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16.11.18 / Das Herz der Stadt schlägt wieder / 73 Jahre nach dessen Zerstörung wurde das originalgetreu wiederaufgebaute alte Rathaus von Osterode eröffnet

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-18 vom 16. November 2018

Das Herz der Stadt schlägt wieder
73 Jahre nach dessen Zerstörung wurde das originalgetreu wiederaufgebaute alte Rathaus von Osterode eröffnet

Am 28. September wurde das originalgetreu wiederaufgebaute alte Rathaus in Osterode feierlich eingeweiht.

Während der Kampfhandlungen im Januar 1945 wurde Osterode nur geringfügig zerstört. Nach der Einnahme aber wurde die Stadt geplündert und in Brand gesetzt. Das Rathaus hätte, wie alte Fotos deutlich zeigen, durchaus wieder aufgebaut werden können. Man hat das aus politischen Gründen damals bewusst nicht getan. Dass nun nach 73 Jahren das alte Rathaus – originalgetreu und an authentischer Stelle – wieder aufgebaut wurde, ist eine politische Sensation, die auch dadurch zum Ausdruck kommt, dass der Repräsentant der früheren deutschen Bevölkerung, Kreisvertreter Burghard Gieseler, zu der Einweihung eingeladen und gebeten wurde, gemeinsam mit Bürgermeister Czeslaw Najmowicz und Marschall Gustaw Marek Brzezin eine kurze Ansprache zu halten.

Schon seit dem Morgen des 

28. Septembers kündete ein fröhliches Treiben auf dem Alten Markt von dem bevorstehenden Ereignis: Es wurden regionale Produkte – Honig, Marmelade, Wurst und Käse – angeboten, Frauen in Trachten führten alte Handwerkskunst vor, auf einer Bühne wurde getanzt und musiziert. Auch die Jugendtanzgruppe der deutschen Gesellschaft „Tannen“ zeigte ihr Können, und so war von ihr immer wieder das Lied „Mein liebes Osterode“ auf dem Markt zu hören. Am Nachmittag fand in der Burg eine hochkarätig besetzte Festveranstaltung statt, die sich dem Thema Fremdenverkehr widmete. Nach deren Ende begab sich die gesamte Gesellschaft auf den Alten Markt.

Gieseler erinnerte in seiner Ansprache an das Schicksal derjenigen Menschen, die ihre Heimat 1945 (und später) verlassen muss-ten. Ferner brachte er seine Freude und Dankbarkeit über den Wiederaufbau des Rathauses zum Ausdruck. Dieser mache deutlich, dass sich das deutsch-polnische Verhältnis in Osterode in einer geradezu idealen Weise entwickelt habe.

Seine Ansprache endete mit folgenden Worten: „Liebe Bürgerinnen und Bürger von Osterode, die Kreisgemeinschaft Osterode Ostpreußen ist dankbar dafür, dass wir die Gelegenheit bekommen haben, die Rathausuhr zu stiften. Damit erinnern wir an die früheren deutschen Einwohner Osterodes und setzen zugleich ein dauerhaftes Zeichen der Versöhnung. Möge die Rathausuhr dieser Stadt und ihren Einwohnern stets eine friedliche und glückliche Zeit in einem gemeinsamen Europa anzeigen!“

Nach der Rathauseinweihung wurden die Gäste zu einem opulenten mittelalterlichen Mahl in den Innenhof der Burg geladen. Im Anschluss hieran begab sich der Vorstand der Kreisgemeinschaft Osterode Ostpreußen in das Kaminzimmer des Deutschen Hauses, um das historische Ereignis in gebührender Weise ausklingen zu lassen. Bis auf den Schatzmeister, der aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Ostpreußen hatte reisen können, haben alle Vorstandsmitglieder an den Feierlichkeiten in Osterode teilgenommen. 

An dieser Stelle sei nochmals dankend auf denjenigen hingewiesen, der zum Wiederaufbau des Rathauses die Initiative ergriffen hatte: Heinrich Hoch. Ohne ihn stünde das Rathaus heute nicht.B.G.