Vanille ist ein sehr beliebtes Gewürz. Besonders in Joghurt, Eis und Backwaren sorgt es für eine Geschmacksrichtung, die reißenden Absatz garantiert. Gewonnen wird Vanille aus den Kapselfrüchten verschiedener Orchideen-Gattungen, die in Mexiko und Mittelamerika sowie einigen Inseln im Indischen Ozean zuhause sind. Weltweit größtes Vanille-Anbaugebiet und damit wichtigster Lieferant ist Madagaskar.
Die Insel kann mit ihrer recht überschaubaren Größe naturgemäß nicht die gesamte Welt mit Vanille beliefern, was den Preis grundsätzlich hochhält. Dass der Vanille, die frisch gepflückt so gut wie keinen Geschmack hat und ihre Aromen erst durch Wärme und Fermentationsprozesse freisetzt, heilende und aphrodisierende Wirkung zugeschrieben wird, treibt die Nachfrage zusätzlich in die Höhe.
Findige Entwickler haben schon früh ein künstliches Vanille-Aroma entwickelt, das in beliebig großen Mengen hergestellt werden kann. Der Preis liegt bei etwa fünf Prozent des Preises für echte Vanille und ist damit für zahlreiche Hersteller attraktiv. Doch wer synthetische Vanille verwendet, darf sein Produkt nicht mit dem Aufdruck „Natürliche Aromen“ kennzeichnen. Diese Auszeichnung wertet ein Produkt jedoch auf und rechtfertigt es, dem Verbraucher einen höheren Preis abzuverlangen. Die Konsequenz: Viele Hersteller legen Wert darauf, ihr Produkt mit dem Etikett „natürliche Vanille“ schmücken zu dürfen. Um trotzdem den Preis für echte Vanille zu vermeiden, der aktuell regelrecht durch die Decke geht, sind die Produzenten auf die Idee verfallen, andere Produkte natürlichen Ursprungs heranzuziehen, um durch Einwirkung von Wärme, den Zusatz von Enzymen, Fermentierungsprozesse und andere biotechnologisch heute zur Routine zählende Verarbeitungsprozesse ein Aroma zu erzeugen, das dem von Vanille ähnlich ist. Die Verwendung natürlicher Basisstoffe erlaubt es den Produzenten, ihre Ware entsprechend mit dem begehrten Aufdruck „Natürliche Aromen“ zu deklarieren. Biotechnologisch ist die Wissenschaft weit fortgeschritten. Da wundert es nicht, dass Vanillearomen auf Basis von höchst fragwürdigen Ausgangsstoffen wie Fichtenholz, Curcumin und Hefepilzen gewonnen werden. Asiatische Wissenschaftler scheinen bei der Gewinnung von natürlichen Aromen, die an Vanille erinnern und von anderen „natürlichen“ Ausgangsstoffen gewonnen werden können, besonders fantasievoll zu sein. Sie haben entsprechende Stoffe auf Basis von mit Enzymen versetzten Darmbakterien und Glycerin sowie aus Exkrementen von Rindern entwickelt.
Aktuell sind die Vanillepreise auf schwindelerregende Höhen von 500 bis 600 US-Dollar je Kilogramm geklettert. Damit ist Vanille wertvoller und teurer als Silber, das derzeit rund 460 US-Dollar je Kilogramm kostet. Eine Entwicklung, welche die Produzenten dazu treibt, weiter preiswerte Quellen für „natürliche Aromen“ einzusetzen. Wer Bourbon-Vanille für sein Weihnachtsgebäck oder den Sonntagskuchen verwendet, kann sich aber sicher sein, dass keine Basisstoffe verwendet werden, die er nicht zu sich nehmen möchte. Bourbon-Vanille darf nur die Vanille genannt werden, die auf Madagskar, Reunion oder den Komoren geerntet wird.


