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05.04.19 / Drohendes Flugchaos / Warum die Luftfahrt der wachsenden Nachfrage kaum gewachsen ist

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-19 vom 05. April 2019

Drohendes Flugchaos
Warum die Luftfahrt der wachsenden Nachfrage kaum gewachsen ist
Peter Entinger

In diesen Tagen buchen hunderttausende Deutsche ihren Sommerurlaub. Doch das Risiko, dass nach 2018 ein neuerliches Flugchaos droht, ist groß. Dabei hatte die Politik nach zahlreichen Verspätungen und Flugausfällen noch im vergangenen Herbst einen Maßnahmenkatalog verabschiedet, um für Abhilfe zu sorgen. Doch die Fluggastzahlen sind weiterhin ansteigend, was bedeutet, dass es am deutschen Himmel noch enger wird. Nach dem Rekordwert von 3,4 Millionen Flugbewegungen aus dem Vorjahr erwartet die Deutsche Flugsicherung (DFS) für 2019 eine weitere Steigerung um bis zu vier Prozent im deutschen Luftraum. 

Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) hat bereits vor einem neuerlichen Chaos im europäischen Luftverkehr im kommenden Sommer gewarnt. Hauptgrund für die angespannte Situation sei massiver Personalmangel in den Kontrollzentralen der DFS. Dazu kämen Software-Probleme.

Das vergangene Jahr markierte einen absoluten Tiefpunkt. An deutschen Flughäfen hatten mehrere zehntausend Flüge eine Verspätung von mehr als einer Stunde. Mehr als 19000 haben die Fluglinien gleich ganz abgesagt. 

Wenn auch Experten sagen, dass der Zenit der Steigerungsraten erreicht sei, so gehen die Passagierzahlen dennoch nach oben. Die Internationale Luftverkehrs-Vereinigung (IATA, International Air Transport Association) rechnet in ihrer Prognose für 2019 mit einer etwas verlangsamten Steigerung der globalen Passagierzahl um sechs Prozent auf 4,59 Milliarden; 2018 waren es 4,34 Milliarden. Das dämpft die Hoffnungen deutscher Flugplaner, die einheimischen Fluggesellschaften könnten aus dem deutschen Luftraum auf andere ausweichen. „Keine Chance“, winken Verantwortliche aus Österreich, den Beneluxländern oder Frankreich ab. 

Neben den steigenden Zahlen an Flügen und Passagieren führen interne Probleme zu enormen Risiken. Nicht nur die Flug­lotsen klagen über Überlastung, auch die Sicherheitsbehörden sind betroffen. Viele Flughäfen sind auf privates Personal umgestiegen, die Krankenstände sind hoch, die Qualität teilweise dürftig. 

An Deutschlands größtem Flughafen Frankfurt am Main brach um die Weihnachtszeit 2018 das nackte Chaos aus. Ein privater Dienstleister hatte zu wenig Personal gestellt, an den Sicherheitsschleusen stauten sich die Fluggäste in einer Länge von teilweise mehr als 100 Metern. Viele blieben sprichwörtlich auf gepackten Koffern sitzen. Der Flughafen konnte sich nicht anders helfen, als die Reisenden aufzurufen, mehr als vier Stunden vor dem Abflug im Terminal zu sein. 

Und es droht weiteres Ungemach. Gerade der Markt für Urlaubreisen ist umkämpft, Branchenverbände warnen seit Jahren vor einem Preiskrieg ohne Grenzen. Die Gefahr, dass die Pleite einer Luftverkehrsgesellschaft ganze Flugpläne aus den Fugen geraten lässt, ist groß. Und damit nicht genug: Die technischen Probleme beim größten Flugzeughersteller Boeing versetzen die Branche in Aufruhr. Am Ende, so das Horrorszenario, könnte es zu wenig Maschinen für die Zahl an Fluggästen geben.