18.06.2024

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04.01.19 / Die bessere Schreibhälfte / Neu im Kino: Glenn Close als »Frau des Nobelpreisträgers«

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-19 vom 04. Januar 2019

Die bessere Schreibhälfte
Neu im Kino: Glenn Close als »Frau des Nobelpreisträgers«
Harald Tews

Selma Lagerlöf war die erste. 1909 erhielt die schwedische Autorin als erste Frau den Literaturnobelpreis. Geht es nach dem Film „Die Frau des Literaturnobelpreisträgers“, der ak­tuell in den Kinos läuft, dann hätte einer gewissen Joan Castleman dieser Preis ebenso überreicht werden müssen. Im Film ist sie die Ghostwriterin für ihren Mann Joe Castleman, den alle für einen herausragenden Schriftsteller halten und der mit seiner Frau nach Stockholm reist, wo just zu dessen Preisübergabe das ganze Kartenhaus zusammenfällt.

Es wäre einfach zu sagen, dass der schwedische Regisseur Björn L. Runge mit seinem Film nur das feministische Klischee bedient, wonach Frauen in allen Bereichen den Männern überlegen sind: die besseren Regierungschefinnen, die besseren Autorinnen und überhaupt die besseren Hälften. Wären da nicht ein ausgeklügeltes Drehbuch, das den Mann eben nicht als Ausbeuter seiner Frau bloßstellt, und mit Glenn Close sowie Jonathan Pryce zwei großartig harmonierende Schauspieler, als Mrs. und Mr. Castleman. 

In Rückblenden erzählt Runge, wie das Autorenpaar gemeinsam dieses Lügengebäude errichtet hat: In den 50er Jahren konnte die junge Frau – ideal besetzt mit Annie Starke, der Tochter von Glenn Close – keinen Fuß in die von Männern verschlossenen Verlagstüren setzen. Also tippte sie heimlich für ihren Mann, der zwar gute Ideen, aber nur mäßiges schriftstellerisches Talent hatte, die Manuskripte, die sie beide unter seinem Namen verkauften. Hier ist der Ehemann kein Macho, der Druck auf seine Frau ausübt. Sie hat ebenso ihren Anteil an dieser Lebenslüge.

Auf so eine Handlungsidee kommt natürlich kein Mann. Die Vorlage stammt von der US-Autorin Meg Wolitzer, wobei ihre Romanfigur Castleman nur einen zweitrangingen Preis erhält. Re­gisseur Runge geht im Film jetzt aufs Ganze: Der Nobelpreis muss es sein mit allen königlichen Ze­remonien drumherum, die Runge als landeskundlich erfahrener Regisseur in all ihrer Würde perfekt zu inszenieren versteht. 

Das lenkt keineswegs von der intensiven filmischen Paarbeobachtung ab. Close und Pryce sind als Autorenduo bemüht, die Contenance zu bewahren, wobei sie der ernsthaftere Partner ist und ihrem oft kindlich übermütigen Mann so lange schützend den Rücken freihält, bis er es in seiner Nobelpreisrede mit Lobeshymnen auf seine Frau übertreibt. 

Vielleicht erhält diese Frau ja doch noch den Nobelpreis – den der Filmindustrie. Für den Golden Globe ist Close bereits nominiert. Verdient hätte sie ihn – Pryce aber ebenso.