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16.11.18 / Trend zu »Fast Fashion« / Angesagt ist günstige Kleidung, die nur kurz getragen wird

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-18 vom 16. November 2018

Trend zu »Fast Fashion«
Angesagt ist günstige Kleidung, die nur kurz getragen wird

Der irische Textildiscounter Primark wirbt mit niedrigs-ten Preisen für Trend-Klamotten und verführt zum hemmungslosen Einkaufen. Damit sorgen er und seine Mitbewerber aber auch für Müllberge, die kaum noch zu beherrschen sind. 

Rund 5,2 Milliarden Textilien haben die Deutschen nach einer Schätzung der Umweltorganisation Greenpeace in ihren Schränken, von denen 40 Prozent sehr selten oder nie getragen werden. Der Handelsexperte Thomas Harms von der Unternehmensberatung Ernst and Young glaubt sogar, dass ein großer Teil der Kleidungsstücke, die gekauft werden, gar nicht mehr getragen wird. „Die Textilindustrie ist an einem Wendepunkt angekommen“, erklärt Greenpeace-Expertin Viola Wohlgemuth gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Stern“. 

Der ungebrochene Trend gehe zu „Fast Fashion“ gilt als auslösender Faktor der Klamottenlawine. Greenpeace erklärt, dass die Hälfte aller Kleidungsstücke höchstens ein Jahr getragen wird. Danach werden sie entsorgt, entweder im Hausmüll oder in den Altkleider-Containern. „In diesem Jahr beobachten wir ein historisches Hoch bei den Sammelmengen“, sagte Thomas Ahlmann, Sprecher des Dachverbands Fairwertung, einem Zusammenschluss gemeinnütziger Alttextilsammler gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“. Erstmals dürften mehr als eine Million Tonnen abgelegter Textilien in den Containern landen. Folge sei eine akut drohende Überlastung der gesamten Verwertungskette.

Primark ist nicht der erste und einzige Billig-Anbieter auf deutschem Boden. Kik, Takko, die alten Größen H&M und C&A sowie die Discounter Aldi und Lidl verkaufen seit Jahren günstige Kleidung. Doch Primark habe es ins Extreme getrieben. Noch modischer und noch billiger zu sein als die Konkurrenz sei der Anspruch, sagt Greenpace und schätzt, dass jeder Primark-Kunde bei einem Einkauf etwa fünf Kleidungsstücke mitnimmt. 

Die Folge: „Viele Sortierbetriebe, die den Sammlern überschüssige Mengen abkaufen, müssen inzwischen zusätzliche Lagerflächen anmieten, um die Kleiderballen unterzubringen. Das hohe Mengenangebot drückt zudem die Preise für alle Beteiligten, vom Containeraufsteller bis zum Wiederverwerter, und erschwert wirtschaftliches Arbeiten. Dass die Lager so voll sind, ist außergewöhnlich. Das stellt durchaus eine wirtschaftliche Herausforderung für die ganze textile Kette dar“, sagt Ahlmann.

Der Dachverband Fairwertung sowie Greenpeace setzen nun Hoffnungen in einen neuen Trend. Das Tragen von Kleidung aus zweiter Hand kommt immer mehr in Mode. „Secondhand ist angesagt“, stellt Greenpeace-Expertin Brodde beruhigt fest. Und auch Thomas Ahlmann hat bereits festgestellt, dass offenbar ein Umdenken stattfinde. „Ganz neue Personenkreise entdecken das Thema, beispielsweise junge, modebe-wusste Frauen, die ökologisch richtig handeln und sich den Spaß an der Mode dabei nicht verderben lassen wollen.“P.E.