19.04.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
07.12.18 / Gegenwind / Rohstoff Geist?

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-18 vom 07. Dezember 2018

Gegenwind
Rohstoff Geist?
Florian Stumfall

Dieser Tage wurde das Grundgesetz wieder einmal geändert, es dürfte bald das 60. Mal sein seit dem Inkrafttreten im Jahre 1949. In fast allen Fällen geschah dies zum Nachteil der Bundesländer, das heißt, der Bund zieht unentwegt Zuständigkeiten von den Ländern ab, verschärft auf diese Weise den Zentralismus und stellt das föderale System in Deutschland mehr und mehr in Frage. Der Gründe, warum sich die Länder das gefallen lassen, sind viele: unter anderen Angst vor dem Vorwurf der Kleinstaaterei, Sympathien für eine zentralistische Ordnung und nicht zuletzt die Frage nach den Finanzen.

So, wie es jetzt bei dem jüngsten Beispiel wieder geschehen ist, hat es Tradition: Der Bund kauft sich mit finanziellen Beteiligungen in Zuständigkeiten ein, die den Ländern eigen sind, und diese haben nicht Mut noch Lust, Gelder auszuschlagen, die ihnen vom Bund scheinbar geschenkt werden. Diesmal handelt es sich um die Bildungspolitik – eine reine Ländersache, weswegen das Dreinregieren des Bundes bislang unzulässig war. Jetzt ist es erlaubt, ganz nach der früher geübten Methode der Mischfinanzierung zwischen Bund und Ländern.

Bildung ist natürlich ein sensibles Thema, da will niemand den Eindruck erwecken, er lege einer gedeihlichen Entwicklung Steine in den Weg. Also verkaufen die Länder ein ureigenes Recht um einiger Computer und anderer technischer Hilfsmittel willen und tragen so dazu bei, die verfassungsmäßige Grundstruktur dieses Landes ein weiteres Mal in Richtung Zentralismus zu verschieben. Das fällt umso leichter, als man sich an das Kommandosystem durch das Brüsseler Beispiel längst gewöhnt hat.

Nun könnte man sagen, wir lebten vom Rohstoff Geist, wie uns die Politiker ein ums andere Mal versichern, da heißt es, nicht kleinlich sein und auch einmal ein Opfer bringen. Ja, wenn es denn daran läge! Was als Bildungsmisere beklagt wird, hat mit fehlender Ausrüstung und zu wenig Lehrkräften nichts zu tun. Das Problem ist selbstgemacht, herbeigeführt durch zahllose sogenannte Reformen, die aus einem geordneten Lehrbetrieb – von der Grundschule bis zur Universität – auf weiten Strecken ein absurdes Theater gemacht haben. 

Was die Schüler angeht, so sorgt man sich weniger darum, dass sie lernen sollten, sondern um die Frage, ob sie denn nicht unter Stress leiden könnten. Der klassische Frontalunterricht ist meist abgeschafft, obwohl er die besten Erfolge zeitigt, denn er gilt als Ausdruck von Autorität. Lehrer und Schüler kumpeln und duzen einander. Noten sind repressiv und werden abgeschafft, ebenso wie die Notwendigkeit, bei unzureichenden Leistungen ein Jahr zu wiederholen.

Was an Autorität der Lehrkräfte verloren geht, wird ersetzt durch Faustrecht. Eine Untersuchung aus Nordrhein-Westfalen ergab, dass jeder fünfte Hauptschüler schon einmal einen anderen behandlungsreif geschlagen hat. Auch Lehrer sind gefährdet. Nach einer Umfrage unter 1200 Schulleitern allgemeinbildender Schulen in Berlin gab es in den vergangenen fünf Jahren an der Hälfte der Institute direkte psychische Gewalt und an jedem vierten körperliche Gewalt gegen Lehrer. In vielen Schulen sieht man sich genötigt, den Schülern das Tragen von Waffen zu untersagen.

Bei den allfälligen Schlägereien bis hin zur schweren Körperverletzung geht es meist um „verletztes Ehrgefühl“. Es fällt schwer, in diesem Beweggrund den Ausdruck eines mitteleuropäischen Kultur-empfindens zu sehen. So stellt es denn wahrscheinlich auch keine bloße Korrelation, sondern eine Kausalität dar, dass diese Entwicklung an den Schulen synchron geht mit der steigenden Zuwanderung. Dazu passt eine Zahl aus den deutschen Landeskriminalämtern von zehn Bundesländern. Danach hat die Gewalt an Schulen in den vergangenen Jahren um 114 Prozent zugenommen. Die meisten Delikte waren schwere Körperverletzungen.

