18.06.2024

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04.01.19 / So still wie ein Grab / Schweizer Nachrichtendienst gibt sich verschlossen – Offenheit nur bei Hackerangriffen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-19 vom 04. Januar 2019

So still wie ein Grab
Schweizer Nachrichtendienst gibt sich verschlossen – Offenheit nur bei Hackerangriffen
F.-W. Schlomann

Dass die Schweizer Eidgenossenschaft sowohl im Zweiten Weltkrieg als auch während des Kalten Krieges oft Drehscheibe und Schauplatz von Spionage der verschiedensten Staaten war, ist bekannt. Wenn aber Journalisten gegenwärtig reißerisch behaupten, Zugang zu geheimsten Unterlagen der Schweizer Abwehr und Ge­genspionage gehabt zu haben, so ist das unwahr. Noch heute schweigt man sich in der Berner Papiermühlestraße 20 über die wichtigsten Vorkommnisse aus. 

Alljährlich gibt der NDB („Nachrichtendienst des Bundes“) indes einen „Lagebericht. Sicherheit Schweiz“ für Themen-interessierte Kreise heraus, deren Analysen überaus große Kenntnisse zeigen. Er ist der einzige Dienst, bei dem es niemals einen Verräter gab und es keinem feindlichen Geheimdienst gelang, ein Mitglied „umzudrehen“ oder gar einen Agenten einzuschleusen. Von jeher bestehen sehr enge Kontakte zum britischen MI 6, seit 1952 gibt es eine recht vertraute Zu­sammenarbeit mit unserem Bun­desnachrichtendienst (BND). 

Völlig unbekannt ist, dass der schweizerische Dienst bereits im Mai 1989 der Regierungsspitze in Bern das Ende der DDR noch im selben Jahr prognostizierte – zu einer Zeit also, als sich der freie Teil Deutschlands außer dem BND noch im tiefem Schlaf befand. Der neue Leiter des NDB, 

Jean-Philipp Gaudin, lehnt Interviews ab, die ohnehin in der Alpenrepublik selten sind. Man arbeitet im Stillen. 

Auf eine direkte PAZ-Anfrage nach der heutigen Sicherheitssituation in unserem Nachbarland erhielt man indes jetzt vom NDB persönlich größtenteils recht offene Antworten. An der Spitze der Probleme stehe der Cyberspace, der „ein großes Ausmaß angenommen hat“. 

Nicht ohne Grund wurden dem NDB unlängst 26 neue Stellen bewilligt. Es häufen sich die Cyber-Angriffe aus Russland, doch konnte der Schweizer Dienst mehrere Attacken unterbinden. Zumeist dienen sie der Informationsbeschaffung. Zu beobachten waren aber auch Aktionen zur Desinformation und erstmals zur Sabotage. Chinesische Hacker-Gruppierungen „gehen immer gezielter vor“, im Fokus stehen exportorientierte Schweizer Unternehmen sowie internationale Behörden in Genf. 

Keine Antwort erhält man zu den sechs, oft tagelangen Besuchen zweier russischer Agenten dort kurz vor dem Giftanschlag auf den Ex-Spion Skripal im eng­lischen Salisbury. „Zu viel Transparenz könnte laufende Operationen gefährden“, erklärte der NDB-Chef. 

Tatsache ist: Das dort eingesetzte und in Russland entwickelte Nervengift wurde von Schweizer Spezialisten in einem ABC-Labor in Spiez am Thuner See (erreichbar nur per Postfach, tatsächliche Adresse: Anstraße 7–9) analysiert. Es war nicht zufällig Ziel von Hackern im September 2017 und August 2018. Nach Mitteilung des NDB hat dieser dazu beigetragen, „illegale Aktionen“ (also Sabotage?) gegen das Labor zu verhindern. Einzelheiten erfährt man dazu leider, aber verständlicherweise nicht. 

Zuvor waren die später in Den Haag verhafteten Spione Moskaus recht aktiv in Lausanne gewesen, wo sich der Hauptsitz der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) befindet. Dieses hatte dafür gesorgt, dass zahlreiche russische Sportler von den Olympischen Spielen gesperrt wurden. Ziel der Mitarbeiter des GRU-Militärgeheimdienstes waren deren interne Informationen, die zur Desinformation umgeformt werden sollten mit der Absicht, die Glaubwürdigkeit der WADA zu untergraben. 

Die dabei vom Schweizer Dienst durchgeführte Gegenoperation „war entscheidend“ in Zusammenarbeit mit den niederländischen und britischen Diensten, diese zu identifizieren, ihre Hackerangriffe auf die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) in Den Haag zu verhindern und Ende Oktober die insgesamt vier Agenten mit Diplomatenpass festzusetzen. 

Auf die Frage der PAZ, „Ist der Satz, ,die Aufdeckung war nur dank der NDB-Information möglich‘, falsch?“, wurde aus Bern mit der ausweichenden Formulierung beantwortet: „Der NDB gibt keine weitere Informationen zu dieser Thematik bekannt.“ Eingeweihte hingegen vermuten weitere Hin­tergründe und werten in der Aktion der Schweizer einen vernichtenden Schlag gegen die russische Spionage.