17.06.2024

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04.01.19 / Austrocknen und Fluten als Kriegsmittel

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-19 vom 04. Januar 2019

Austrocknen und Fluten als Kriegsmittel

Wie man nicht nur Kriege um den lebenswichtigen Rohstoff Wasser führt, sondern die knappe natürliche Ressource auch als wirksame Waffe gegen seine Feinde einsetzt, demonstrierte Ankara in den letzten Jahren bei mehreren Gelegenheiten.

Nachdem Erdogan sich 2011 mit dem syrischen Präsidenten Baschar Hafiz al-Assad überworfen hatte, weil dieser kurdische Rebellen unterstützte, hielt die Türkei größere Mengen des Euphrat-Wassers zurück, bis die Getreideanbaugebiete im Norden Syriens austrockneten. Daraufhin wanderten die dortigen Bauern in Städte wie Aleppo ab. Da diese dem Bevölkerungszustrom nicht gewachsen waren, kam es zu sozialen Spannungen, welche die Lage in Syrien weiter eskalieren ließen.

Ähnlich hinterhältig agierte die Türkei 2016, als der Islamische Staat sich im nordostsyrischen Gouvernement al-Hasaka auf dem Vormarsch befand und dabei zahlreiche kurdische sowie auch christliche Siedlungen bedrohte. Genau in diesem Moment ließ Ankara die Schleusen am Euphrat-Nebenfluss Chapur im Raum Ceylanpinar drosseln, wodurch es dem Islamischen Staat möglich war, mit zahlreichen Kämpfern und schweren Waffen auf das andere Ufer des Chapur zu gelangen, was den nachfolgenden Vernichtungsfeldzug gegen die „Ungläubigen“ dort sehr erleichterte.

Darüber hinaus errichtete das Erdogan-Regime in den Flusstälern der gebirgigen Grenzprovinzen Sirnak und Hakkâri elf sogenannte „Sicherheitsstaudämme“, die offenbar das Einsickern von kurdischen Guerilla-Kämpfern aus dem Irak verhindern sollen. Zum einen sind damit nun die Wege auf dem Grund der Täler unpassierbar geworden, und zum anderen ist die türkische Armee dann auch in der Lage, die Rebellen der kurdischen „Volksverteidigungskräfte“ (Hêzên Parastina Gel; HPG) effektiver zu bekämpfen, weil sie sich bei der Überquerung der neu geschaffenen Wasserflächen quasi auf dem „Präsentierteller“ befinden. Insofern kommt dem Südostanatolien-Projekt jetzt auch eine klare militärische Bedeutung zu. W.K.