Es kann natürlich nicht verwundern, dass die einschlägigen Studien keine Gründe für die Gewalt oder gar ihre Zunahme nennen. Da steht wieder die politische Korrektheit im Wege. Nur sehr zurückhaltend räumte die Lehrergewerkschaft „Verband Bildung und Erziehung“ ein, dass es Konflikte geben könnte, „wenn etwa Grundschüler aus anderen Kulturen in ihrem Elternhaus nicht gelernt haben, mit der Rolle der Frau klarzukommen und Lehrerinnen weniger Respekt entgegenbringen“. Wieso sollen, um es deutsch zu sagen, Mohammedaner nicht mit der Rolle der Frau zurechtkommen? Sie können das sehr gut, doch ist bei ihnen diese Rolle eben eine völlig andere als bei uns in Europa.

Nach einem Bericht der UNESCO fehlen in Deutschland rund 42000 Lehrer für Kinder von Zuwanderern. Das sollte vor allem all denen zu denken geben – allen voran der Kanzlerin –, die wichtigere Dinge für die Politik sehen als die Zuwanderung, etwa die Bildung. Doch auch die 42000 zusätzlichen Lehrer werden nichts ausrichten, wenn sie keine Disziplin durchsetzen können und riskieren, von ihren Schülern verprügelt zu werden. Doch dann kommt von der UNESCO noch ein Lob für Deutschland: Das Land tut sich hervor bei der Anerkennung von ausländischen Abschlüssen. Was bedeutet das? Nichts anderes, als dass man um der politischen Korrektheit willen auf die hiesigen Standards verzichtet und ein gestempeltes Formular als den Nachweis einer Leistung ausgibt. Das ist dieselbe Methode, mit der die Zahl der Abiturienten vervielfacht wurde – wenn man die Ansprüche weit genug senkt, findet man mehr Leute, die ihnen genügen.

Es sollte nicht einmal die Bildungspolitiker erstaunen, dass bei solchen Voraussetzungen nicht die wünschenswerten Leistungen erbracht werden können, nicht von den Lehrern und schon gar nicht von den Schülern. Da sich aber die Malaise von der Grundschule über die weiterführenden Schulen fortsetzt, hat schließlich die Universität darunter zu leiden. Hier müssen oftmals Kenntnisse vermittelt werden, die nicht etwa das Abitur-Niveau beschreiben, sondern die Voraussetzung für die Aufnahme ins Gymnasium bilden. Die Universität Regensburg begrüßt die Damen und Herren Jungakademiker zu einer „Orthografie- und Normberatung“. Diese „erfolgt in allen Teilbereichen der deutschen Rechtschreibung einschließlich des Bereichs der Interpunktion (Zeichensetzung)“. Das ist für Studenten, denen man nicht einmal die Kenntnis des Fremdwortes „Interpunktion“ zutraut! Rechtschreibnachhilfe an der Hochschule! Schließlich leben wir vom Rohstoff Geist! Ach!

Wenn es doch nur Regensburg wäre, wo derlei geschieht. Doch das Phänomen ist flächendeckend. Die Bergische Universität Wuppertal verspricht in 90-minütigen Workshops „einen Überblick über relevante Aspekte der deutschen Rechtschreibung“. In eineinhalb Stunden also lernen dort die Studienanfänger alles, was sie in zwölf Jahren versäumt haben.

Crash-Kurse von eben dieser Art bietet auch die Universität Duisburg Essen an. Dort findet man unter anderem „Kurse, die den Umgang mit Texten und die Gestaltung von Schreibprozessen unterstützen“. Umgang mit Texten? Gestaltung von Schreibprozessen? Wo haben denn die jungen Leute ihr Abitur gemacht? In der Baumschule?

Den links-grünen Bildungspolitikern bis weit hinein in die Unionsparteien ist eines nicht klar: Ihr Kampf gegen den Elitegedanken, der jedem Bildungsbemühen innewohnen muss, soll zwar die Gleichheitsideologie fördern, doch er führt zum Gegenteil. Das Ergebnis ist nämlich keine Gleichheit, sondern nur eine Verminderung der Zahl der Eliten. Das sind diejenigen, die Privatschulen besuchen können, wo tatsächlich zum Bildungserfolg auch das Geld gehört.