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25.01.19 / Die Wildgänse kommen / Wasservögel aus Afrika und Nordamerika erobern Deutschland

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04-19 vom 25. Januar 2019

Die Wildgänse kommen
Wasservögel aus Afrika und Nordamerika erobern Deutschland
H. Tews

Seit 400 Jahren bevölkern die Alsterschwäne in der warmen Jahreszeit Hamburgs großen Stadtsee. Doch seit einigen Jahren haben die geschützten weißen Vögel graue Konkurrenz erhalten. An der Alster und ihren Kanälen tummeln sich geschätzt etwa 1000 Exemplare. Und das sogar im Winter. Weil sie von Vogelliebhabern gefüttert werden, nehmen die Zugvögel gar nicht erst den strapaziösen Flug Richtung Süden in Kauf. Dabei hinterlassen die Tiere im Uferbereich viel Kot, der die Ratten anlockt. 

Gänse fühlen sich inzwischen vielerorts ganzjährig in Deutschland wohl. Darunter Einwanderer wie die afrikanische Nilgans oder die nordamerikanische Kanadagans. Die Nilgans hat ihr Verbreitungsgebiet in Deutschland innerhalb von acht Jahren um 71 Prozent ausgedehnt. Bei der nordamerikanischen Kanadagans ist es sogar ein Plus von 91 Prozent. Um heimische Arten zu schützen, fordert daher der Deutsche Jagdverband (DJV) für die invasive Nilgans eine einheitliche flächendeckende Bejagung.

Bei der ursprünglich aus Afrika stammenden Nilgans hat sich innerhalb von acht Jahren der Anteil der Reviere mit Brutpaaren auf 23 Prozent mehr als verdoppelt. Die aus Nordamerika stammende Kanadagans – die größte in Mitteleuropa lebende Gänseart – breitet sich im nordwestdeutschen Tiefland mit Nordrhein-Westfalen, Bremen und Hamburg aus. Die Zahl der Reviere mit Brutpaaren hat sich um das 

1,3-fache erhöht und lag 2017 bei acht Prozent. Insgesamt haben sich am Monitoring Reviere mit einer Gesamtfläche von 12,5 Mil­lionen Hektar beteiligt – das entspricht knapp 40 Prozent der gesamten Jagdfläche der Bundesrepublik. Damit ist das Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD) einzigartig in seiner Dimension. Initiiert hat es der DJV gemeinsam mit seinen Landesjagdverbänden vor fast zwei Jahrzehnten.

Die Nilgans hat ihren Verbreitungsschwerpunkt in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen, dort kommt sie mittlerweile in 

60 Prozent der Reviere vor. Die aktuellen Monitoring-Daten zeigen, dass sich die afrikanische Gänseart nach Osten und Süden ausbreitet. Seit 2017 wird sie von der Europäischen Union als invasiv eingestuft – für Deutschland besteht damit die Verpflichtung, die Ausbreitung zu unterbinden. Die Nilgans ist derzeit lediglich in neun Bundesländern jagdbar. In der Saison 2016/17 haben Jäger mehr als 20700 solcher Wasservögel erlegt.

Und auch die Population der Graugans wächst beständig. In den norddeutschen Küstenregionen hat sich der Anteil von Revieren mit Brutvögeln von zehn (2009) auf 19 Prozent (2017) nahezu verdoppelt. Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen meldeten sogar ein Drittel und mehr Brutvorkommen. Das insgesamt gute Nahrungsangebot, insbesondere durch die Landwirtschaft, ist ein wichtiger Grund für das Anwachsen der Graugansbestände in Deutschland. Dies gilt für Brut- und Zugvögel aus Nordeuropa gleichermaßen. Um übermäßige Wildschäden zu verhindern, sei eine nachhaltige Jagd zwingend notwendig, so der DJV.

Was passiert, wenn der Bestand nicht ausgedünnt wird, zeigt das Beispiel der Niederlande. Nach einem Jagdverbot sind die Brutvogelbestände dort in die Höhe geschnellt, rund 7000 Graugans-Paare brüteten 2014 dort. Von 1985 bis 2011 verzeichneten Wissenschaftler eine Steigerung um das 20-fache. Die jährlichen Entschädigungszahlungen für Landwirte lagen bei rund 15 Millionen Euro. Die niederländische Regierung hatte deshalb vor einigen Jahren beschlossen, Graugänse mit Gas zu töten: flugunfähige Jungvögel sowie Altvögel in der Mauser werden dafür zusammengetrieben und nach und nach getötet. Diese Zustände gilt es in Deutschland zu verhindern.

In Hamburg können sich die Vögel noch sicher fühlen: als liebenswerte Alstergänse.