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19.04.19 / »Don’t Cry for Me Argentina« / Wie viele Idole starb Eva Perón, die Präsidentengattin aus einfachen Verhältnissen, in der Blüte ihrer Jahre

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 16-19 vom 19. April 2019

»Don’t Cry for Me Argentina«
Wie viele Idole starb Eva Perón, die Präsidentengattin aus einfachen Verhältnissen, in der Blüte ihrer Jahre
Dirk Pelster

Mit dem Lied „Don’t Cry for Me Argentina“ und dem Musical „Evita“ setzten Andrew Lloyd Webber und Tim Riceaus ihr 1976 ein musikalisches Denkmal. Doch bereits zu Lebzeiten war sie eine Ikone. Hunderttausende jubelten ihr auf öffentlichen Versammlungen zu. Vor 100 Jahren kam Eva Perón, genannt Evita, unehelich in bescheidenen Verhältnissen zur Welt.

Eva Maria Ibarguren, so der Mädchenname von Eva Perón, wurde am 7. Mai 1919 als eines von fünf unehelichen Kindern ihrer Mutter Juana in der argentinischen Pampa geboren. Der leibliche Vater – ein wohlhabender Großgrundbesitzer – lebte zunächst bei der Familie, war jedoch verheiratet und kehrte später zu seiner Ehefrau zurück. Eva wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Mit 15 Jahren verließ sie gemeinsam mit ihrem damaligen Liebhaber die Provinz, um in Buenos Aires den Traum vieler junger Mädchen zu leben und eine Karriere als Schauspielerin zu beginnen. Zu dieser Zeit nahm sie den Familiennamen „Duarte“ ihres zwischenzeitlich verstorbenen Vaters an. Tatsächlich erhielt sie mehrere Engagements für Theaterstücke und in einigen drittklassigen Filmen. Als Sprecherin für Hörspiele in Radiosendungen war ihr mehr Erfolg beschieden und in den frühen 40er Jahren war sie bereits eine der bestverdienenden Schauspielerinnen des Landes.

Im Januar 1944 erschütterte ein verheerendes Erdbeben die Provinz San Juan im Westen Argentiniens. Die Militärregierung unter Pedro Ramírez beauftragte den damals noch unbedeutenden Obristen und Arbeitsminister Juan Perón mit der Durchführung von Hilfsmaßnahmen, zu denen auch ein Benefizkonzert für die Opfer der Katastrophe gehören sollte. Anlässlich einer Gala im Stadion Luna Park in Buenos Aires lernten sich Juan Perón und Eva Duarte kennen. Die 24 Jahre junge Schauspielerin wurde zunächst zur Geliebten des doppelt so alten Politikers. Schon früh machte Perón sich die Popularität von Eva zunutze. Als die Militärregierung damit begann, die Arbeitnehmerorganisationen zusammenzufassen und unter ihre Kontrolle zu bringen, wurde sie Präsidentin der Schauspieler-Gewerkschaft. In Radiosendungen und öffentlichen Auftritten warb Eva Duarte für die Person und das politische Programm ihres Geliebten. Innerhalb des Regimes wurde Perón immer mehr zu einer Schlüsselfigur. Er konnte sich dabei vor allem auf die Arbeiterschaft und die armen Bevölkerungsschichten stützen. Bereits 1944 musste Präsident Ramírez auf sein Drängen hin zurück­treten. 

Im Oktober 1945 allerdings wurde Perón wegen seines zunehmenden Einflusses von seinen Kameraden verhaftet. Daraufhin versammelten sich rund 300000 seiner Anhänger vor dem Präsidentenpalast in Buenos Aires und forderten die sofortige Freilassung des Ministers. Die Militärregierung hielt diesem Druck nicht stand. Am späten Abend des 17. Oktobers trat Perón auf den Balkon des Gebäudes und sprach zu den ausharrenden Massen. Die Rede wurde zu einem Fanal für Argentinien und legte den Grundstein für die nun von ihm angestrebte Präsidentschaft. Nur einen Tag später heiratete er Eva. 

Aus den für den 26. Februar 1946 angesetzten Wahlen ging er als eindeutiger Sieger hervor. Schnell wurde Eva Perón zum Aushängeschild der Präsidentschaft ihres Mannes. Für ihn tourte sie durch Europa und verlieh der neuen Politik in Buenos Aires auf dem internationalen Parkett ihr Gesicht. Im Inneren nahm sie die typischen Aufgaben einer Primera Dama (First Lady) wahr und engagierte sich vor allem auf dem Gebiet der Wohltätigkeit.

Sowohl unter ihren Zeitgenossen als auch unter heutigen Historikern war beziehungsweise ist unumstritten, inwieweit Eva Perón als eigenständige politische Akteurin betrachtet werden kann. Tatsächlich setzte ihr Engagement erst mit dem Beginn der Beziehung zu ihrem späteren Mann ein. Aus ihrem Vorleben sind weder politische Aussagen noch entsprechende politische Präferenzen überliefert. In Interviews und Reden hat sie sich stets als durch ihren Mann politisch inspiriert ausgegeben und keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass er sämtliche Entscheidungen in seinen Ämtern stets allein und ohne ihre Einflussnahme getroffen habe. Doch hinter den Kulissen hat sie gleichwohl viele Fäden gezogen. Die von ihr gegründete und nach ihr benannte Wohlfahrts-Stiftung beschäftigte schon nach wenigen Jahren mehr als 14000 Angestellte und war damit eine wichtige Machtbasis. Der Organisation flossen später auch Einnahmen aus Steuergeldern zu. Sie selbst arbeitete zum Teil bis zu 20 Stunden am Tag für ihre Stiftung.

Rigoros war ihr Vorgehen gegen Kritiker. Eva Perón litt zeitlebens unter dem Makel ihrer illegitimen Geburt und wurde dafür in der konservativen argentinischen Gesellschaft ebenso angefeindet, wie für mehrere sexuelle Beziehungen, die sie vor ihrer Eheschließung mit Perón unterhalten hatte. Zeitweise wurde auf ihren Druck hin das Erscheinen der heute noch existierenden Tageszeitung „La Prensa“ untersagt, die diesen Umstand thematisierte. 

Im engeren Sinne politisch war lediglich ihr Einsatz für das Frauenwahlrecht. Dieses wurde bereits ein Jahr nach dem Amtsantritt von Juan Perón in Argentinien eingeführt. Sie gründete und führte den Frauenverband der Perónistischen Partei. Eigene Ambitionen, für die Präsidentschaftswahlen 1951 neben ihrem Mann als Kandidatin für das Amt des Vize-Präsidenten anzutreten, musste sie auf Druck aus dem Militär und auch wegen des Ausbruchs ihres schweren Krebsleidens aufgeben. An dieser Krebserkrankung starb Eva Perón am 26. Juli 1952. Obwohl sie nie ein offizielles Amt bekleidete, ordnete die Regierung Staatstrauer an. Drei Millionen Menschen nahmen an den Begräbnisfeierlichkeiten in der Hauptstadt teil. Acht Menschen wurden dabei zu Tode gequetscht. In Buenos Aires waren sämtliche Floristikläden ausverkauft, und Blumen mussten aus den Nachbarländern eingeflogen werden. Diese bis zur Verklärung reichende Popularität von Eva Perón wirkt bis in die Gegenwart nach. Gerade wegen ihres Einsatzes für die Armen wird sie in Südamerika zum Teil noch heute wie eine Heilige verehrt.