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30.11.18 / Die Königin schaffte es nie bis Queen City / Die Stadt Charlotte in den USA feiert 250-jähriges Bestehen – Benannt wurde sie nach Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 48-18 vom 30. November 2018

Die Königin schaffte es nie bis Queen City
Die Stadt Charlotte in den USA feiert 250-jähriges Bestehen – Benannt wurde sie nach Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz
Stephanie Sieckmann

Der Flughafen Douglas in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina hat königliche Ziele. Im Terminal finden sich überall Hinweisschilder, die sagen: „Wir bauen einen Flughafen, der für die Queen angemessen ist.“ Nein, hier wird keineswegs der Besuch von Queen Elizabeth erwartet. Vielmehr soll der Flughafen in Charlotte, der vom Passagieraufkommen in den USA der zehntgrößte ist, schicker und moderner werden. Die Stadt Charlotte wird von den Einwohnern liebevoll Queen City ge­nannt – und Adel verpflichtet. 

An dem Spitznamen ist eine andere Königin schuld. Ebenfalls eine, die in England ge­krönt, aber nicht dort geboren wurde. Charlotte von Meck­lenburg, genauer gesagt: Sophie Charlotte Herzogin zu Mecklenburg-Strelitz wurde 1744 in Mirow geboren. In die Ge­schichte ging sie ein als Königin Charlotte von Großbritannien und Irland, Kurfürstin von Braunschweig-Lüneburg und Königin von Hannover. Grund für diese Amtstitelführung war ihre Heirat mit König Georg III. von Großbritannien im Alter von 17 Jahren. Insgesamt 57 Jahre lang war sie Königin. Ihr zu Ehren wurde die Stadt in North Carolina benannt, die am 3. Dezember das 250-jährige Bestehen feiert. 

Königin Charlotte war in einer Zeit in Amt und Würden, in der Auswanderer aus Europa sich zunehmend auf den Weg nach Amerika machten. Viele der deutschen Einwanderer nutzten nach ihrer Ankunft auf dem neuen Kontinent einen Handelsweg der Sioux-Indianer für die Reise ins Landesinnere. Die Route führte sie in eine einladende Gegend mit vielen Bächen und Flüssen. Eine Kreuzung zweier Handelswege schien ideal zu sein, um sich niederzulassen. Zu Ehren ihrer Heimat in Europa nannten die Einwanderer die Region, in der sie sich ansiedelten, Mecklenburg County. Die Stadt, die sie hier gründeten, benannten sie nach ihrer Königin: Charlotte. 1768 wurde die Siedlung als Charlotte Town eingetragen.

Im Herzen der im Süden North Carolinas liegenden Stadt ist die Kreuzung der beiden indianischen Handelswege auch heute noch erhalten. Heute heißt die Straße, die von Nord nach Süd führt, Tryon Street und wird exakt an der Kreuzung in North Tryon und South Tryon Street geteilt. Die Straße, welche die Tryon Street kreuzt, ist die Trade Street, die sich an gleicher Stelle in East Trade und West Trade Street teilt. Diese Kreuzung, in deren Umfeld einige der wichtigsten Unternehmen der Stadt angesiedelt sind, ist ein sehr markanter Punkt in der Stadt. Der Independence Square stellt mit seinen vier markanten Statuen das Herz von Uptown Charlotte dar. Hier stehen vier Statuen, welche die Aspekte symbolisieren, die Charlotte charakterisieren und groß gemacht haben: Verkehr, Zukunft, Handel und Industrie.

Der Handel mit Baumwolle, der die Plantagenbesitzer reich machte, hatte dabei ebenso seinen Einfluss wie später die industrielle Weiterverarbeitung der Baumwolle. Es war aber keineswegs ausschließlich die Baumwolle, die der Stadt Charlotte Reichtum brachte. Der aus Hessen stammende Johannes Reidt, der sich später John Reed nannte, ent­deckte 1799 in Little Meadow Creek auf seiner Farm unweit von Charlotte einen 17 Pfund schweren Klumpen, der drei Jahre später bei der Untersuchung durch einen Juwelier als Gold-Nugget erkannt wurde. Dieser erste spektakuläre Goldfund löste den Gold­rausch aus, der etliche Farmer dazu brachte, im Winter, wenn die landwirtschaftliche Arbeit abgeschlossen war, zur Goldwaschpfanne zu greifen und sich im Goldwaschen zu üben. 

Ein anderer deutschstämmiger Einwanderer, Goldschmied und Uhrmacher, Christopher Bechtler aus Pforzheim, war es schließlich, der in den frühen 1830er Jahren in Charlotte die ersten Goldmünzen prägte. Lange bevor die US-Regierung 1849 mit der Produktion von Gold-Dollars begann. Wie Reidt und Bechtler haben viele deutschstämmige Einwanderer ihre Spuren in Charlotte hinterlassen.

Seit den Gründungstagen wächst und gedeiht Queen City. Heute ist Charlotte nicht nur die größte Stadt in North Carolina, sie ist auch eine Stadt mit enorm großer Bedeutung in den USA. Als Hauptsitz der Bank of America sowie einiger weiterer namhafter Unternehmen aus dem Finanzsektor ist Charlotte der zweitwichtigste Bank- und Finanzplatz der Vereinigten Staaten. Die Finanzunternehmen Wachovia und Wells Fargo sind hier ebenso zu finden wie einige der 500 umsatzstärksten Gesellschaften der USA. Dazu gehören die Kaufhauskette Belk, die Baumarktkette Lowe und das Luftfahrtunternehmen UTC Aerospace Systems.

Da wundert es nicht, dass Charlotte mit rund 840000 Einwohnern bevölkerungsreicher ist als Miami oder Detroit. In der Metropolregion Charlotte-Gastonia-Concord leben heute insgesamt rund 2,5 Millionen Menschen. Und es werden ständig mehr. Der Grund: Charlotte ist die beliebteste Stadt bei jungen College-Absolventen, wenn es darum geht, einen ersten Arbeitsplatz nach dem Studium anzunehmen.

Die neu hinzuziehenden jungen US-Amerikaner sorgen dafür, dass sich sowohl in Sachen Kultur als auch im Hinblick auf die Kulinarik viel entwickelt. Die großen Trends, die in Charlotte Woche für Woche Neueröffnungen hervorbringen, nötigen europäische Besucher dazu, unter anderem ihre klischeebeladenen Vorstellungen von US-amerikanischer Gastronomie über Bord zu werfen. Regionale Produkte stehen besonders hoch im Kurs und werden von gemeinnützigen Un­ternehmungen an die Gastronomen der Stadt geliefert. Sterneköche zaubern aus Gemüsesorten Leckereien auf Basis von Südstaaten-Rezepten, denen ein moderner Hauch eine besondere Note verleiht. Ja, die USA können auch ohne Burger, Fastfood und große Fleischlappen auf dem Teller. 

Die Verbindung zu Europa und insbesondere zu Deutschland ist in Queen City nach wie vor stark. Die deutsche Gemeinde in Charlotte und in North Carolina ist groß. Mehr als 300 deutsche Un­ternehmen haben einen Firmensitz in Charlotte. Nicht zuletzt deshalb sind die Direktflüge von Deutschland nach Charlotte ein Muss am Flughafen Charlotte Douglas.