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30.11.18 / Bösewicht wider Willen / DDR-Glanz und Deutschlands Gloria – Rolf Hoppe ist gestorben

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 48-18 vom 30. November 2018

Bösewicht wider Willen
DDR-Glanz und Deutschlands Gloria – Rolf Hoppe ist gestorben
Erik Lommatzsch

Die Frage blieb im Gedächtnis hängen: „Brühl, habe ich noch Geld?“ Wohl kaum einer hätte die Rolle des liebenswert-naiven Sohnes und Nachfolgers Augusts des Starken, der nahezu völlig in der Hand seines Ministers war und sich bei diesem nach dem Stand seiner Fi­nanzen erkundigen musste, besser darstellen können als der große Schauspieler Rolf Hoppe.

Wie so vieles aus der Mitte der 1980er Jahre von der DEFA produzierten und sehr aufwendigen Historienserie „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“ klingt auch dieser Satz nach. Der wohl populärste Film, in dem Hoppe mitwirkte, ist jedoch das an Weih­nachten unentbehrliche TV-Märchen „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, hier war er der König.

Hoppe wurde am 6. De­zember 1930 am Südrand des Harzes geboren. Sein Weg führte nicht direkt, allerdings beharrlich zur Schauspielerei. Nach Bäckerlehre, Kutscher- und Tierpflegertätigkeit sowie ersten Engagements an DDR-Theatern, war er langjährig dem Staatsschauspiel Dresden verbunden, trat aber auch andernorts auf, so beim Salzburger „Jedermann“. 

Auf der Leinwand verkörperte Hoppe meist „Bösewichte“. Die Spannbreite reicht von Gegenspielern edler Indianer bis hin zur Rolle des Hermann Göring in István Szabós Oscar-gekrönter Romanverfilmung „Mephisto“. In der Titelrolle war Klaus Maria Brandauer zu sehen, mit dem Hoppe nicht nur hier zusammenwirkte. Ein Alt-Nazi war er in „Schtonk“, in der „Comedian-Harmonists“-Verfilmung spielte er als Julius Streicher ebenfalls ei­nen NS-Funktionär. In Peter Schamonis „Frühlingssinfonie“ gab er den Vater der Pianistin Clara Wieck. Zahllose Fernsehrollen kamen hinzu. Mit den negativen Charakteren, für die er häufig be­setzt wurde, haderte er mitunter. Hoppe, der auch gern an Produktionen für Kinder beteiligt war, sprach dann schon mal von der „Sehnsucht, Clown zu spielen“.

Letztlich liebte er sein Fach, das „Charakterfach“. Hoppe bekannte, dass es doch „Spaß“ mache, in den Rollen anders zu sein – „so, wie man sein möchte“, oder eben gerade „so, wie man nicht sein möchte“. Immer wieder förderte er junge Nachwuchstalente, so etwa Jan Josef Liefers.

Eng verbunden war er dem sächsischen Schloss Weesenstein, wo er vielfach auftrat, als Schauspieler und mit Lesungen. Bereits 1995 hatte er am Stadtrand von Dresden einen Bauernhof erworben und führte hier, einen Lebenstraum verwirklichend, als Prinzipal sein eigenes „Hoftheater“. Zum Tod pflegte er ein entspanntes Verhältnis, man wisse ja nicht, ob dieser vielleicht das Schönste vom Leben sei, „da lassen wir uns überraschen.“ Am 14. November ist Rolf Hoppe gestorben.

Am 24. Dezember ist Hoppe in „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ zu sehen (Das Erste: 12 Uhr, rbb Fernsehen: 20.15 Uhr). Das ZDF zeigt Hoppe im „Spreewaldkrimi – Zwischen Tod und Le­ben“ (30. Dezember: 21.50 Uhr).