12.08.2022

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02.11.18 / Platte mit Reißverschluss / Plattencover von Andy Warhol im Museum für Angewandte Kunst

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 44-18 vom 02. November 2018

Platte mit Reißverschluss
Plattencover von Andy Warhol im Museum für Angewandte Kunst
Siegfried Schmidtke

Andy Warhol, einer der bekanntesten Künstler des 20. Jahrhunderts, begann seine künstlerische Karriere als Grafikdesigner für Gebrauchsgegenstände. Im Kölner Museum für Angewandte Kunst ist noch bis zum 24. März 2019 eine bislang unveröffentlichte Privatsammlung von Platten-Covern (Schallplatten-Hüllen) zu sehen, die Andy Warhol entwarf.

„Sticky Fingers“ hieß eine Langspielplatte (LP) der Rolling Stones aus dem Jahr 1971. Sie ist nicht nur den eingefleischten Fans der heute noch existierenden Rock-band in Erinnerung geblieben. Einige der darauf gepressten Musikstücke sind legendär. Legendärer aber ist die Hülle der Scheibe, das Plattencover. Es wurde von Andy Warhol gestaltet und zeigt auf Vorder- und Rück-seite den Unterkörper eines Mannes in einer engen Jeans-Hose - von vorne und von hinten, wobei sich vorne deutlich dessen Geschlechtsorgane abzeichnen.

Sticky Fingers heißt wörtlich übersetzt „klebrige Finger“ mit der Bedeutung von „lange Finger“ oder „Langfinger“. Also Finger, an denen etwas kleben bleibt. Die Abbildung der Jeans dazu provozierte natürlich einen Zusammenhang zum männlichen Ge­schlechtsteil.

Warhol setzte der Provokation dann noch die Krone auf: In die Hose war ein funktionsfähiger Reißverschluss eingearbeitet. Öffnete man ihn, dann konnte man weiße Unterwäsche sehen.

Dieses sexualisierte Cover erregte damals die Gemüter. Im katholischen Spanien des Diktators Franco so sehr, dass es verboten wurde. Die LP durfte dort nur in einer anderen, unspektakulären Hülle verkauft werden.

Andy Warhol (1928-1987) hatte schon nach Abschluss seines Grafikdesigner-Studiums 1949 Plattencover entworfen. Die boomende Schallplatten-Branche verlangte vor allem für die 1948 erfundene Vinyl-Langspielplatte nach künstlerisch gestalteten Schutzhüllen. Warhol entwarf für alle damals gängigen Musik-Genres die Cover. Vorwiegend Jazz- und Klassik-Alben, so auch von Aretha Franklin oder Vladimir Horowitz. MAKK-Direktorin Petra Hesse: „Warhol scheint den Nerv der Zeit getroffen zu haben.“

Die ursprüngliche Bedeutung der Papierhülle als reiner Schutz der Schallplatte wandelte sich damals hin zu einer aufwändig gestalteten Kauf-Anregung.

Warhol wandelte sich mit Beginn der 1960er Jahre vom Gebrauchsgrafik-Designer zum Pop-Art-Künstler. Ausgerechnet mit der Gebrauchsgrafik einer banalen Tomatensuppendose. Warhol: „Ich wollte etwas Bedeutungsloses malen. Ich suchte nach etwas, das die Essenz des Bedeutungslosen verkörperte, und das war die Suppendose.“ Die simple Darstellung der Dose von „Campbell’s“ Tomatensuppe gewann plötzlich Kunst-Charakter. Das Dosen-Bild, später auch die berühmt gewordenen Portraits bekannter Zeitgenossen (Marilyn Monroe, Elvis Presley) eroberten große Galerien und Museen.

Dem Plattencover ist Warhol bis an sein Lebensende verbunden geblieben. Das letzte erschien 1987. Der Sammler Ulrich Reininghaus zeigt seine nahezu lü-ckenlose Sammlung der Warhol-Cover jetzt erstmals öffentlich. An einer Hör-Bar können einige der Platten auch gehört werden. 

MAKK, An der Rechtschule (200 Meter vom Dom entfernt), 50667 Köln, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 6 Euro. Internet: www.makk.de