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10.05.19 / Gedacht ist nicht geehrt / Das Oppelner Regionalparlament unterscheidet Gedenken und wähnt sich objektiv

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 19-19 vom 10. Mai 2019

Gedacht ist nicht geehrt
Das Oppelner Regionalparlament unterscheidet Gedenken und wähnt sich objektiv
Chris W. Wagner

Der Sejmik, das Regionalparlament der Woiwodschaft Oppeln, verabschiedete Ende April eine Resolution zum 100. Jahrestag der polnischen Aufstände in Oberschlesien, die in Polen „Schlesische Aufstände” (siehe PAZ, Folge 14 vom 5. April 2019) genannt werden. Verkannt wird dabei aber, dass ein wichtiger Impuls von außen, vom polnischen Staat, ausging, während das Adjektiv „schlesisch“ eine Mehrheit der Oberschlesier suggeriert.

In der Resolution heißt es, dass „der Oppelner Sejmik diejenigen oberschlesischen Aufständischen ehrt, die für den Anschluss an den neugegründeten polnischen Staat kämpften. Gedacht wird ebenfalls derer, die sich den Aufständischen gegenüber stellten, Schlesiern, die sich als Deutsche fühlend, für den Verbleib bei Deutschland optierten“. Das Internetportal Politykapolska.eu (polnische Politik) findet diese Resolution skandalös, da „kurioserweise beide Konfliktparteien gleichgestellt werden und sowohl für die Aufständischen als auch für die Verbrecher der deutschen Freikorps und der chauvinistischen Organisation des Oberschlesischen Selbstschutz gleiches Recht zum Gedenken gewährt wird“. Skandalös ist jedoch vielmehr, dass die „Aufständischen“ „geehrt“ werden, und den deutsch Optierenden nur ein Gedenken zuteilwird.

Als erster brachte der Sejmikabgeordnete Bogdan Tomaszek (PiS) sein Veto ein. „Bereits am Anfang der Resolution lesen wir, dass Kämpfer für den Anschluss Oberschlesiens an das ‚neugegründete Polen‘ geehrt werden. Diese Bezeichnung würde damals wie heute bedeuten, dass es Polen nicht gegeben habe und man den Staat erst gründen wollte. Dabei besteht Polen seit seiner Taufe von 966 und hörte in den Herzen der Polen auch während der 123 Jahre dauernden Nacht der Teilungen nicht zu bestehen auf. Das Ende dieser Nacht kam mit dem Ende des Ersten Weltkriegs“, so Toma-szek gegenüber der Zeitung „Partner“ aus Kandrzin-Cosel [Kedzierzyn-Kozle]. Doch viel wichtiger ist Tomaszek die Klarstellung, wer sich während der Aufstände gegenüberstand, nämlich „die in Oberschlesien lebenden Polen und Deutschen“. Alles andere wäre eine Verwässerung der Tatsachen, so Tomaszek. „Um dies zu erklären, bemühe ich mich einer einfachen Analogie, nämlich der bezüglich des Aufstandes in Großpolen (Anmerkung der Redaktion: Großpolen meint die Provinz Posen). Wer von uns, geschweige denn der Betroffenen selbst, würde eine Behauptung unterschreiben, dass gegen Aufständische sich diejenigen Großpolen stellten, die sich als Deutsche fühlten und für den Verbleib bei Deutschland optierten? Sowohl in Oberschlesien als auch in Großpolen standen sich damals Polen und Deutsche gegenüber. Eine Verwässerung dieser Fakten dient keiner Versöhnung der Nationen, die wir als kostbarsten Wert auf historische Wahrheit bauen sollten“, so der in Garnsee [Gardeja] im Landkreis Marienwerder [Kwidzyn] geborene ehemalige Senator Bogdan Tomaszek zur sauberen Unterscheidung zwischen Nation und Staatsangehörigkeit.

Die These, bei den polnischen Aufständen habe es sich um einen polnisch-deutschen Krieg gehandelt, bekräftigt Professor Ryszard Kaczmarek aus Kattowitz, Gastredner der Sejmiksitzung mit einem Zitat der Zeitung „Wochenblatt.pl“: „Dieser Krieg entwickelte sich jedoch nicht so, als wenn beide Staaten vollkommen souverän gehandelt hätten (…) was allerdings nicht bedeutet, dass beide Staaten nicht in diesen Konflikt involviert waren. Dieser nahm von Jahr zu Jahr immer mehr den Charakter eines polnisch-deutschen Krieges an, denn trotz offizieller Bekundungen beider Staaten, sich nicht in dem Konflikt zu engagieren, unterstützten Polen und Deutschland jeweils stark die Aufständischen und die deutschen Selbstschutzsoldaten.“

Zu den Vorwürfen seitens der PiS äußerte sich von Seiten der in der Woiwodschaft Oppeln mitregierenden deutschen Minderheit die Sejmikabgeordnete Zuzanna Donath-Kasiura. Ihr besonderes Augenmerk liegt auf der umfassenden Thematisierung des Konfliktes. „Das Wichtigste dabei ist der Schmerz der Familien. In diesem Fall wurde ein politischer Konflikt zum Bruderkampf“, flüchtete Donath-Kasiura gegenüber „Radio Oppeln“ in die Beliebigkeit des Unverbindlichen. 

Die Resolution wurde letztlich mit den Stimmen der Abgeordneten der aus der liberalen Nowo-czesna und der Bürgerplattform (PO) bestehenden Bürgerkoalition, der deutschen Minderheit und der Bauernpartei (PSL) angenommen. Die im Saal anwesenden PiS-Abgeordneten enthielten sich der Stimme.