26.01.2022

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09.11.18 / Vier Phasen hatte die Afrikapolitik der DDR / Erst hatte die internationale Anerkennung Priorität, später der militärische Export des Sozialismus und dann der devisenschonende Import

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 45-18 vom 09. November 2018

Vier Phasen hatte die Afrikapolitik der DDR
Erst hatte die internationale Anerkennung Priorität, später der militärische Export des Sozialismus und dann der devisenschonende Import

Bald nach ihrer Gründung versuchten sowohl die Bundesrepublik Deutschland als auch die DDR, bilaterale Beziehungen zu diversen afrikanischen Staaten aufzunehmen. Die Bundesrepublik reagierte damit nicht zuletzt auf den Wunsch ihrer Besatzungsmächte und Bündnispartner während des Kalten Krieges, an der Erweiterung des westlichen Einflussbereiches mitzuwirken. Daraus resultierten kontinuierlich wachsende Entwick­lungshilfezahlungen, die zumeist nach dem Gießkannenprinzip erfolgten. 

Dahingegen war die DDR vorrangig von dem Wunsch nach Anerkennung als eigenständiger, souveräner Staat getrieben. Darüber hinaus sollte sie auf Betreiben Moskaus diejenigen „Bruderländer“ in Afrika unterstützen, in denen der Aufbau des Sozialismus auf der Agenda zu stehen schien. Allerdings verfügte die DDR über keine großen finanziellen Mittel. So konnte sie im Gegensatz zur Bundesrepublik kaum zinsgünstige Aufbaukredite für in die Selbstständigkeit entlassene Kolonien vergeben und auch Entwicklungshilfegelder flossen eher spärlich, wie beispielsweise die Zahlen aus dem Jahre 1974 verdeutlichen. Damals stellte Ost-Berlin 400 Millionen Mark zur Verfügung, während Bonn auf 8,2 Milliarden D-Mark kam.

Deshalb wollte die DDR zunächst mit Bildungsoffensiven punkten. Etwa 20000 junge Menschen aus afrikanischen Entwick­lungsländern durften im „Arbeiter-und-Bauern-Staat“ studieren und weit über 100000 erhielten eine Aus- und Weiterbildung. Davon profitierten unter anderem angehende Journalisten aus Guinea-Bissau, Kommunalbedienstete in Kamerun, Lehrer-Aspiranten aus Mosambik und äthiopische Ingenieure in spe. Diese erste Phase des DDR-Engagements in Afrika endete um 1970 – ab dann verlagerte sich der Schwerpunkt auf Waffenlieferungen und die Entsendung von Militärberatern.

Das Kriegsgerät ging an Regierungen und „Befreiungsorganisationen“ in Äthiopien, Algerien, Angola, Benin, Ghana, Guinea und Guinea-Bissau, der Volksrepublik Kongo, Libyen, Madagaskar, Mali, Marokko, Mosambik, Sambia, Südwestafrika (heute Namibia), Nigeria und Tansania. Abgewickelt wurde diese sorgsam geheimgehaltene Art von „sozialistischer Hilfe“ von der Abteilung III der Hauptverwaltung Aufklärung des Ministeriums für Staatssicherheit. Das jährliche Volumen der Lieferungen lag bei rund 200 Millionen Mark. Dafür erhielten die Afrikaner Infanteriewaffen und Panzerabwehrgeschütze samt Munition, Schützenpanzer, Kraftfahrzeuge, Pioniergerät, kleinere Kriegsschiffe, Fliegerabwehrraketen, Nachtsichtgeräte und ähnliches. 

Der Grundstein hierfür wurde im Verlaufe von mehreren großen Reisen des DDR-Verteidigungsministers von 1960 bis 1985, Armeegeneral Heinz Hoffmann, während der Jahre 1971/72 gelegt. Die Militärberater aus der Nationalen Volksarmee kamen in einem Dutzend afrikanischer Staaten zum Einsatz, nämlich Ägypten, Algerien, dem Sudan, den beiden Guineas, der Volksrepublik Kongo, Nigeria, Sambia, Somalia, Tansania, Mosambik und Angola. Bei der Auslandspräsenz in Afrika wurden die DDR-Militärs nur von denen aus Kuba und der Sowjetunion übertroffen. Sie vermieden allerdings die Teilnahme an Kampfhandlungen.

