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19.04.19 / Deutsche nicht polnisch genug / Die deutsche Minderheit in Breslau lässt keine Bundesdeutschen im Vorstand zu

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 16-19 vom 19. April 2019

Deutsche nicht polnisch genug
Die deutsche Minderheit in Breslau lässt keine Bundesdeutschen im Vorstand zu
Edmund Pander

Wer Mitglied sein darf, hält die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Deutschen Minderheit in Polen in ihrer Satzung fest: „Jeder der deutscher Nationalität ist und der im Verbandsgebiet seinen Wohnsitz hat.“ Dabei unterscheidet man in Polen deutlich zwischen Staatsangehörigkeit und Nationalität. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass zum Beispiel dem Verband der Deutschen in Glatz, der aus einer Glatzer Vertriebenenfamilie stammende und quasi aus dem familiären „Exil“ in die Grafschaft Glatz heimgekehrte Bundesdeutsche Horst Ulbrich dort als Vorsitzender fungiert. In Breslau sollte Gleiches nun nicht möglich sein.

Der Breslauer Bezirksverband ziert sich nämlich bei genau demselben Vorgehen und folgt damit im Grunde auch der seit jeher geltenden Linie des Oppelner Bezirksverbands, der in der Deutschen Minderheit in Polen tonangebend ist. Dessen Würdenträger sind oft sehr eng mit dem landesweiten Zusammenschluss der Deutschen VdG verzahnt. Und auch der VdG hat natürlich seinen Sitz in Oppeln.

Der Breslauer Bezirksverband scheint wieder der oberschlesischen „Hasenfüßigkeit“ zu folgen. Die langjährige Breslauer Vorsitzende Renate Zajaczkowska fühlte sich in der Oppelner Runde im Gegensatz zu manch anderer Gliederung aus allen Regionen des Landes nicht als Bittsteller, sondern gehörte immer dazu. Immerhin ist ja auch sie Oberschlesierin. 

Die Odermetropole ist im Gegensatz zu Oppeln oder Gleiwitz 1945 völlig von Deutschen entvölkert gewesen und ein Verband der Deutschen Minderheit bildete sich hier mehrheitlich aus den Deutschen, die 1945 als einst polnische Staatsangehörige mit aus Ostpolen vertrieben wurden oder nach 1945 zugewanderten Deutschen aus Lodsch oder Masuren und nur zu einem geringen Teil aus echten protestantischen Niederschlesiern.

Doch die Konstellation ist noch komplexer. Aus Altersgründen trat Zajaczkowska am 6. April nicht mehr als Vorsitzende an. Sie hatte sich sogar für den in Breslau als Deutschlehrer und Vertreter von medizinischen Gerätschaften tätigen Bundesdeutschen Jörg Giessler als Vorstandsvorsitzenden in Breslau ausgesprochen. Außerdem stellte sich Andreas Grapatin, der aus schlesischer Familie stammt, das Verbindungsbüro Sachsens in Breslau leitete und für die CDU im Dresdner Landtag saß, zur Wahl. Grapatin war als Nationalkonservativer in der CDU jedoch zunehmend an den Rand gedrängt worden, während sich Giessler am 26. Mai für die AfD um ein Mandat im Görlitzer Stadtrat bewirbt.

Bei der Wahl um den Vorsitz in Breslau wurden die Kandidaturen von Grapatin und Giessler nun mit der Begründung zurückgewiesen, dass beide nicht die polnische Staatsangehörigkeit besitzen. „Ich habe am 11. April dazu eine Beschwerde an die neu gewählte Vorsitzende Krystyna Kadlewicz geschrieben“, betont Jörg Giessler nun gegenüber der Preußische Allgemeine Zeitung. Das Schreiben sei auch von Andreas Grapatin unterzeichnet worden, der während der Sitzung den Antrag stellte, die Satzung überprüfen zu lassen. Wenn Mitglieder ohne polnische Staatsangehörigkeit nicht in den Vorstand gewählt werden dürften, dann sei diese Diskriminierung mit EU-Recht nicht vereinbar, äußerte sich Grapatin. Giessler ergänzt: „Juristisch steht die Wahl meines Erachtens auch auf tönernen Füßen, da die Wahlzettel handschriftlich nummeriert waren.“

Ob nun die meist über 70-jährigen Breslauer Verbandsmitglieder mit der Wahl hoffnungslos überfordert waren, ob die eventuell zuvor eigens geänderte Satzung die Ablehnung überhaupt erlaubte oder, ob eine politische Unvereinbarkeit der bundesdeutschen Bewerber auf informellem Weg den übrigen Breslauer Akteuren nahegelegt wurde, bleibt offen.

Zunächst fungiert die Reiseführerin Krystyna Kadlewicz als Vorsitzende. Sie war letztlich die einzige Bewerberin um den Vorsitz mit polnischer Staatsangehörigkeit. Sie ist seit 30 Jahren Mitglied des Breslauer Bezirksverbandes.