26.01.2022

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09.11.18 / Bewegte Zeiten

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 45-18 vom 09. November 2018

Bewegte Zeiten
Vera Lengsfeld

Wenn man sich in diesen Tagen dem Gropius-Bau vom Potsdamer Platz kommend nähert, fallen zwei lange Schlangen vor dem Eingang auf. In der etwas größeren stehen die Neugierigen, die sich endlich die viel besprochene Sammlung      Gurlitt ansehen wollen, die Besucher in der kleineren wollen in die Ausstellung über die Archäologie in Deutschland. 

Das Warten lohnt sich. Die Schau ist sensationell. Gezeigt werden spektakuläre archäologische Neufunde der vergangenen 20 Jahre. Der rote Faden ist, dass Bewegung und Veränderung seit Urzeiten zu den Konstanten menschlichen Handelns gehören. Neu ist die Erkenntnis, in welchem Ausmaß die Mobilität menschliche Gesellschaften geprägt hat. 

Im ersten Saal locken die zahllosen Funde, die man im Rhein bei Ausbaggerungen gemacht hat. Man findet nicht nur Bruchstücke aus allen Ecken und Enden des Römischen Reiches, sondern Scherben, die weit vor der Geburt Christi aus Ägypten gekommen sind  – per Schiff.

Die ersten befestigten Wege wurden zur Überquerung von Mooren angelegt, später wurden Straßen mit Holzbohlen befestigt, noch später gepflastert. Wie viele heutige Straßen über uralten Wegen angelegt sind, zeigt sich, wenn sie erneuert werden müssen. Dann finden sich von Reisenden vor vielen Jahrhunderten weggeworfene oder verloren gegangene Gegenstände, Schuhe, Schlüsselbunde, Taschen mit Kämmen, Haarnadeln und Spangen, die viel über das Leben unserer Vorfahren erzählen. Am häufigsten finden sich Keramikgefäße, die dem Transport von Nahrung dienten und, nachdem sie geleert waren, ähnlich dem heutigen To-go-Geschirr weggeworfen wurden. Die Gründe für das Reisen ähneln sich: Wanderlust, Handel, militärische Truppenbewegungen, aber auch Gefangenschaft und Verschleppung. Mit den modernen Möglichkeiten kann man sogar die DNA in gefundenen Knochen bestimmen. Seither weiß man, wie reichhaltig der genetische Pool der heutigen Europäer ist.

Der Ressourcenaustausch begann in der Jungsteinzeit und führte bereits damals zu weitreichenden Kontakten in ganz Europa.

Natürlich gab es schon immer Konflikte. Aus der Bronzezeit stammen die ersten Schlachtfelder. Im lieblichen Tal der Tollense fand die erste bekannte Feldschlacht statt. Kriege führten zur Vernichtung von Kulturen oder identitätsstiftender kultureller Objekte. Unter anderem wird ein zerstörter Jupitertempel gezeigt. Eine Videoinstallation dokumentiert die Zerstörung von Denkmälern durch islamistische Extremisten, danach aber auch die Entfernung von Statuen kommunistischer Massenmörder. Diese Gleichsetzung ist ein fataler Fauxpas. Der Sturz einer Stalin-Statue ist ein Zeichen der Befreiung von der Diktatur, die Islamisten sind Diktatoren.