29.01.2022

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01.02.19 / Banale Untergangsprophetie

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-19 vom 01. Februar 2019

Banale Untergangsprophetie
Wolfgang Kaufmann

Seit Jahrzehnten versuchen uns diverse Welterklärer die Augen dafür zu öffnen, was denn nun im Nahen Osten „tatsächlich“ passiere. In diese Tradition reiht sich auch der Islam- und Politikwissenschaftler sowie frühere „Zeit“-Redakteur Michael Lüders ein, dessen neuestes Buch den etwas reißerischen Titel „Armageddon im Orient“ trägt. 

In dem Sachbuch analysiert er den Machtkampf zwischen Saudi-Arabien, Israel und dem Iran sowie die Haltung der europäischen Staaten und der USA hierzu. Seine Kernthese lautet dabei, dass Washington einseitig Partei gegen den Iran ergreife und somit Öl ins Feuer gieße, während Europa mehr oder weniger passiv zuschaue oder sich über irrelevante Aspekte der Problematik den Kopf zerbreche. 

Und auch sonst erscheint der Westen als das eigentliche Problem und nicht etwa der religiöse Konflikt zwischen den iranischen Schiiten und den saudischen Gralshütern des sunnitisch-wahhabitischen Islam.

Ganz besonders gut kommt bei Lüders der Iran weg, obwohl der Autor immer wieder auf seine angeblich unparteiische Haltung verweist. Angesichts dessen kann nicht verwundern, dass es Kritiker gibt, die ihn als „Teheran-Versteher“ bezeichnen. Auf jeden Fall hat sich Lüders sehr viel mehr auf den US-Präsidenten Donald Trump und das saudische Königshaus eingeschossen als auf die scharfmacherischen und extrem israelfeindlich auftretenden Mullahs.

Ansonsten liegt der umstrittene Nahostexperte natürlich richtig, wenn er prophezeit, ein Krieg gegen den Iran werde katastrophale Folgen für die Region und auch für Europa haben. Aber um ein solches sprichwörtlich biblisches „Armageddon“ vorherzusagen, braucht es nun wahrlich keine große analytische Brillanz.

Michael Lüders: „Armageddon im Orient. Wie die Saudi-Connection den Iran ins Visier nimmt“, Verlag C. H. Beck, München 2018, broschiert, 265 Seiten, 14,95 Euro