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05.07.19 / Trotz Sanktionen schlagkräftig / Irans Wehrkraft gilt als die dreizehntstärkste der Welt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-19 vom 05. Juli 2019

Trotz Sanktionen schlagkräftig
Irans Wehrkraft gilt als die dreizehntstärkste der Welt
Friedrich List

Der Iran ist heute trotz Sanktionen eine starke Regionalmacht. Seine Streitkräfte sind schätzungsweise 534000 Mann stark.  

Im Global Firepower Index, einer Online-Plattform für Sicherheitspolitik, steht das Land auf Platz 13 von 136 erfassten Ländern. Zum Vergleich: Der Index platziert Ägypten auf Platz 12, Israel erstaunlicherweise auf Platz 16 und Saudi-Arabien auf Platz 26. In den Index gehen allerdings auch Faktoren wie Geografie, Wirtschaftskraft oder Bevölkerungszahl ein. Iran kann hier eine Bevölkerung von rund 80 Millionen Menschen in die Waagschale werfen, eine Geografie mit Hochgebirgen und Wüsten, die quer zu den meisten sinnvollen Vormarschachsen liegen, und eine eigene Wehrindustrie. 

Iran gab 2017 umgerechnet rund 13,7 Milliarden Euro oder 16 Milliarden US-Dollar für seine Streitkräfte aus. Israel hatte mit umgerechnet 18,5 Milliarden Dollar etwas höhere Ausgaben. Das saudische Militärbudget belief sich auf umgerechnet 76,7 Milliarden US-Dollar. 

Die iranischen Streitkräfte unterstehen direkt dem Revolutionsführer. Sie bestehen aus drei Komponenten – den als Armee bezeichneten regulären Streitkräften, der auch als Revolutionswächter, Sepah oder Pasdaran genannten Iranischen Revolutionsgarde und der Polizei. Die regulären Streitkräfte sind rund 398000 Mann stark und gliedern sich in Heer, Luftwaffe, Luftverteidigung und Marine. Die 12500 Mann starken Revolutionswächter verfügen ebenfalls über eigene Bodentruppen, Seestreitkräfte und fliegende Verbände. Außerdem kontrollieren sie die Hochtechnologie- und Wehrindustrie des Landes und das ballistische Raketenprogramm. Zudem untersteht ihnen die Al-Quds-Einheit, die Spezialeinheit für Einsätze im Ausland. Ebenfalls unter Kontrolle der Revolutionsgarde stehen die Basij-Milizen, paramilitärische Verbände. Iranische Quellen nennen eine personelle Stärke von 12,6 Millionen Männern und Frauen, von denen 600000 militärisch ausgebildet seien. Die Revolutionswächter sind faktisch ein Staat im Staat, gegen den die Führung nicht regieren kann. 

Zum militärischen Potenzial des Landes können auch die irregulären Gruppen gerechnet werden, die der Iran in Teilen der Region unterstützt. Dazu gehören die Hisbollah-Milizen im Libanon, die Huthi-Rebellen im Jemen und die schiitischen Milizen im Irak. 

Auch vier Jahrzehnte nach dem Umsturz von 1979 stammt ein großer Teil des militärischen Geräts aus der Schah-Zeit. Das Rückgrat der Luftwaffe bilden immer noch Jets vom Typ Grumman F-14 „Tomcat“, McDonnell Douglas F-4 „Phantom II“ und Northrop F-5 „Freedom Fighter“. Neuere Kampfflugzeuge verdankt das Land ausgerechnet dem früheren Kriegsgegner Irak. Saddam Hussein ließ nämlich zahlreiche Flugzeuge in den Iran ausfliegen, sodass heute auch russische MiG-29-Jäger und Su-24-Bomber sowie französische Dassault Mirage F1 im Einsatz sind. Die Revolutionswächter fliegen eine kleine Zahl Mig-21-Nachbauten aus chinesischer Produktion. 

Die iranische Industrie produziert mittlerweile nicht nur Kurz- und Mittelstreckenraketen, sondern auch T-72-Kampfpanzer, Hubschrauber, Raketen-Schnellboote, Klein-U-Boote, Lenkwaffen und Artilleriesysteme. Marine und Revolutionswächter haben sich darauf spezialisiert, mit Schnellbooten, Minen, Drohnen und Klein-U-Booten gegen Ziele vor der eigenen Küste zu operieren. Aus der Northrop F-5 hat die Iran Aircraft Manufacturing Industrial Company ein eigenes Kampfflugzeug entwickelt. Aber bislang sind nur wenige Maschinen produziert worden. Westliches Niveau erreichen die iranischen Streitkräfte nicht. 

Der Luftwaffe fehlen moderne Lenkwaffen, aber auch Führungsmittel wie AWACS-Flugzeuge. Im Einsatz sind Nachbauten US-amerikanischer Raketen sowie russische Typen älteren Datums. 

Auf der Höhe der Zeit sind die iranischen Fähigkeiten zur kybernetischen Kriegsführung. Iranische Experten haben nach den Stuxnet-Attacken von 2005 eigene Angriffs- und Verteidigungswaffen entwickelt. Cyberkriegs-Einheiten des Militärs und der Revolutionswächter, aber auch unabhängige Gruppen, haben nicht nur in den USA, sondern auch in Europa, in Israel und in Saudi-Arabien Computersysteme infiltriert.