29.01.2022

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01.02.19 / Münzhagel unter Pfiffen / Was geschieht mit den Millionen aus dem Trevi-Brunnen in Rom?

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-19 vom 01. Februar 2019

Münzhagel unter Pfiffen
Was geschieht mit den Millionen aus dem Trevi-Brunnen in Rom?
Harald Tews

Alle paar Sekunden ertönt der schrille Pfiff eines Ca­rabinieri. Wieder einmal hat sich ein Tourist für ein Selfie auf die marmorne Brunnenumrandung gestellt oder ins Wasser gegriffen. Beides ist verboten, und weil Tausende von Touristen täglich den Trevi-Brunnen in Rom bevölkern und jeder von sich ein originelles Selfie-Bild mit Brunnen machen will, sind die Trillerpfeifen im Dauereinsatz.

Wer aber auf die Idee kommen sollte, auch nur eine Münze aus dem Wasser zu fischen, wird abgeführt. Täglich regnet ein ganzer Geldhagel in den Brunnen, der durch Fellinis Film „La Dolce Vita“ weltberühmt wurde, weil darin die leicht bekleidete schwedische Schauspielerin Anita Ekberg baden ging. Um die 4000 Euro sind es pro Tag in allen möglichen Währungen der Welt. Rund 1,5 Millionen Euro kommen so pro Jahr zusammen. Wahrlich eine Goldgrube, die im Übrigen der in Rom tätige deutsche Archäologe Wolfgang Hilbig vor etwa 100 Jahren aufgetan haben soll.

Um seine traurigen Studenten zu trösten, die Rom verlassen mussten, riet er ihnen, mit verschlossen Augen rückwärts über die Schulter eine Münze in das Wasser zu werfen. Dann würden sie Rom eines Tages wiedersehen. Seitdem macht das jeder. Und seit dem Jahr 2001 freute sich besonders die Caritas über den Geldsegen. Der damalige Bürgermeister der Ewigen Stadt hatte beschlossen, die Millionen aus dem Trevi-Brunnen der Wohltätigkeitsorganisation zu überlassen. Damit sollte es nach der 2016 gewählten neuen Bürgermeisterin Virginia Raggi von der Fünf-Sterne-Bewegung bald vorbei sein. Im finanziell klammen Rom sei das Geld besser für die Müllentsorgung oder das Stopfen der vielen Straßenlöcher aufgehoben.

Leider hatte Raggi ihre Rechnung ohne die Römer gemacht, die daraufhin eine wahre Protestwelle lostraten. Nachdem die neue Verordnung bereits zu Jahresbeginn greifen sollte, wurde sie nun auf den 1. April verschoben – mit einer kleinen Änderung: Die städtischen Münzsammler, die den Trevi-Brunnen jeden Morgen mit speziellen Saugern säubern, geben das Geld nach wie vor bei der Stadt ab, die dann zumindest einen Teil davon der Caritas spenden wird.

Den ständig steigenden Massen an Touristen, die sich täglich um den Trevi-Brunnen drängeln, wird es egal sein, was mit ihrem Geld geschieht. Sie werden weiterhin ihre Euros, Dollars, Pfund, Rubel, Pesos, Yuans oder Yens gedankenlos in das Wasser werfen und ebenso rücksichtslos den Platz vorm Brunnen in eine Dauerparty verwandeln. Die Carabinieri werden immer häufiger zur Ordnung pfeifen müssen.