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30.11.18 / Seelenarbeiter der CSU / Markus Söder will als Parteichef auf Ruhe und Stabilität setzen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 48-18 vom 30. November 2018

Seelenarbeiter der CSU
Markus Söder will als Parteichef auf Ruhe und Stabilität setzen
Peter Entinger

Nun also doch: Markus Söder greift nach dem Vorsitz der CSU und wird in Januar die Nachfolge von Horst Seehofer antreten. Trotz des schlechten Abschneidens bei der Landtagswahl in Bayern wird es wohl keinen Gegenkandidaten geben. Der Wunsch nach Ruhe eint die Christsozialen. Der bayerische Ministerpräsident erklärte unter anderem, dass er die CSU attraktiver für Frauen machen wolle, dass er vorhabe, der Basis mehr Mitbestimmungsrechte einzuräumen und dass er – nach dem Wahlerfolg der Grünen – verstärkt auf ökologische Themen setzen möchte. Öffnen müsse sich die CSU, wieder mehr reden mit Gruppen, die man verloren habe. Söder nannte „Kirchen und Kulturschaffende, Flüchtlingshelfer und Patrioten“. Für alle müsse die Partei wieder Heimat bieten. 

„Es ist auch manches an Seelenarbeit notwendig in der CSU, um vieles wieder miteinander zu versöhnen.“ Der neue CSU-Vorsitzende soll auf einem Sonderparteitag am 19. Januar gewählt werden. Zu diesem Termin will Seehofer sein Amt abgeben, an der Wahl Söders besteht kein Zweifel. Der, der ihm gefährlich hätte werden können, der EU-Politiker Manfred Weber, hatte zuvor abgewunken. Sowohl Alexander Dobrindt, der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, als auch Ilse Aigner, die bayerische Landtagspräsidentin, fordern alle in der CSU auf, jetzt nach vorne zu schauen anstatt zurück. Söder habe das entsprechende politische Gewicht und stehe mit seinen 51 Jahren schon allein altersmäßig für eine Erneuerung, erklärte der CSU-Fraktionschef im Landtag, Thomas Kreuzer. Die Machtfülle, die sich Söder geschaffen hat, ist beachtlich. In seinem Kabinett ist er von Vertrauten umgeben, in der Fraktion gibt es ebenfalls fast nur Mitstreiter. Jahrelang gab es Zweifel, dass der Franke der richtige ist, um in den traditionellen Parteihochburgen Ober- und Niederbayern erfolgreich zu sein. Doch nun wird er der starke Mann in Bayern und auch in Berlin ein gewichtiges Wörtchen mitreden.

Zur Partnerschaft mit der Schwesterpartei CDU legte er ein klares Bekenntnis ab, räumte indirekt sogar eigene Fehler ein: „Der Flüchtlingsstreit im Sommer, der hat uns geschadet. Ich habe persönlich viel gelernt im Wahlkampf, manche Entscheidung musste sehr schnell getroffen werden, vielleicht zu schnell“, erklärte er. Ein „Stabilisierungsfaktor“ in allen Regierungen wolle die CSU künftig sein. Eine Lehre sei, sich stärker von der AfD abzugrenzen. Das habe man am Anfang wohl falsch eingeschätzt, sagte Söder dem „Spiegel“: „Zugleich muss die CSU auch die Herausforderung annehmen, die uns die Grünen stellen“, was unter dem Stricht bedeutet: „Wir müssen eine große Volkspartei sein, die alle relevanten Gruppen mitnimmt.“ An Seehofer als Bundesinnenminister will Söder festhalten. Denn der Wunsch nach Stabilität und Kontinuität gelte auch auf der personellen Ebene.