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05.04.19 / Historische Flucht ins Pantheon / In Kattowitz wird die Hagiografie der Aufständischen auf die Spitze getrieben

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-19 vom 05. April 2019

Historische Flucht ins Pantheon
In Kattowitz wird die Hagiografie der Aufständischen auf die Spitze getrieben
Chris W. Wagner/PAZ

Die Woiwodschaft Schlesien feiert 100 Jahre der „Rück-kehr“ eines Teils Oberschlesiens zu Polen. Mit der Rückkehr ist die Annexion Ostoberschlesiens durch Polen nach dem Ersten Weltkrieg gemeint, also viele Jahrhunderte nach einem mittelalterlichen polnischen Intermezzo.

Mit der Terminologie „Rückkehr zum Mutterland“ greifen die Akteure nun wieder einen nationalkommunistischen Terminus auf, der in der Nachwendezeit zunehmend verlorenging. Es soll eine neue Kulturinstitution entstehen – das „Pantheon außergewöhnlicher Schlesier“. Etwa 40 Millionen polnische Zloty (umgerechnet etwa 10 Millionen Euro) soll das Projekt kosten,  und der Standort steht auch schon fest. Das Pantheon wird in den Katakomben der Christuskönigskathedrale zu Kattowitz eingerichtet, denn Ideengeber ist der Kattowitzer Metropolit Wiktor Skworc. „Die Katakomben der Kathedrale sind ein Symbol für die Wiedergeburt des polischen Staates in Schlesien, deshalb bilden sie den idealen Platz für die Erzählung über die Schick-sale der großen Schlesier“, so Erzbischof Skworc gegenüber den Nachrichtenportal Infokatowice.pl.

„Das Oberschlesische Pantheon soll über die schwere, aber zugleich schöne Geschichte Schlesiens erzählen. Dies ist besonders wichtig in der Perspektive des 100. Gedenktages der Schlesischen Aufstände und der Rückkehr zum Mutterland. Wir schulden den großen Schlesiern unsere Dankbarkeit für ihren Einsatz für diese Region und das Land. Ihre Lebensläufe sind der beste Geschichtsunterricht für junge Generationen“, sagte Jakub Chelstowski, Marschall der Woi-wodschaft Schlesien am 25. März während der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur Schaffung der neuen Kulturinstitution. Das Dokument haben außerdem Ideengeber Erzbischof Wiktor Skworc, der Kattowitzer Stadtpräsident (Oberbürgermeister) Marcin Krupa und Piotr Glinski, Minister für Kultur und Nationales Erbe, unterzeichnet. Das oberste Ziel der neuen Kultureinrichtung ist erklärtermaßen eine redliche Überlieferung der Geschichte anhand von Lebensläufen wichtiger (Ober-)Schlesier. Mit der Redlichkeit ist es allerdings nicht weit her, denn einen Platz in diesem Pantheon der Oberschlesier finden wohl nur Kämpfer für das Polentum. Dies zumindest kann man aus den Aussagen der sich für das Projekt einsetzenden Kommunalpolitiker der Woiwodschaft Schlesien herauslesen. „Wir ebnen die verworrenen Wege unserer Geschichte und zeigen, dass das Streben der (Ober-)Schlesier, zu Polen zu gehören, sehr stark war“, zitiert das Portal „Magna Polonia“ Marcin Krupa, den Stadtpräsidenten (Oberbürgermeister) von Kattowitz. Marschall Chelstowski äußerte gegenüber dem Journal „Dziennik Zachodni“: „Diese neue Kulturinstitution der Woiwodschaft wird von höchstem Niveau sein, denn zum 100. Jahrestag der Rückkehr Schlesiens zum Mutterland verdient sie es besonders.“ Eröffnet werden soll das Oberschlesische Pantheon 2021. Dazu werden bereits 200 kurze Lebensbeschreibungen für die Initiatoren wichtiger Oberschlesier der letzten 100 Jahre von Mitarbeitern der Universität Kattowitz und der theologischen Fakultät Kattowitz digital bearbeitet. Aus dieser Arbeit soll eine multimediale Ausstellung entstehen.

Die polnischen Aufstände heißen in der polnischen Sprache „Schlesische Aufstände“, da sich die Woiwodschaft Schlesien nur über den östlichen Teil Schlesiens erstreckt. Am 100. Jahrestag der Aufstände soll auch ein Film über diese „aufklären“, der vom Woiwoden in Auftrag gegeben wurde. „Wer mit Verklärung auf die Zeit der Volksrepublik zurückblickt, wird entzückt sein. Für mich ist der Satz über die ‚Wiedergeburt Schlesiens in Polen‘ ähnlich lächerlich wie die Ansicht, die DDR (Deutsche Demokratische Republik) sei die Blüte der deutschen Geschichte. Wir dürfen uns nun auf drei Jahre voller solcher Albernheiten freuen“, so der promovierte Jerzy Gorzelik von der Autonomiebewegung Schlesiens.

Die sich bis 2021 hinziehenden Jubiläumsfeierlichkeiten zum Gedenken an die Ereignisse vor 

100 Jahren vom Beginn der Aufstände 1919 bis zur Annexion Ostoberschlesiens durch Polen 1921 wurden am 18. März im Schlesischen Museum zu Kattowitz eröffnet. Dort wird bald eine Ausstellung über die Rolle von Frauen in den Aufständen und bei der Volksabstimmung vom 20. März 1921, bei der 59,6 Prozent der abstimmungsberechtigten Oberschlesier für den Verbleib bei Preußen und dem Reich vortierten, zu sehen sein. Zudem wird dort ein Ausstellungsraum den polnischen Aufständen gewidtmet.