Zum Ende der 1970er Jahre kam es schließlich zu einer verstärkten Ökonomisierung der Afrikapolitik Ost-Berlins, die deren dritte Phase bestimmte und aus diversen Krisen resultierte. Eine davon war die Kaffeekrise von 1976, eine weitere die Devisenkrise von 1977. Um trotz Mangels an Devisen und drastisch steigender Preise auf dem Weltmarkt afrikanische Rohstoffe zu erwerben, entwickelte die SED-Führung eine geheime Afrikastrategie, die auf Kompensationsgeschäften beruhte. Als Gegenleistung für den Import von wichtigen Gütern wie Steinkohle aus Mosambik oder Kaffee aus Angola sowie auch dringend benötigten Südfrüchten wurde den betreffenden Exportländern kräftig unter die Arme gegriffen, um Produktion und Abbau anzukurbeln. 

So entstanden beispielsweise landwirtschaftliche Großfarmen mit Anbauflächen von bis zu 120000 Hektar oder Reparaturwerkstätten zur Instandsetzung der benötigten Technik. Dabei kamen in zunehmendem Maße „Freundschaftsbrigaden“ der Freien Deutschen Jugend (FDJ) zum Einsatz, die aus besonders ausgesuchten und zuverlässigen Auslandskadern der SED-Nachwuchsorganisation und „Kampf­reserve der Partei“ bestanden.

Allerdings musste die DDR während der Verfolgung ihrer neuen Strategie mehrere schwere Rückschläge hinnehmen. So scheiterte die Anbahnung vertiefter wirtschaftlicher Kontakte mit Libyen durch einen mysteriösen Hubschrauberabsturz im März 1978 unweit des Wadi Suf al-Jin. Dabei starben unter anderem Honeckers „Kronprinz“ und Sonderbotschafter für die afrikanischen und arabischen Länder, Werner Lamberz, sowie der Leiter der Abteilung Internationale Verbindungen im Zentralkomitee der SED, Paul Markowski. Ebenso verschlechterte sich das Verhältnis zu Äthiopien, als das Land keinen Krieg mehr gegen seinen Nachbarn Somalia führte: Nachdem es 1977/78 noch 10000 Tonnen Kaffee in die DDR geliefert und dafür Waffen erhalten hatte, beendete Äthiopien das Tauschgeschäft mit Ende des Konflikts und verlangte nunmehr Devisen.

Infolge solcher Entwicklungen verlagerte sich der Schwerpunkt der ökonomischen Zusammenarbeit Anfang der 1980er Jahre immer mehr auf Angola und Mosambik, wo Bürgerkriege zwischen marxistischen und antikommunistischen Milizen tobten. Die daraus resultierenden Gefahren wurden seitens der DDR-Führung bis zum 6. Dezember 1984 verdrängt. An diesem Tage überfielen mosambikanische Rebellen, die vermutlich der von Südafrika unterstützten Widerstandsbewegung Resistência Nacional Moçambicana (RENAMO, Nationaler Widerstand Mosambiks) angehörten, einen Lkw-Konvoi auf der Straße von Lichinga nach Unango. Dabei erschossen sie gezielt acht „Aufbauhelfer“ aus der DDR – und das trotz schwerer Bewachung durch Militäreinheiten der Regierung. Aber die zeigten fast alle ein „kapitulantenhaftes Verhalten“, wie die Staatssicherheit später ernüchtert feststellte.

Nachfolgend begann die vierte und letzte Phase der Afrikapolitik Ost-Berlins, die durch wachsendes gegenseitiges Misstrauen, den Abzug der meisten DDR-Spezialisten und eine zunehmende Hinwendung der afrikanischen Partner zum Westen gekennzeichnet war.W.K.