23.01.2022

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01.02.19 / Streit um des Kaisers Bart

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-19 vom 01. Februar 2019

Streit um des Kaisers Bart
Florian Stumfall

Wahrscheinlich muss man Grieche sein, wenn sich einem der Sinn des Streites um den Namen des Balkan-Nachbarn Mazedonien erschließen soll. Dass nämlich eine Region durch eine politische Grenze durchschnitten wird, ist nicht neu, das gibt es bei den beiden Kongo-Staaten in Afrika, der Demokratischen Republik Kongo und der Republik Kongo, das gibt es bei Nord- und Süd-Dakota in den Vereinigten Staaten von Amerika, und auch die Mongolei ist aufgeteilt in eine Autonome Region in der Volksrepublik China, die sogenannte Innere Mongolei – aus Sicht der Chinesen –, und eine souveränen Republik namens „Mongolischer Staat“, die sogenannte Äußere Mongolei, wobei sich die dort lebenden Mongolen sicher nicht als außerhalb der Mauern empfinden.

Was soll also diese griechische Exaltiertheit im Falle Mazedoniens? Gut – wenn eine der beiden streitenden Teile aus der Namensgebung territoriale Ansprüche ableiten wollte, dann wäre das etwas anderes. Aber das ist ja nicht der Fall. Dennoch beharren die Griechen mit Wut auf ihrem Bezug zur antiken Geschichte, ohne offenbar zu wissen, dass sie damit ihre Position aufs Äußerste gefährden. Denn König Phi­lipp von Makedonien und mehr noch sein Sohn Alexander, auf die sich Athen heute stolz erfüllt beruft, waren den Griechen zu Lebzeiten verabscheuungswürdige Barbaren, denen man jede Teilhabe an der griechischen Kultur absprach.

Aber damit nicht genug. Im Laufe der Geschichte war der Balkan so oft fast entvölkert, dass heute weder die in Skopje sitzenden Mazedonen noch die Griechen unter der Sonne Athens als Nachfahren der Helden des Homer gelten dürfen. Der berühmte Orientalist Jakob Philipp Fallmerayer hat darüber beeindruckend geschrieben, allerdings mit der Folge, dass er in Griechenland heute nicht sehr beliebt ist, soweit überhaupt von ihm die Rede ist.

Aber es besteht Hoffnung auf eine Lösung. Geschichtsvergessen, wie die Brüsseler Instanzen sind, wird es ihnen gelingen, eine Lösung zu finden, die beide Streithähne vor den Kopf stößt. Das wäre dann eine Eingewöhnung Mazedoniens oder wie immer in die EU.