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07.12.18 / Die verkannte Gefahr / »Willkommenskult« im All: Forscher suchen Außerirdische – Was, wenn sie Feinde finden?

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-18 vom 07. Dezember 2018

Die verkannte Gefahr
»Willkommenskult« im All: Forscher suchen Außerirdische – Was, wenn sie Feinde finden?
Wolfgang Kaufmann

In ihrem Bemühen, außerirdische Zivilisationen zu finden, horchen Wissenschaftler nicht nur passiv weit ins All hinein, sondern sie versuchen auch, durch aktive Botschaften auf die Menschheit aufmerksam zu machen. So haben die 1972/73 beziehungsweise 1977 gestarteten Raumsonden Pioneer 10 und 11 sowie Voyager 1 und 2 Datenträger mit detaillierten Informationen über die Erde und unsere Spezies an Bord. 

Außerdem wurde am 16. November 1974 ein Radiosignal in Richtung des 25000 Lichtjahre entfernten Kugelsternhaufens M13 geschickt, welches ähnliche codierte Botschaften enthielt – das Arecibo-Signal. Dem folgten weitere solcher Nachrichten wie „Cosmic Call“ I und II (1999 und 2003), „Cosmic Connexion“ (2006) und „Wow! Reply“ (2012). Aber ist das klug?

Experten warnen schon seit Längerem vor der Gefährlichkeit solchen Tuns. Den Anfang machte hier der britische Radioastronom und Physik-Nobelpreisträger Martin Ryle, der nach der Ausstrahlung des Arecibo-Signals Beschwerde bei der Internationalen Astronomischen Union einlegte und auf die möglichen negativen Konsequenzen hinwies: Feindselige Außerirdische könnten die Erde überfallen und zu ihrer Kolonie machen. 

Später wiederum zog der Evolutionsbiologe Jared Diamond Parallelen zwischen den Botschaften an Aliens und der „selbstmörderischen Torheit des letzten Inka-Herrschers Atahualpa, der den goldgierigen Spaniern, die ihn gefangen nahmen, den Reichtum seiner Hauptstadt schilderte und ihnen Führer für die Reise dorthin überließ“. 

Ganz ähnlich argumentierte 2010 der populäre britische Astrophysiker Stephen Hawking.  Kämen jemals Außerirdische auf die Erde, so werde der Ausgang sicher genauso sein wie bei der Landung von Christoph Columbus in Amerika, welche für die Eingeborenen überaus negative Konsequenzen gehabt habe. Daraus zog er die Schlussfolgerung: „Wir täten gut daran, den Ball flach zu halten.“ Und Hawkings schwedischer Fachkollege Malcolm Fridlund assistierte: „Wenn man überhaupt nicht weiß, was da draußen so ist, sollte man vielleicht ein bisschen vorsichtig sein.“

Im Grunde birgt sogar der Empfang möglicher Radiosignale der Außerirdischen unkalkulierbare Risiken. Darauf wiesen jetzt Michael Hippke von der Sternwarte Sonneberg und John Learned von der Universität von Hawaii hin: Längere verschlüsselte Botschaften unserer Nachbarn im All könnten eine komplexe Schadsoftware enthalten. Deshalb        müssten wir solche Funksprüche eigentlich „ungelesen“ löschen oder dürften sie zumindest nicht in unsere Computersysteme einspeisen.

Darüber hinaus liegt es im Bereich des Möglichen, dass Außerirdische die Botschaften von der Erde missverstehen: Vielleicht fassen sie den Klang des 2008 von der US-Weltraumbehörde NASA in Richtung des Polarsterns ausgestrahlten Beatles-Songs „Across the Universe“ ja als Kriegserklärung auf. Das Gleiche gilt für die Bilder der US-Präsidenten George Bush und Barack Obama, welche die „Akte X“-Schauspielerin Gillian Anderson ins All senden ließ.  

Sämtliche diesbezügliche Warnungen wurden aber bisher in den Wind geschlagen. Vielmehr planen die Initiatoren des Projektes METI International, demnächst neuerliche „Lebenszeichen“ an eventuelle andere Zivilisationen im All zu schicken. 

Es scheint, als ob der heutzutage grassierende Leichtsinn im Umgang mit Fremden auch Astrophysiker und ähnliche Wissenschaftler befallen hat – nur dass es diesmal eben nicht um den „friedlichen Islam“ oder „schutzsuchende Flüchtlinge“ geht, sondern um Außerirdische, welche die Menschheit sowie unseren Planeten vernichten könnten.