17.06.2024

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03.05.19 / Endlich etwas tun!

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 18-19 vom 03. Mai 2019

Endlich etwas tun!
Eberhard Hamer

In der Nacht vom 16. April 2019 wurde der mehr als 700 Jahre alte Pariser Dom Notre-Dame von einer Feuersbrunst heimgesucht und teilgeschädigt. 

Es gab allgemeines Entsetzen, nicht nur in Frankreich, sondern in der ganzen Welt, und allgemeine nationale und internationale – auch aus Deutschland – Hilfsangebote. Es ist erhebend, dass die Welt ein solches Unglück an einem Kulturdenkmal heute gemeinsam zu tragen versucht und auch den Wiederaufbau international angeht.

Das war vor einem Dreivierteljahrhundert noch ganz anders. In den gleichen Ländern, in denen heute größte Betroffenheit über einen Brand eines Kulturdenkmals herrscht, war große Befriedigung und Freude, als 800 Jahre alte Kirchen in Deutschland nicht durch Unglück, sondern vorsätzlich zerstört wurden. Beispiele sind der Magdeburger Dom und die alten Kirchen in nahezu allen Großstädten wie Dresden, Köln, Essen oder Frankfurt am Main. Damals gab es kein Bedauern. Danach gab es keine Aufbauhilfe und keine internationale Aktion.

Ist die Welt inzwischen vernünftiger und besser geworden? Die Menschen sind es vielleicht, die Politiker wohl kaum, wenn man die nahezu wöchentlichen Wirtschafts- und Finanzkriegshandlungen der USA und die militärischen Kriegsdrohungen der NATO-Funktionäre verfolgt.

Oder liegt das heutige Weltmitleid angesichts des Brandes von Notre-Dame daran, dass es sich um ein französisches statt um ein deutsches Kulturgut handelt? Dagegen spricht, dass ein Teil der heute Betroffenen noch im Syrienkrieg Helfer der Zerstörer von Weltkulturschätzen war.

Immerhin sollte man anerkennen, dass Deutschland, welches vor 75 Jahren mit der Totalzerstörung seiner Kulturgüter alleingelassen wurde, als eines der ersten Länder mit Hilfszusagen für den Wiederaufbau von Notre-Dame kam. Zumindest wir Deutschen haben uns inzwischen gebessert.

Die Bereitschaft Deutschlands zur Hilfe im Ausland legt aber den Gedanken nahe, ob nun die deutsche Regierung auch mehr Verantwortung für die Erhaltung deutscher Kulturgüter übernehmen müsste, zum Beispiel für die Erhaltung der unter dem Kommunismus vergammelten jahrhundertealten Dorfkirchen oder der Schlösser in Mitteldeutschland.

So könnte das vom Brand von Notre-Dame ausgehende Zeichen verstärkten Bewusstseins für die Erhaltung unserer Kulturgüter vielleicht noch zur rechten Zeit auch innenpolitisch die Bevölkerung und Regierung zur Erhaltung unserer eigenen Kulturgüter mobilisieren.

Immerhin brennt auch in Deutschland nach Ermittlungen des auf Baudenkmäler spezialisierten Brandschutzingenieurs Sylwester Kabat wöchentlich eine Kirche und jedes Jahr bisher eine historische Denkmalskirche wie beispielsweise 2014 in Nürnberg die 600 Jahre alte Kirche St. Martha, 2015 die historische Kirche in Tellschütz und 2018 die Ravensburger Kirche St. Jodok.

Statt den US-Amerikanern mehr als 20 Milliarden Euro für weitere Rüstungskäufe zuzusagen, sollte sich Deutschland erst einmal um die Sanierung und Rettung seiner eigenen jahrhundertealten Kulturgüter kümmern. Notre-Dame sollte uns so etwas lehren!