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30.11.18 / Wo man Luxus »riechen« kann / Kaufhaus GUM am Moskauer Roten Platz: Vor 125 Jahren öffnete das legendäre Kaufhaus

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 48-18 vom 30. November 2018

Wo man Luxus »riechen« kann
Kaufhaus GUM am Moskauer Roten Platz: Vor 125 Jahren öffnete das legendäre Kaufhaus
Manuela Rosenthal-Kappi

Ach, wie herrlich! Hier kann man Luxus riechen“, freut sich die Moskauer Unternehmergattin Jelena, als sie mit ihrem Besuch aus Deutschland das berühmte Kaufhaus GUM (Abkürzung für „Glawnyj Universalnyj Magasin = Hauptwarenhaus) betritt. Tatsächlich trifft man hier Läden aller bekannten Luxusmarken an. Ob Gucci, Cartier, Dior, Hermes Paris oder Louis Vuitton: Alle bieten im GUM ihre neuesten Kollektionen an. Heute, 125 Jahre nach der Gründung des damals „Obere Handelsreihen“ genannten Kaufhauses am Roten Platz gegenüber dem Moskauer Kreml, dient das Gebäude nach einer bewegten Geschichte wieder seiner ursprünglichen Bestimmung als Luxuswarenhaus. 

Im Zentrum der russischen Hauptstadt wurde bereits vor 300 Jahren Handel getrieben. Die Vorgänger des heutigen GUM waren jedoch einfache Holzläden, die vor allem im Winter, wenn mit offenen Feuern geheizt wurde, mehrfach den Flammen zum Opfer fielen. Immer wieder musste das alte Handelszentrum neu aufgebaut werden, bis die Stadt 1889 einen Wettbewerb für ein modernes Kaufhaus ausschrieb. Aus 23 Entwürfen wählte eine Kommission den Entwurf von Alexander Pomeranzew und Wladimir Schuchow, der ein Gebäude von drei sich kreuzenden horizontalen und vertikalen Linien vorsah, welche die Straßen Nikolskaja und Iljinka miteinander verbinden. In einer Bauzeit von nur drei Jahren (von 1890 bis 1893) entstand die damals größte Passage Europas. Sie war im pseudorussischen Stil gehalten, das heißt, Elemente der historischen russischen Architektur verbanden sich mit den neoklassizistischen westeuropäischer Prägung. Das Kaufhaus sollte sich harmonisch mit der Architektur der umliegenden Häuser und dem Kreml verbinden. Mit seinem durchgängigen Glasdach und einer Glaskuppel über dem Brunnen im Zentrum war das Bauwerk nicht nur eine architektonische Meisterleistung, sondern es war auch das hochtechnologisierteste Gebäude in Moskau, das über ein eigenes Kraftwerk für das Heizungs- und Belüftungssystem, eine Kanalisation und Lastenaufzüge verfügte. 7000 elektrische Glühlampen ließen die Passagen abends in hellem Licht erstrahlen.

Die feierliche Eröffnung fand am 2. Dezember 1893 statt. Auf drei Verkaufsetagen zogen Läden ein, die in schicken Salons ihre Waren feilboten. Insgesamt gab es 322 solcher Salons mit Erzeugnissen der gehobenen Klasse. Möbel, Lebensmittel, Kleidung, Parfüm –  die „Oberen Handelsreihen“ ließen keine Wünsche offen. Mit zusätzlichen Dienstleistungen lock-ten die Händler Kunden an. Juweliere boten Gravuren an, es gab Friseure, einen Zahnarzt, eine Postfiliale und ein Restaurant. Außerdem standen Käufern Übersetzer, Paketträger, die Ge-päckaufbewahrung, ein Fundbüro und eine Garderobe zur Verfügung. Selbst das kulturelle Leben kam nicht zu kurz. Im Obergeschoss wurde eine Kunst-Ausstellung eröffnet, im Auktionssaal Konzerte gegeben und auf den Brücken beim Brunnen spielte ein Orchester. 

Die Oktoberrevolution von 1917 beendete die Glanzzeit des Kaufhauses. Es wurde geschlossen, die Waren konfisziert und das Volkskommissariat für Nahrungsmittelverteilung zog ein. In den 1920er Jahren war gemäß Lenins Neuer Ökonomischen Politik privater Handel wieder erlaubt. Auf Be-treiben Lenins wurden die „Oberen Handelsreihen“ in GUM umbenannt. 1930 kam es dann erneut zur Schließung. Es gab sogar Pläne, das Kaufhaus abzureißen, um einer Erweiterung des Kremlgeländes Platz zu machen. 1940 hatte Stalin vor, das GUM für den Bau einer Riesenskulptur zum Gedenken an den Sieg über Deutschland zu schleifen. Zum Glück wurden diese Pläne nie umgesetzt. Erst am 24. Dezember 1953 wurde das GUM nach einem Umbau neu eröffnet. 

Sah es Anfang der 1990er Jahre noch recht düster aus und hatten die Läden wenig zu bieten, so strömt das GUM seit einer umfassenden Renovierung in den 2000er Jahren statt Kohl- Wohlgeruch aus. Seine schmucken Galerien mit Säulen und Rundbögen erfreuen jährlich eine Vielzahl Touristen.

Das GUM wurde privatisiert. Es hat außerdem den Status eines Architekturdenkmals und ist wie bei seiner Eröffnung wieder eine Wohlfühloase.