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05.07.19 / Der Erfinder des Bauhauses

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-19 vom 05. Juli 2019

Der Erfinder des Bauhauses
Stephanie Sieckmann

Der Name Walter Gropius ist untrennbar mit dem Bauhaus verbunden. Während das Bauhaus in diesem Jahr sein 100. Ju­biläum feiert, jährt sich der Todestag von Walter Gropius zum 50. Mal. 

1883 in Berlin geboren, wuchs Gropius in einer Familie auf, in der Architektur eine große Rolle spielte. Sein Vater war Geheimer Baurat im Deutschen Reich, sein Onkel Martin einer der renommiertesten Architekten des Landes. Gropius nahm das Studium der Architektur auf, versuchte es in München und Berlin, brach aber schließlich ab. Aufgrund seines Kontakts zum damaligen Leiter des Folkwang-Museums wurde er ohne die dafür notwendige Qualifikation in den renommierten Werkbund aufgenommen. So wurde 1907 auch die Mitarbeit im Architekturbüro von Peter Behrens möglich, in dem Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier ihre Karriere starteten.  

Vier Jahre diente Gropius als Unteroffizier im Ersten Weltkrieg, Schwer verwundet kehrte er zurück und war aktiv bei der von Bruno Taut ins Leben gerufenen „Gläsernen Kette“, die in geheimen Briefwechseln die Auflösung der bisherigen Grundlagen in der Architektur forderte. Gebäude sollten nicht länger die Persönlichkeit des Künstlers abbilden. 1919 erhielt Gropius das Angebot, Direktor der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar zu werden. Nach Zusammenlegung mit der Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule gab Gropius der neuen Schule den Namen „Staatliches Bauhaus in Weimar“.

Das Bauhaus wird ein voller Erfolg auch aufgrund der innovativen Designs und Konzepte der Studenten. Trotzdem kommt der Ruhm vor allem dem Mann dahinter zu. Redegewandt und ein sehr guter Organisator, sorgte Gropius für moderne PR. 

Während es einige Bauhausschüler schafften, sich einen Namen zu machen, traten die Studentinnen kaum in Erscheinung. Gropius soll daran großen Anteil haben, wenn man aktuellen Biografien Glauben schenkt. Seine Einstellung zu Frauen war geprägt vom Kaiserreich. Gropius, dessen erste Ehe mit der skandalumwitterten Alma Mahler nur fünf Jahre dauerte, betrachtete Frauen als Dienstboten. 

Zentrales Thema war für Gropius ab 1926 der Massenwohnbau. Zu den Projekten, die er entworfen hat, gehörten die Wohnblocks der Siemensstadt in Berlin (1929/1930). 1933 wurde das Bauhaus, da schon am Standort Berlin, durch die Nationalsozialisten geschlossen. Ein Jahr später wanderte Gropius nach England aus. Sein Weg führte ihn 1937 weiter nach Nordamerika, wo er als Professor für Architektur an der Graduate School of Design der Harvard University arbeitete. 

Während seiner letzten Lebensjahre reiste Gropius wieder häufig nach Berlin, um dort zu arbeiten. 1969 starb er mit 86 Jahren in Boston.