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21.12.18 / Kahlschlag bei Windenergie / Ende staatlicher Förderung – Windrädern droht 2020 der Abriss

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 51/52-18 vom 21. Dezember 2018

Kahlschlag bei Windenergie
Ende staatlicher Förderung – Windrädern droht 2020 der Abriss
Peter Entinger

Sie gelten als das Rückgrat der Energie-Wende: Wind-räder. Doch bald läuft die staatliche Förderung aus und die Konsequenzen sind unabsehbar.

Mit dem Auslaufen des Förderanspruchs nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nach 20 Jahren müssen die Betreiber entscheiden, ob diese Alt-Anlagen stillgelegt, zurückgebaut, erneuert oder in bisherigem Umfang weiterbetrieben werden. Nach Experten-Meinung können nicht in jedem Fall die Betreiber Bestandsanlagen durch modernere und 

leistungsfähigere Anlagen ersetzen. Häufig sprechen baurechtliche Gründe dagegen und auch die Wirtschaftlichkeit muss bei jedem Projekt neu geprüft werden. 

Die ersten Windräder gingen im Juni 2000 ans Netz, nur wenige Monate nach Inkrafttreten des EEG. Die alten Windkraftanlagen, deren Rotoren sich seit 20 Jahren oder länger drehen, verlieren zwar ihre Förderung nach dem EEG, aber nicht ihre Betriebserlaubnis. Das Problem ist, dass Wirtschaftslichkeitsrechnungen schwer anzustellen sind. Denn die Strompreise des Jahres 2021 kann niemand seriös vorhersagen. 

„Wenn die Strompreise in der nächsten Dekade nicht steigen, werden sich nur wenige Anlagen ohne Förderung am Markt behaupten“, zitiert das ZDF aus einer Analyse des Berliner Fachberatungsunternehmens Energy Brainpool. Diese Einschätzung werde von den meisten Fachleuten geteilt. „Auf jeden Fall ist ab 2020 mit der Abschaltung von Bestandsanlagen in mehr oder weniger großem Umfang zu rechnen“,  schreiben mehrere Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig in der Zeitschrift „Wirtschaftsdienst“.

Bis Ende 2025 sind gar rund 15000 Anlagen mit einer Leistung von zirka 16 Gigawatt betroffen. Das ist fast ein Drittel der gesamten Windenergie-Leistung, die heute an Land installiert ist. „Wird auch nur ein kleiner Teil davon tatsächlich abgeschaltet, wäre das ein herber Rückschlag für die Energiewende“, ist auf „Spiegel online“ zu lesen. 

Allein im ersten Jahr fallen rund 5700 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 4500 Megawatt aus der Förderung heraus. In den Folgejahren sind es jeweils 2000 bis 3000 Megawatt. Der Bundesverband Windenergie erklärte gegenüber dem ZDF, dass bis 2023 rund 14000 Megawatt installierte Leistung auf der Kippe stehen. „Das wäre mehr als ein Viertel der aktuell installierten Windenergie-Leistung an Land, die zunächst einmal wegfallen würde“, heißt es. 

Die politischen Planungen sahen allerdings vor, dass 2020 und in den Folgejahren jeweils 2900 Megawatt Leistung neu installiert und gefördert werden, allerdings werden stillgelegte und rückgebaute Anlagen in diesen Planungen nicht berücksichtigt. Treten die Prognosen so ein, könnte der Fall entstehen, dass mehr Windkraftkapazität stillgelegt als neu gebaut wird. Die Folge: Es würde in Deutschland weniger Windenergie produziert als vorher. 

„Es ist problematisch, dass die Ausbaupfade den zu erwartenden Ersatzinvestitionsbedarf nicht abbilden“, schreiben die Leipziger Wissenschaftler des Helmholtz-Instituts. Der rentable Betrieb von Anlagen sei aber auch danach noch möglich, erforderte aber Investitionen der Eigentümer. So könne man die Anlagen beispielsweise zur Erzeugung von Wasserstoff oder Fernwärme aufrüsten.