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16.11.18 / Humbug mit Scrooge / Neu im Kino: Wie Charles Dickens die Weihnachtsgeschichte erfand

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-18 vom 16. November 2018

Humbug mit Scrooge
Neu im Kino: Wie Charles Dickens die Weihnachtsgeschichte erfand
Harald Tews

Onkel Dagobert gilt schlechthin als Personifikation des Geizhalses. Die Disney-Figur heißt aber nur in den deutschen „Donald-Duck“-Geschichten so, nachdem ihn die Übersetzerin Erika Fuchs in den 50er Jahren nach den Dagobert-Königen der Merowinger getauft hat. In den englischsprachigen Originalcomics trägt er den weniger königlichen Namen Scrooge McDuck. Taufpate dabei war Charles Dickens, der in seiner 1843 erschienenen „Weihnachtsgeschichte“ seinen Helden Ebenezer Scrooge genannt hat.

In den angelsächsischen Ländern kennt jedes Kind die Ge­schichte des vom Geiz zerfressenen Geldverleihers Scrooge, dem vor Weihnachten drei Geister erscheinen, die ihm sein mitleidloses Tun vor Augen halten, der Weihnachten für „Humbug“, also Unsinn, hält und der am Ende doch sein Herz und Portemonnaie für die Armen öffnet. 

Die sentimentale Geschichte war seit dem Erscheinen ein ko­lossaler Erfolg. So wie bei uns aus den Märchen der Brüder Grimm wird jenseits des Kanals und des Atlantiks aus Dickens „A Christmas Carol“ – so der Originaltitel – gelesen. Oder man sieht sie sich an. Seit einem ersten Stummfilm von 1901 hat es nahezu jährlich eine Verfilmung gegeben. Die jüngste kommt am 22. November in unsere Kinos. In seinem auf einer Buchvorlage basierenden Film „Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand“ geht der indischstämmige britische Regisseur Bharat Nalluri der Frage nach, wie Dickens auf die Idee zu diesem schmalen Buch kam.

Nach seinen frühen Erfolgen mit „Die Pickwickier“ und „Oliver Twist“ steckt Dickens finanziell in der Klemme. Seine darauffolgenden Romane erwiesen sich als Misserfolge. Dabei verlangen sein verschwenderischer Lebensstil, ein neues Haus in London mit viel Personal und fünf Kindern rasch nach einem neuen Bucherfolg. Dieser deutet sich an, als ihm nach einem Friedhofsbesuch eine Weihnachtsgeschichte und der Name Scrooge einfallen. Allerdings befindet er sich in Zeitnot: In sechs Wochen ist Weihnachten, und bis dahin muss die Geschichte fertig sein.

Im Film schwirren die Protagonisten der „Weihnachtsgeschichte“ wie Geister um Dickens (Dan Stevens) herum und beflügeln ihn bei der Arbeit. Allein Christopher Plummer hält als kauziger 

Scrooge die Zuschauer bei der Stange. Der Rest verschanzt sich hinter viktorianischen Kostümen und Kulissen. Die mit der „Weih­nachtsgeschichte“ aufgewachsenen Briten werden diesen Film lieben. Die Deutschen werden sich mit dieser Freudschen Hobbyanalyse, die auch Dickens’ traumatische Kindheitserlebnisse aufarbeit, schwertun.