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21.12.18 / Städte wieder gefragt / Metropolen ziehen Industrie an – Berlin könnte Ausnahme werden

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 51/52-18 vom 21. Dezember 2018

Städte wieder gefragt
Metropolen ziehen Industrie an – Berlin könnte Ausnahme werden

Laut einer Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) denken viele Berliner Industriebetriebe über eine Verlagerung von Tätigkeiten weg von der Hauptstadt nach. Demzufolge wird in 76 Prozent der befragten Unternehmen über eine Verlagerung aus Berlin diskutiert. Lediglich 21 Prozent gaben an, sie würden über einen Ausbau ihrer Aktivitäten innerhalb Berlins nachdenken. 

In vertiefenden Interviews führten einige Befragte das Lohnkostengefälle zwischen Berlin und dem direkten Umland, aber auch die Nähe von Polen und Tschechien als Gründe an. Eine Rolle spielen zudem die Berliner Immobilienpreise und die Sorge um ausreichend Flächen für Ausbaupläne. 

Trotz solcher Probleme sehen Wirtschaftsforscher generell durchaus Chancen, dass sich Industrieunternehmen wieder in Städten ansiedeln. Zusammen mit Axel Werwatz von der Technischen Universität Berlin hat das DIW im Auftrag der Hans-Böck-ler-Stiftung eine Studie zum Thema Städte als Industriestandort vorgelegt. Den Studienautoren zufolge kann zwar von einer Renaissance der Großstadt als Industriestandort noch keine Rede sein, allerdings sei in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung in Gang gekommen. 

Die Forscher hatten Daten zu Betriebsgründungen der Jahre 2012 bis 2016 untersucht. In den deutschen Großstädten wurden in diesem Zeitraum, gemessen am Anteil der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe, rund 40 Prozent mehr Industriebetriebe gegründet als in den übrigen Regionen Deutschlands. 

Für Industriebetriebe stellten sich Berlin, München, Leipzig und Dresden sowie Städte an Rhein und Ruhr als besonders attraktiv heraus. Laut der Studie hatten in allen untersuchten Metropolen zwischen 2012 und 2016 Betriebe mit einer nied­rigen Technologieintensität den höchsten Anteil an den Industriegründungen. 

Aus Sicht des DIW-Forschers Martin Gornig könnte dies daran liegen, „dass wir bei bestimmten Produkten die Zeit der Massenproduktion hinter uns lassen zugunsten von kleinserieller Fertigung“. Gornig führt als einen Pluspunkt die räumliche Nähe zu einer zahlungskräftigen Kundschaft als einen Pluspunkt von Städten an. Die Experten sehen überdies Chancen, dass sich mehr Hochtechnologie-Firmen in Städten ansiedeln als bislang. Gerade Unternehmen mit starkem Fokus auf Forschung und Entwicklung profitierten von der Nähe zu Forschungseinrichtungen und Universitäten.  N.H.