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25.01.19 / Olympia am Meeresgrund / Profis auf Schlittschuhen tauchen nach dem sagenhaften Atlantis – Show zum 75. Jubiläum von »Holiday on Ice«

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04-19 vom 25. Januar 2019

Olympia am Meeresgrund
Profis auf Schlittschuhen tauchen nach dem sagenhaften Atlantis – Show zum 75. Jubiläum von »Holiday on Ice«
Alexander Glück

Nach ihrer Wettkampkarriere haben viele Eiskunstläufer bei „Holiday on Ice“ ihr Können versilbert. Marika Kilius, Hans-Jürgen Bäumler oder Katarina Witt glitten dabei zu viel Geld. Bei der Jubiläumsshow zum 75-jährigen Bestehen von „Holiday on Ice“ ist  das versunkene Atlantis der Star. 

Schon seit 75 Jahren unterhält „Holiday on Ice“ die Besucher, da ist neben sportlichem und tänzerischem Talent immer auch eine gute Programmidee gefragt. Denn längst geht es bei der berühmten Eisrevue nicht mehr nur um hübsche Beine, die mit träumerischer Sicherheit übers Eis fliegen, sondern auch um die Geschichte, die er­zählt wird, und vor allem darum, wie sie erzählt wird. 

Bühnen- und Lichteffekte, aufwendig computergesteuerte De­tails und das Zusammenspiel zwischen Lichtmagie, tänzerischem Eissport und packender Musik sind die Zutaten, aus denen Jahr um Jahr eine farbenfrohe Show entsteht. Dass dies nicht langweilig wird, verdankt sich den originellen Einfällen ihrer Macher und der perfekten Umsetzung durch die Darsteller.

Die bekannte Veranstaltung hat sich seit ihrer Entstehung von einer klassischen Eisrevue zu einer modernen Show entwickelt, die Eiskunstlauf mit Elementen aus Theater, Tanz, Oper, Pop, Magie, Musical und Akrobatik verbindet. Seit 1988 steht jedes Programm unter einem bestimmten Motto, das sich im Namen widerspiegelt. Choreografie und Musik werden jeweils neu zu­sammengestellt, regulär in zwei Akten. Aus diesem Grund wirkt jedes Showkonzept immer wieder neuartig. Die verschiedensten Figuren werden aufs Eis gebracht, wobei jede Inszenierung eine wechselnde Folge aus Paarlauf, Einzellauf und Synchron-Eiskunstlauf bringt. Dabei wird immer wieder in andere Bereiche ausgegriffen, beispielsweise mit einem Motorrad-Stunt in der Show „Magic & Illusions“ (1992).

In diesem Jahr tourt „Holiday on Ice“ mit einer beeindruckenden Umsetzung der Atlantis-Legende auch durch Deutschland. Es gibt glitzernde Einteiler und bunte Kostüme, dazu hübschen Kopfputz. Die phantasievollen Kostüme sind bei diesem Programm ein besonderer Effekt. Hübsche Eisläuferinnen in schönen Kostümen – das war schon immer der wichtigste Grund, diese Veranstaltung zu besuchen. Die Bildsprache hat sich freilich gewandelt, von synchron eislaufenden, weißbestiefelten Beinen in Kompaniestärke ist man schon lange weg. 

„Holiday on Ice“ legt bereits seit längerer Zeit mehr Wert auf Show und Sport als auf die Eisbienen der früheren Dekaden. Daher geht es turbulenter zu, akrobatischer und auch schneller. Ob dabei das Harmonische auf der Strecke bleibt, sollte jeder selbst entscheiden. Denn diesmal geht es um eine große Katastrophe.

