise ist sogar die Rede von einer Spaltung Europas und der Errichtung chinesischer „Kolonien“ in Europa. Dabei verkennt man in Brüssel die geopolitischen Realitäten der heutigen Zeit. Das traditionelle Modell der Globalisierung hat nun ausgedient und der Osten in vielen Bereichen mit dem Westen gleichgezogen. Dadurch ist eine echte Konkurrenzsituation entstanden, die sich die Balkanstaaten geschickt zunutze machen.

In deren Augen gilt die EU nicht mehr als attraktiver Club von Nationen, zu dem man unbedingt dazugehören müsse, sondern als paternalistischer Koloss, der die Vergabe von Aufbauhilfen an unendlich viele Bedingungen knüpft. Die Länder des Balkan sind es jedoch leid, mit Forderungen nach Reformen konfrontiert zu werden, die den eigenen Überzeugungen widersprechen – sei es in wirtschaftlicher Hinsicht, sei es in der Frage der Menschenrechte. Das weiß Peking und präsentiert sich deshalb ganz gezielt als Gegenmodell zur EU. Seine Investitionen sind nicht an Belehrungen oder Auflagen gebunden.

Darüber hinaus fehlen Brüssel aber auch die strategischen Visionen – kein Wunder bei dem permanenten Krisenmodus, in dem die Union seit Jahren verharrt. Dahingegen verheißt die Volksrepublik China, mit der Jugoslawien und Albanien ja bereits zu Zeiten des Sozialismus den Schulterschluss gegen den großen Hegemon Moskau probten, schnellen und nachhaltigen Wohlstand ohne den EU-üblichen Dirigismus. Das einzige Zukunftsrezept, was man in Brüssel dagegen zu setzen hat, ist die Eröffnung von wolkigen Beitritts-perspektiven für Länder wie Serbien, Albanien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien. Ob dies ausreichen wird, um Peking auszustechen, bleibt abzuwarten.