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25.01.19 / Gewaltsame Aneignung der Untersteiermark / Beim Marburger Blutsonntag schossen vor 100 Jahren slowenische Soldaten auf 10000 deutsche Demonstranten

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04-19 vom 25. Januar 2019

Gewaltsame Aneignung der Untersteiermark
Beim Marburger Blutsonntag schossen vor 100 Jahren slowenische Soldaten auf 10000 deutsche Demonstranten
Wolfgang Kaufmann

Im Zuge der Verteilungskämpfe nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie sicherte sich das neugegründete Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen die Untersteiermark. Dabei kam es am 27. Januar 1919 in Marburg an der Drau (Maribor) zum sogenannten Marburger Blutsonntag, einem Massaker an deutschsprachigen Einwohnern der damals zweitgrößten Stadt der Steiermark.

Unmittelbar nach dem Thronverzicht von Kaiser Karl I. wurde am 12. November 1918 die Republik Deutschösterreich proklamiert. Diese beanspruchte „die Gebietshoheit über das geschlossene Siedlungsgebiet der Deutschen“ im österreichischen Landesteil Cisleithanien der untergegangenen Doppelmonarchie. Dabei berief sie sich auf das Prinzip des Selbstbestimmungsrechts der Völker, wie es im 14-Punkte-Programm des US-amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson für die Friedensordnung nach dem Ersten Weltkrieg propagiert worden war.

Auch die bereits seit 1282 zu den Besitztümern des Hauses Habsburg gehörende Steiermark sollte Teil von Deutschösterreich sein. Eine entsprechende Entscheidung der Landesversammlung in Graz vom 6. November 1918 hatte die Provisorische Nationalversammlung der Republik in Wien am 22. November 1918 bestätigt. Ausgenommen blieben lediglich die geschlossenen slowenischen Siedlungsgebiete, deren Überlassung an den am 29. Oktober gegründeten Staat der Slowenen, Kroaten und Serben beziehungsweise dessen Nachfolger ab dem 1. Dezember 1918, das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, mehr oder weniger unvermeidlich erschien. Der Verbleib des Drautals bei Deutschösterreich galt jedoch als beschlossene Sache, obwohl hier 404000 Slowenen 74000 Deutschen gegenüberstanden. Aber die Deutschen prägten eben schon seit Jahrhunderten die Region – nicht zuletzt, weil sie die Mehrheit in den Städten Marburg (Maribor), Cilli (Celje) und Pettau (Ptuj) bildeten.

Ungeachtet dessen versuchte die Führung des Staates der Slowenen, Kroaten und Serben sofort vollendete Tatsachen zu schaffen, indem sie die drei Ortschaften mit der übrigen Untersteiermark besetzen ließ. Die mit der Annexion betrauten slowenischen Land­sturm­­einheiten standen unter dem Kommando von Rudolf Maister. Der ehemalige Major der k. u. k. Streitkräfte war von seiner slowenischen Mutter zum glühenden Nationalisten erzogen worden und hatte am 1. November 1918 die Kontrolle über Marburg an der Drau übernommen. Daraufhin stellte der Stadtrat von Marburg eine Schutzwehr aus deutschen Steirern auf, die jedoch am 23. November zur Kapitulation gezwungen wurde. 

Maister agierte überaus rigide. Reguläre deutsche Militärangehörige und Polizisten ließ er entwaffnen und nach Österreich abschieben; das gleiche Schicksal traf viele nichtslowenische Beamte. Ebenso wurden der Stadtrat und der gewählte Bürgermeister von Marburg abgesetzt. Um jedweden Widerstand gegen diese Übergriffe zu ersticken, nahm Maister 21 deutsche Zivilisten als Geiseln und ließ einen Deutschen erschießen, der seine Waffen nicht kampflos herausgeben wollte. Anschließend erlangte der inzwischen vom Staat der Slowenen, Kroaten und Serben zum General beförderte Offizier mit Hilfe von 4000 slowenischen Freiwilligen die Kontrolle über die gesamte Untersteiermark und marschierte dann später auch noch in Unterkärnten ein, wo er und die Seinen allerdings auf heftigen österreichischen Widerstand stießen und den Rückzug antreten mussten. 

Währenddessen beschränkte sich die steirische Landesregierung in Graz auf diplomatische Proteste, was durchaus im Sinne der Wiener Staatsregierung unter Staatskanzler Karl Renner war. Denn das hungernde Deutsch­österreich benötigte die Lebensmittellieferungen aus dem Staat der Slowenen, Kroaten und Serben und dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, weshalb man gute Beziehungen zu dem aggressiven Nachbarn anstrebte. Außerdem bestand zu diesem Zeitpunkt noch die Hoffnung, dass eine US-amerikanische Kommission unter der Leitung von Oberstleutnant Sherman Miles, der im Auftrag der Entente die ethnischen Verhältnisse in Unterkärnten und der Untersteiermark untersuchen sollte, für eine gerechte Gebietsaufteilung sorgen würde.

Um die Kommission zu begrüßen und ein eindrucksvolles Bekenntnis zu Deutschösterreich abzulegen, versammelten sich am Vormittag des 27. Januar 1919 rund 10000 Deutsche aus Marburg und der Umgebung auf dem Hauptplatz der Stadt. Ihnen gegenüber standen um die 20 slowenische Wachtposten, die mit aufgepflanztem Seitengewehr vor dem Rathaus aufgezogen waren. Was dann geschah, ist bis heute umstritten. Die slowenische Seite behauptet, ihre Soldaten seien aus der Menge heraus attackiert worden und ein Deutscher habe sogar Revolverschüsse abgegeben. Dahingegen kam es nach österreichischer Darstellung zu keinerlei Übergriffen seitens der Demonstranten. Auf jeden Fall feuerten die Untergebenen von Maister immer wieder auf die versammelten Deutschen, wobei 13 Zivilisten starben und 60 Verletzungen erlitten.

Danach ließ Maister die Straßen und Plätze räumen sowie sämtliche Spuren des Massakers beseitigen, bevor er die vier US-Emissäre zum Mittagessen empfing. Eine Gelegenheit, ihr Anliegen vorzutragen, erhielten die Einwohner von Marburg so nicht. 

Dies dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass kein Volksentscheid über die territoriale Zugehörigkeit der Untersteiermark stattfand und das Gebiet im Pariser Vorortvertrag für Österreich, dem Frieden von Saint-Germain, dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, dem späteren Jugoslawien, zugeschlagen wurde. Es folgte eine forcierte Slowenisierung. In deren Folge sank die Zahl der deutschsprachigen Einwohner Marburgs von einstmals 22653 im Jahre 1910 auf 2741 im Jahre 1931. Die Verbliebenen traf zum Ende des Zweiten Weltkriegs mit Flucht und Vertreibung eine noch deutlich schlimmere Welle der Gewalt als 1919. So ergab die Volkszählung von 1948 nur noch 268 Deutschstämmige. Heute gibt es in der gesamten Untersteiermark noch um die 1000 Deutschstämmige. Dieser Minderheit verwehrt die inzwischen unabhängige Republik Slowenien jeglichen offiziellen Minderheitenstatus, wohingegen Maister in dem EU- und NATO-Mitgliedsland als einer der „heroischen“ Gründungsväter des Landes verehrt wird.