21.04.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
21.12.18 / Der satirische Wochenrückblick mit Hans Heckel / Überwachte Freiheit / Wo lebende Juden vor ein Tribunal gehören, wie Margots Weisheit uns heute noch leitet, und wo echter Mut zu Hause ist

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 51/52-18 vom 21. Dezember 2018

Der satirische Wochenrückblick mit Hans Heckel
Überwachte Freiheit / Wo lebende Juden vor ein Tribunal gehören, wie Margots Weisheit uns heute noch leitet, und wo echter Mut zu Hause ist

Das müssen wir uns nicht bieten lassen. Anfang der Woche überfiel uns die „Welt“ mit einer großen Geschichte über einen heute 16-jährigen deutschen Juden, der seine Heimat Berlin verlassen hat. Grund: Seit an der Gesamtschule sein Judesein bekannt geworden war, hatte sich das Leben des Schülers dort in die Hölle verwandelt.

Andere Schüler hatten ihn als „Scheißjude“ und „Scheißisraeli“ beschimpft und bedrängt. Das wurde schließlich so unerträglich, dass seine Mutter ihn von der Anstalt nahm und in ein Internat nahe Tel Aviv schickte. Wer waren die Judenhasser? Erfahren wir nicht so genau, nur dass die Schule einen „hohen Migrantenanteil“ habe. Aha. 

Die deutschen Schüler jedenfalls hatte der damals 15-Jährige wohl eher als seine natürlichen Verbündeten angesehen, was ihm aber nicht viel brachte. Die seien dort selber Außenseiter gewesen und „haben keine Macht“, so der Schüler. 

Dann schließlich sagt Liam Rückert, so sein Name, etwas, das uns blanke Empörung in die Adern schießen lässt. In dem Internat in Tel Aviv fühle er sich, als Jude unter Juden, pudelwohl, denn: „Ich bin jetzt wie alle anderen.“ Wie bitte? Was will er denn damit sagen? Hat dem Jungen niemand beigebracht, dass genau das nur die Hölle bedeuten darf, so zu sein „wie alle anderen“? Dass „Vielfalt“, „Buntheit“ und „Diversity“ die einzigen Formen des Zusammenlebens darstellen, die nach „unseren Werten“ akzeptiert werden dürfen?

Kein Wunder also, dass die zuständige Behörde für die völlig verrutschte Einstellung des Jungen keinerlei Verständnis aufgebracht hat. Seine Mutter berichtet, sie und Liam seien in die Schul­aufsichtsbehörde des Bezirks Spandau bestellt worden. Die zweistündige Sitzung, an welcher auch die Berliner Mobbingbeauftrage Saraya Gomis teilgenommen hat, habe den Charakter eines Tribunals angenommen. „Die wollten uns wegen Rufschädigung drankriegen, haben sogar von Klage gesprochen.“

Das ist doch wohl auch das Mindeste, bei so viel Buntlosigkeit. Der Hinweis auf die „machtlose“ deutsche Minderheit an der Schule lässt es ja mehr als ahnen: Hätten die „Kartoffeln“ in der Schülerschaft (noch) das Sagen gehabt, wäre der junge Liam nicht nach Tel Aviv ausgewichen.

Die Schule ist sich keiner Verantwortung bewusst. Man tue doch so viel gegen Antisemitismus, habe Zeitzeugen eingeladen und sei in ein KZ gefahren. Frau Rückert bemerkt nur bitter, man gedenke also der toten Juden, schön, aber was sei denn mit den lebenden?

Das sind Fragen, die uns im Kampf für Buntheit und gegen Rechts überhaupt nicht weiterbringen. Dass diese Frau das nicht einsehen will, ist schon ein „Tribunal“ wert. Doch die Zeit arbeitet für die Guten: Wenn erst die letzten lebenden Juden aus Deutschland hinausgemobbt und -tribunalisiert sind, wird der Kampf für Buntheit und gegen Antisemitismus wieder harmonisch eins sein, ganz ohne Irritationen durch sogenannte „Lebende“.

Als erstes gilt es dann, den sogenannten muslimischen Antisemitismus als „Desinformation“ zu entlarven. Gegen solche und andere „Desinformationen“ hat die EU am 5. Dezember einen Aktionsplan beschlossen. Fredericia Mogherini, ihres stolzen Titels nach „Hohe Vertreterin“ der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, begründet den Plan damit, dass eine „gesunde Demokratie“ auf einer „offenen, freien und fairen Debatte“ basiere. Es sei „unsere Pflicht, diesen Raum zu schützen und niemandem zu erlauben, Desinformationen zu verbreiten, die Hass, Spaltung und Misstrauen gegenüber der Demokratie schüren“.

