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05.04.19 / Draußen Dauerregen, drinnen Sonnenschein / Ausstellung „Masuren – Land der Stille“ mit Aquarellen von Hans-Jürgen Gaudeck eröffnet

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-19 vom 05. April 2019

Draußen Dauerregen, drinnen Sonnenschein
Ausstellung „Masuren – Land der Stille“ mit Aquarellen von Hans-Jürgen Gaudeck eröffnet

Ein wenig Bangen war vorhanden: Eine Stunde vor der angekündigten Ausstellungseröffnung waren in dem schönen Ausstellungsraum der Kreisgemeinschaft Lötzen e.V. in Neumünster erst fünf Menschen. Der Dauerregen wollte an diesem Sonnabend, den 16. März, nicht enden. Wenigstens der Sturm hatte sich gelegt.

Pünktlich – und wie abgesprochen – trafen aus Berlin Hans-Jürgen Gaudeck, der Maler der ausdrucksstarken Aquarelle, und seine Frau Helga ein. Sein schönes Buch „Masuren – Land der Stille“ (erschienen im Steffen Verlag, Berlin 2016) lag in etlichen Exemplaren zum Verkauf und zum Signieren bereit. Es enthält weitaus mehr als die hier in der Ausstellung gezeigten 22 großformatigen Werke. Dazu ist die Zusammenstellung von eigenen Texten und zu den Motiven der Bilder passenden Zitaten ostpreußischer Schriftsteller von eigenem Reiz.

Und dann kamen sie: Die Getreuen, die sich seit fast einem Dutzend Jahren keine Veranstaltung im Lötzener Heimatmuseum entgehen lassen, die Wiederkehrer, die diese Einrichtung irgendwann entdeckt haben und an den Angeboten teilnehmen, wann immer es ihnen möglich ist, die Gelegentlichen, die sich herauspicken, was sie besonders interessiert und die Neulinge, die durch die Veröffentlichungen und Hinweise in der Presse im Vorfeld neugierig gemacht worden waren und sich erstmals auf den Weg in die Sudetenlandstraße gemacht hatten.

32 Besucher füllten den Raum mit ihren Erwartungen. Ute Eichler, die für das Lötzener Archiv und Heimatsammlung verantwortliche Betreuerin, begrüßte alle und sprach zu Beginn über das Zustandekommen dieser Ausstellung. Sie ist – wieder einmal – ein Ergebnis der seit vielen Jahren gewachsenen und gepflegten Beziehungen zum Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg. Hier sind vor allem Agata Kern, Kulturreferentin für Ostpreußen, und Jörn Barfod, Kustos der Sammlung, zu nennen. Sie vermittelten den Kontakt zu Hans-Jürgen Gaudeck. Durch ihre Mithilfe (und die Arbeit von Sven Zorn) waren rechtzeitig im Vorfeld Plakate und Faltblätter, um für die Ausstellung und die sie begleitenden Veranstaltungen zu werben, vorhanden.

Hans-Jürgen Gaudeck wurde gebeten, sich selbst vorzustellen. Er wies auf seine ostpreußischen Vorfahren hin und erklärte, weshalb er erst in 2015 einen mehrwöchigen Aufenthalt in Masuren verwirklichen konnte. Besonders interessant war für die Zuhörer zu erfahren, dass wirklich alle Aquarelle direkt vor Ort (und nicht etwa im Nachhinein nach Fotografien) entstehen. Er erklärte, dass er sich nicht auf die Suche nach Motiven begebe, sondern sich ganz der Inspiration des Augenblicks, der Zufallsentdeckung oder einer besonderen Licht- oder Wolkenstimmung hingebe. Staunen löste sein kleiner, mit 14 Farben ausgestatteter Tuschkasten aus, den er immer in der Jackentasche dabei habe. So brauche er nur noch Papier und Wasser gebe es ja überall …

Für Heiterkeit sorgte Ute Eichler mit dem von ihr vorgetragenen Text „Masurenfahrt“ aus Robert Budzinskis „Entdeckung Ostpreußens“. Zuvor hatte sie auf das im Bestand der Lötzener Heimatsammlung vorhandene Standardwerk von Heß von Wichdorff „Masuren – Skizzen und Bilder von Land und Leuten“ aus dem Jahr 1915 hingewiesen.

Einige der Besucher äußerten mit ihren Fragen ein weit über die Motive der ausgestellten Bilder hinausgehendes Interesse an Masuren. Sie wollten etwas über die heutigen Lebensverhältnisse hören, einen Vergleich der Vergangenheit mit der Gegenwart. Anderen kamen Erinnerungen, wie zum Beispiel der 1931 in Königsberg geborenen Waltraut Zellmer.

Wie sehr die ausgestellten Werke auf die Besucher wirkten, machen die Kommentare einiger Teilnehmer dieser Nachmittagsveranstaltung deutlich. So stellte das Ehepaar Gisela und Siegfried Rummey fest: „… eine bezaubernde Ausstellung“, und der Lehrer Wolfgang Schnack schrieb begeistert in das Gästebuch: „ … eine großartige Veranstaltung, wunderbare Bilder und Stimmungen …“ Der neue Stadtteilbeauftragte für die Böcklersiedlung, Erhard Christian Schättiger, gab diesen Kommentar: „Eine wunderschöne Ausstellung, die neben der Strahlkraft der Bilder auch durch die Ausführungen des Künstlers das „Land der Stille“ erlebbar macht.“ Gisela Duske, Neumünster, schrieb: „Danke für die wunderschönen Bilder. Haben mich mutig gemacht, malen zu versuchen und vor allem die alte Heimat meiner Mutter zu erkunden.“ Ein anderer Eintrag lautete: „Maria Lore freut sich über Erzählungen, hervorragend vorgetragene Texte, schöne Bilder und eine gebürtige Lötzenerin. Großes Lob!“ – Ja, die „gebürtige Lötzenerin“ war eine der Überraschungen dieses Tages. Die zehn Jahre nach Kriegsende in Lötzen geborene, seit 28 Jahren in Schleswig-Holstein lebende Irena hatte endlich dieses 

Stückchen ihrer Heimat entdeckt und schrieb: „Herzlichen Dank für den schönen Nachmittag. Bin zum ersten Mal hier und bin sehr überrascht. Wundervolle Menschen und liebe Gespräche …“ Vielleicht kann für alle, die aus der Patenstadt der Kreisgemeinschaft Lötzen und der Umgebung Neumünsters gekommen waren und für die, die weitere Wege zurückgelegt hatten (aus Hamburg, Bordesholm oder Westensee) gelten, was das Ehepaar Dahms äußerte: „Es war sehr schön, bei Ihnen zu Gast sein zu dürfen. Ein schöner Nachmittag mit interessanten Begegnungen.“ – Der Dauerregen war vergessen. Im Ausstellungsraum herrschte Sonnenschein. „Masuren – Land der Stille“ hatte jeden Besucher in seinen Bann gezogen.U. E.

Die Ausstellung „Masuren – Land der Stille“ (alle Werke sind verkäuflich) ist zu sehen bis einschließlich 20. Juli, fast jederzeit nach Absprache mit Ute Eichler, Telefon (040) 6083003 oder an den Veranstaltungstagen 27. April, 18. Mai, 15. Juni, 20. Juli ab 10 Uhr.