18.06.2024

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04.01.19 / Georg Jakob Steenke / Hofer Reihe »Berühmte Ostpreußen« über den Konstrukteur des Oberländischen Kanals

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-19 vom 04. Januar 2019

Georg Jakob Steenke
Hofer Reihe »Berühmte Ostpreußen« über den Konstrukteur des Oberländischen Kanals
Bernd Hüttner

Der Kulturwart der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen, Kreisgruppe Hof, Bernd Hüttner stellt regelmäßig berühmte Ostpreußen und deren Lebensgeschichte vor. Im November war dies Georg Steenke. 

Steenke wurde am 30. Juni 1801 in Königsberg geboren. Er war Wasserbauingenieur und preußischer Baubeamter. Vor allem als Konstrukteur des Oberländischen Kanals ist er in Erinnerung geblieben.

Steenke entstammte einer Seemannsfamilie. Sein Großvater war Hafenlotse in Königsberg. Sein Vater, der im Seehandel tätig war, ertrank im November 1818 bei der Rettungsaktion für ein englisches Segelschiff. Zunächst hatte Steenke auf Wunsch seiner Mutter begonnen, Rechtswissenschaften zu studieren. Nach dem Tod des Vaters musste er das Studium abbrechen, da die Kosten für das Studium zu hoch waren. Darum absolvierte er stattdessen eine Zimmermannslehre in deren Anschluss er die Berliner Bauakademie besuchte, an der Steene im Jahre 1822 die Prüfung zum Baukondukteur und weitere fünf Jahre später das Baumeister-Examen bestand. Einer seiner Lehrer war Karl Friedrich Schinkel, preußischer Baumeister, Architekt, Stadtplaner, Maler, Grafiker, Medailleur und Bühnenbildner. 

Steenke leitete 1833 den Bau des Seckenburger Kanals in der Memelniederung. Hier konnte er sein Wissen und seine Erfahrung als Zimmermann bei den Holzkonstruktionen der Kammerschleusen einbringen. 1836 wurde er in Elbing zum „Inspekteur der Deiche und Dämme“ ernannt. In dieser Funktion befasste er sich mit den Planungen zum Oberländischen Kanal, der zwischen 1844 und 1858 im Oberland unter seiner Leitung erbaut und am 

31. August 1860 offiziell eingeweiht wurde. Diese direkte Verbindung von Osterode bis zum Frischen Haff und somit zur Ostsee verkürzte die Transportzeit für Holz aus den ostpreußischen Wäldern, das besonders im Schiffbau gefragt war, um mehrere Monate. Steenkes Konstruktion der geneigten Ebenen galt in Preußen als Pioniertat. Die Rollberge sind bis heute funktionsfähig und überbrücken einen Höhenunterschied von 99 Metern auf einer Strecke von 9,5 Kilometern.

Während der Bauarbeiten am Oberländischen Kanal baute Steenke für sich und seine Familie eine Villa in Zölp (Gemeinde Seegertswalde). In diesem Gutshaus, in dem er bis kurz vor seinem Tod lebte, bewahrte er mit Zustimmung der preußischen Behörden sämtliche Dokumente zum Bau des Oberländischen Kanals auf. 

Er starb am 22. April 1884 in Elbing. 

Steenke wurde vielfach geehrt. Nachdem die UNESCO den Oberländischen Kanal als technisches Denkmal in das Weltkulturerbe aufgenommen hatte, stellte man bei Buchwalde einen Obelisken wieder auf, den dankbare Landwirte ihm gewidmet hatten. Die Inschrift lautet: „Dem Erbauer des Oberländischen Canals und der geneigten Ebenen, dem königlichen Baurath Steenke, zum fünfzigjährigen Dienstjubiläum, dem 15. Juli 1872, in dauernder Anerkennung. Die dankbaren Landwirthe“.