Mit Geld, Schulungen und Ermahnungen will man erst mal loslegen, die EU unterhält sogar schon einen „Überwachungsmechanismus für Medienpluralismus“. Überwachter Pluralismus, tolle Idee! Klingt, als lege man die Freiheit in Ketten, damit sie keine Dummheiten macht. Falls das alles nicht hilft, will die EU-Kommission weitere Maßnahmen vorschlagen, die „auch regulatorischer Art sein können“.

Was aber ist „Wahrheit“, was „Desinformation“? Was ist Kritik? Was „Spaltung“? Wer entscheidet das? Na, das sehen Sie doch: die EU natürlich!

Wem das nach „Wahrheitsministerium“, nach „gesteuerter Information“ oder schon nach Ansätzen einer Meinungsdiktatur riecht, der soll sich nicht wundern, wenn er zum Ziel „regulatorischer Maßnahmen“ wird. Das hat er sich dann selbst zuzuschreiben, wie schon Margot Honecker im Hinblick auf die Spalter der sozialistischen Gesellschaft so treffend ausgeführt hatte. Die hätten doch gewusst, worauf sie sich einlassen, und sollten jetzt nicht murren.

Von der Frau Ministerin und ihren Genossen hat man in Brüssel viel gelernt. Damals in der DDR war jeder ein „Feind des Friedens“, wer nicht auf Linie war, denn nur der Sozialismus vermochte den Frieden zu erhalten, samt Schutzwall, versteht sich.

Heute lernen wir, dass wir den Frieden nur wegen der EU haben, samt einer ganzen Kette weiterer Friedensnotwendigkeiten wie etwa dem Euro. Denn „scheitert der Euro, scheitert Europa“, danach gibt es Krieg. Den Feinden des Friedens aber muss man mit aller Entschlossenheit entgegentreten.

Es sei denn, sie sind bewaffnet. Dann verschanzt man sich besser hinter gut gerüsteten Leibgarden. So man welche hat. Das EU-Parlament kann in dieser Sache nicht klagen, es ist bestens bewacht. So viel Sicherheit macht mutig. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani hat dem Terroristen vom Straßburger Weihnachtsmarkt daher seine ganze Tapferkeit entgegen geschleudert.

Die „Kraft von Freiheit und Demokratie“ werde siegen über Gewalt, Verbrechen und Terrorismus, so der schneidige Tajani kurz nach dem Attentat. Das Parlament lasse sich an der Fortsetzung seiner Arbeit nicht hindern. Wie auch? Unmittelbar nachdem die mörderische Schießerei in Straßburg losgegangen war, ließ man das EU-Parlamentsgebäude in derselben Stadt hermetisch abriegeln. 200 Parlamentarier und 800 Assistenten saßen fest. Was sollten sie also anderes machen, um sich die Zeit zu vertreiben, als sich der Fortsetzung ihrer Arbeit zu widmen? Immerhin, so ist zu lesen, blieben alle Bars im Gebäude geöffnet, bis die größte Gefahr vorüber war und die Insassen des Hauses wieder dem Risiko ausgesetzt werden durften, zur normalen Straßburger Bevölkerung da draußen zurückzukehren. 

Sicherlich haben sie den Bürgern davon erzählt, was für fürchterliche Angst sie da drinnen ausgestanden haben. Eine Angst, der sie nur durch die „Kraft von Freiheit und Demokratie“ widerstehen konnten. „Bei einigen lagen die Nerven blank“, berichtet ein CDU-Abgeordneter.

Das EU-Parlament wird seit den Brüsseler Anschlägen vor zwei Jahren ohnehin weit strenger bewacht als vordem. Jetzt haben sie aus akutem Anlass offenbar noch eine kräftige Schippe Sicherheit und Kontrolle draufgelegt.

Das ist schon verblüffend:      Einerseits sagt uns unsere Kanzlerin, dass man unsere Grenzen, also das Land und seine Bürger, gar nicht schützen könne (obwohl man es früher problemlos konnte). Andererseits funktioniert der Schutz gewisser Bevölkerungskreise immer lückenloser. Besteht da ein Zusammenhang?

Nun, sicherlich kann jede einzelne Sicherheitskraft immer nur an einem Ort gleichzeitig sein. Da muss man eben Schwerpunkte setzen. 

Dies über Gebühr (also überhaupt) zu thematisieren, spaltet jedoch die Gesellschaft, ist also Desinformation und erfordert regulatorische Gegenmaßnahmen. Die einzig zulässige Losung lautet: Die politische Elite in Brüssel, Straßburg und Berlin tut alles, um die Sicherheit der Bürger hier draußen zu garantieren. Das hören wir immer wieder. Und am glaubhaftesten klingt dieses wackere Versprechen doch zweifellos, wenn es durch die Sprechanlage einer Panzerglasscheibe zu uns dringt.