18.06.2024

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16.11.18 / Ruinen dem Verfall entrissen / Die ostpreußischen Schlösser in Schlodien und Steinort werden wieder aufgebaut

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-18 vom 16. November 2018

Ruinen dem Verfall entrissen
Die ostpreußischen Schlösser in Schlodien und Steinort werden wieder aufgebaut
Christiane Rinser-Schrut

Seit einiger Zeit stehen die Schlösser Ostpreußens wieder im Interesse der Öffentlichkeit. Das  Herder-Institut hat sich dem Projekt einer virtuellen Rekonstruktion der Schlösser und Parkanlagen von Schlodien und Friedrichstein unter der Leitung von Piotr Kuroczynski verschrieben. Mittlerweile kann man die Schlösser von außen auch auf dem YouTube-Kanal des Herder-Instituts bestaunen. 

Der Leser Bruno Behrend machte unsere Redaktion auf den tatsächlichen Wiederaufbau des ehemaligen Dohna-Schlosses Schlodien aufmerksam. Das im Kreis Preußisch Holland gelegene Anwesen wurde nach einem Plan Jean de Bodts in den Jahren 1702 bis 1704 erbaut. Dieser Architekt entwarf unter anderem das Zeughaus in Berlin. Das Schloss des Grafen Christoph zu Dohna im Stil des Hochbarocks überstand alle Wirren der Zeit und sogar den Zweiten Weltkrieg. Doch im Jahr 1986 brannte es nieder. 

Stefan Hipp, bayerischer Unternehmer und Mitbegründer der Hipp-Holding, will das Schloss wiedererrichten. 2017 wurden die ersten morschen Wände abgerissen. Die geplante Rekonstruktion in enger Zusammenarbeit mit dem Herder-Institut ist im vollen Gange. Mittlerweile herrscht dort ein reger Baustellenbetrieb. Das Schloss ist bis in den dritten Stock fertiggemauert und als nächstes wird das Dach aufgesetzt werden. Der Schlossteich wurde bereits ausgebaggert sowie gereinigt und Mönche, also die regulierbaren Ablaufbauwerke des Teichs zur Einstellung des Wasserspiegels, eingesetzt.

Nicht weit entfernt von der Großbaustelle steht die gotische Steinkirche in Schlobitten, ebenfalls ein Auftrag der Familie zu Dohna. Der umliegende Friedhof mit den protestantischen Gräbern war noch im Jahr 1984 in einem ruinösen Zustand, wie der Schlobitter Behrend berichtete. Nicht nur die Vegetation zerstörte die Gräber, auch Grabräuber taten ihr Werk: aufgegrabene Ruhestätten, zerstörte Grabumrandungen und Grabsteine. Der einstige Pfarrer stand seinerzeit nicht zur Verfügung, um die Kirche aufzuschließen. Auch sonst habe keiner einen Schlüssel gehabt. Möglicherweise war das Interesse an der deutschen Vergangenheit inmitten des Ortes nicht all zu groß. 

Der heutige Pfarrer scheine, so Behrend, die Auffassung zu vertreten: „Versöhnung, Völkerverständigung muss durch Taten erfolgen, nicht durch Reden“. Der Friedhof ist wieder in einem guten Zustand, Grabsteine sind lesbar und die Gräber zugänglich. Nach wie vor ist das Dach der Kirche undicht, doch seine Bemühungen, von der  katholischen Kirche Geld für die Reparatur zu erhalten, laufen ins Leere.

In der aktuellen Pressemitteilung der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag zum Haushalt 2019 erklärt der Sprecher der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Eckhard Pols: „Bei den Haushaltsverhandlungen im Deutschen Bundestag konnten wir für die Vertriebenen, Aussiedler und deutsche Minderheiten gute Ergebnisse erzielen. Auf Basis von § 96 des Bundesvertriebenengesetzes finanziert die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien jetzt Projekte für die Kulturarbeit in Höhe von mehr als 21 Millionen Euro. Es ist uns darüber hinaus gelungenen, für weitere Einzelmaßnahmen finanzielle Unterstützung zu erhalten. Zu nennen ist der Umbau von Schloss Horneck bei Gundelsheim: Diese ehemalige Deutschordensfeste soll als Kultur- und Begegnungszentrum mit dem Ziel weitergeführt werden, die Geschichte der Siebenbürger Sachsen weiter zu erforschen. ... Ebenfalls gefördert wird Schloss Steinort (1680 erbaut), eines der bedeutsamsten noch erhaltenen Schlösser Ostpreußens.“ Die Universitäten Posen und die TU Dresden sind daran beteiligt.