Atlantis, das sagenumwobene Inselreich, das der Legende zu­folge innerhalb eines Tages und einer Nacht im Meer versunken sein soll, bietet jede Menge Stoff für Geschichten. Es ist zugleich ein Urstoff der Menschheitssagen: Von Überfluss und Lebenslust ist es nicht weit zum bitteren Schick­sal, das mal als Gottes Strafe (Babylon), mal als Folge falscher Wirtschaftsweise (Osterinsel) in­terpretiert wurde. Ein der Atlantissage ähnlicher Stoff rankt sich um die in der Ostsee versunkene Insel Vineta, deren Schicksal vor einigen Jahren mit einer bemerkenswerten Chorinszenierung dargestellt wurde. Dieser Stoff ist also „sicherer Grund“, und vermutlich verspricht seine Umsetzung sicheren Erfolg.

Die Erzählung ist im Grunde einfach: Im ersten Akt werden Lebenslust und Artistik gezeigt, hier können die Beteiligten also gleich ihr sportliches Können zeigen, und zwar nicht nur auf dem Eis, sondern auch in der Luft. Dabei wird richtig ge­klotzt, nicht nur mit einem Einhorn: Eine Zaubereinlage mit zerschnittener Jungfrau und kopflosem Schauspieler spielt sich unmittelbar auf dem Eis ab. 

In schneller Folge wechseln sich die Nummern ab, bis schließlich am Ende des ersten Aktes die Stadt bereits versinkt. Und zwar brennend. Nach der Pause folgt der zweite Teil mit einem kompletten Szenenwechsel: Er spielt in einer neonschimmernden Un­terwasserwelt voller Meerestiere und mit Tauchern, die nach Atlantis suchen.

Die Show schöpft gnadenlos aus dem Großen – mit 270 handgefertigten Kostümen und einem Ensemble aus 35 internationalen Eiskunstlaufprofis. Deren technisches Niveau ist durch die Bank weg olympiafähig, nur mit dem Unterschied, dass hier größerer Wert auf den schauspielerischen Ausdruck gelegt wird. Die traditionellen Zutaten, die „Holiday on Ice“ in 75 Jahren groß gemacht haben, wurden beibehalten: wohltönende Musik, ein flotter Bilderwechsel und eine Menge hübscher Kurven auf dem Eis, unterstrichen von sehr hübschen, wenig biederen Kostümen.

Das neue Programm ist also eine ausgewogene Mischung aus Bewährtem und Neuem, auf die man sich vorher freut und von der man inspiriert nach Hause geht. Mit einem Manko: Dieser Zug ins Bombastische wird sich schwerlich steigern lassen. Angesichts des Jubiläums kann man ihn als Besonderheit ansehen, aber wer erwartet, dass „Holiday on Ice“ nun jedes Jahr so eine Schippe drauflegen wird, findet sich beim nächsten Mal womöglich enttäuscht. 

Ob eine Eisrevue überhaupt in dieser Weise über ihr eigenes Maß hinausgreifen soll, müssen die Veranstalter entscheiden – zweifellos legen sie damit die Latte, an der man sie künftig messen wird, sehr hoch. Und in diesem Sinne wird „Atlantis“ da­durch auch zum Sinnbild der Veranstaltung selbst, die sich mit dieser Maß- und Grenzenlosigkeit gewissen Gefahren aussetzt.

Auf der anderen Seite haben die Designer hinter der Show immer wieder für Überraschungen gesorgt, und so ist auch nicht auszuschließen, dass man in den kommenden Jahren wieder in eine bravere Richtung gehen wird: mit einer Retro-Eisrevue etwa, nach Originalchoreografie der 50er Jahre. Das wäre keineswegs ein Rückschritt, sondern ein weiterer Clou, wenn es darum geht, das zu tun, womit die Eisrevue großgeworden ist: nämlich das Publikum für einen Abend zu verzaubern. 

Man darf also gerade nach „Atlantis“ sehr gespannt sein, wo diese kreative Reise noch hingehen wird.

Termine: Göttingen, Lokhalle, 31. Januar bis 3. Februar; Freiburg, SICK-Arena 7. bis 10. Februar; Dresden, Messehalle, 14. bis 17. Februar; Berlin, Tempodrom 21. Februar bis 3. März. Kostenpflichtige Kartenhot­line: (01805) 4414. www.holidayonice.de