14.04.2024

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07.12.18 / Weihnachten anno dazumal

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-18 vom 07. Dezember 2018

Weihnachten anno dazumal
Silvia Friedrich

Schon der Einband des „Großen Weihnachtsbuchs“ in sattem Tannengrün mit alter Postkarte in der Mitte lädt zum Schmökern ein. Es ist fast so, als ob die Vorfahren hier ein altes Weih-nachtsalbum hinterlassen hätten. Die Autorin Traudl Kupfer entführt die Leser in die Weihnachtszeit zwischen 1800 und 1950. 

Da gibt es zunächst ein großes Foto unterm Weihnachtsbaum in Schwarz-Weiß. Ein Vater probiert mit seinen beiden Söhnen am Weihnachtsabend das neue Spielzeug aus. Danach geht es in die Weihnachtszeit im 19. Jahrhundert. Betitelt mit „Zu Hause am Ofen“, kann man es sich an einem alten Berliner Kachelofen gemütlich machen. Aus einem Brief von Theodor Storm, den dieser im Dezember 1856 an seine Eltern schrieb, ist zu erfahren, dass sein Daumennagel schon fast vergoldet sei durch die vielen Bastelarbeiten, die er ununterbrochen verrichte. 

Alte Adventskalender sind zu bewundern und Geschichten sowie Gedichte zum Lesen und Vorlesen abgedruckt. Die prächtigen Abbildungen aus vergangenen Zeiten versetzen den Leser unwillkürlich in Weihnachtsstimmung. Auch ein Blick in die damalige Küche darf nicht fehlen. Rezepte von Weih-nachtskeksen, Baumkuchen und Winterpunsch regen dazu an, diese auch einmal auszuprobieren. Dazu verführt hauptsächlich auch das zweite Kapitel „Essen und Trinken“, da Anleitungen zu Pfefferkuchentunke, Weihnachtskarpfen, Gebäck und Kaiserschmarrn dem Betrachter den Mund wässrig machen. 

Besonders anrührend sind die vielen Zeitzeugen, die zu Wort kommen und über ihre Weih-nachtserlebnisse von damals berichten. Wie war es als Kind in den 1920er Jahren oder in der Nachkriegszeit? Welche Bräuche gab es, welche haben sich bis heute erhalten, und woher stammen diese eigentlich? Es gebe wohl kaum eine Region im deutschsprachigen Raum, wo die Weihnachtszeit so lichterreich und intensiv gefeiert werde wie im Erzgebirge, so die Autorin. Die meisten Bräuche stammten aus dem Bergbau, der das Leben vor Ort über Jahrhunderte geprägt hat. 

Mit Gedichten von Matthias Claudius und Hoffmann von Fallersleben sowie Bildern von Heinrich Zille geht es nach „Draußen in Eis und Schnee“. Auch das „Bunte Treiben auf den Märkten“ darf nicht fehlen, bis schließlich „Am Weihnachtsabend die Lichter brennen“. Zu erfahren ist außerdem, wie sich die Weihnachtszeit im Nachbarland Österreich gestaltete. Zum Schluss gibt es mittels vieler Fotos, Gedichte und Geschichten noch ein „Prosit auf Silvester!“.

Die Autorin hat eine solche Fülle an Material zusammengestellt, dass es für Jung und Alt unendlich viel zu entdecken gibt. Nicht nur dadurch ist der Weihnachtsstress für eine ganze Weile verbannt. Es ist ein Buch wie eine Meditation, denn es strömt Ruhe und Besinnlichkeit aus. Ein Herz erwärmendes Geschenk zur Weihnachtszeit. Natürlich auch für sich selbst. 

Traudl Kupfer: „Das große Weihnachtsbuch. Geschichten, Bilder, Lieder und Rezepte aus über 100 Jahren“, Elsengold Verlag, Berlin 2018, gebunden, 208 Seiten, 24 Euro