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05.07.19 / Verjagt, weil er ein Deutscher war / Bischof Willibrord Benzler von Metz musste vor 100 Jahren auf Druck der neuen französischen Autoritäten seinen Bischofssitz verlassen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-19 vom 05. Juli 2019

Verjagt, weil er ein Deutscher war
Bischof Willibrord Benzler von Metz musste vor 100 Jahren auf Druck der neuen französischen Autoritäten seinen Bischofssitz verlassen
Bodo Bost

Nach dem Ersten Weltkrieg mussten Hundertausende von Deutschen das Reichsland Elsass-Lothringen verlassen. Unter ihnen war auch der geistige Ziehvater von Robert Schuman und Bischof von Metz seit 1901, Willibrord Benzler. Der 1853 als Sohn eines Gastwirtes im Münsterland geborene Preuße wurde im November 1892 Prior und später Abt des neuen Benediktinerklosters Maria Laach in der Eifel. Da auch Wilhelm II., der in der Gotik die Renaissance der deutschen Kunst sah, ein Auge auf das Kloster geworfen hatte, traf der junge Abt einige Male den Deutschen Kaiser und König von Preußen und lud ihn nach Maria Laach ein, wo Künstlermönche der Beuroner Schule die Kirche im gotisch-klassizistischen Stile ausgestalteten. Als Wilhelm II. im Jahre 1900 das Heilige Land besuchte, gehörte Abt Benzler zu seinem Gefolge. In Jerusalem schenkte der Kaiser den deutschen Benediktinern die Abtei Dormitio auf dem Zionsberg, Abt Benzler durfte den Grundstein legen. 

Da Benzler für den Bischofsstuhl in Köln oder Fulda im Gespräch war, kam die Berufung zum Bischof von Metz am 21. September 1901 überraschend. In das Amt eingeführt wurde er am 28. Oktober des Jahres durch den damaligen Bischof von Trier, den Elsässer Michael Felix Korum, der sich lange gesträubt hatte, einen deutschen Bischofssitz anzunehmen. Benzler verdankte sein Amt auch der Gunst und der Freundschaft des Kaisers. Dieser erwartete von ihm, dass er unter seinen Diözesanen die Liebe zum deutschen Vaterland, die trotz 30 Jahren Zugehörigkeit zum Deutschen Reich immer noch nicht tief verwurzelt war, wachsen lasse. In vielen Gegenden dieses Bistums wurde überwiegend Französisch gesprochen. 

In Metz selbst sprachen zur Amtszeit Benzlers durch vermehrten Zuzug aus dem Reichsgebiet etwa 70 Prozent der Einwohner Deutsch. Benzler war loyal gegenüber dem Kaiser, aber er ließ sich nicht zum Werkzeug einer Germanisierungspolitik machen. Pastoral setzte Bischof Benzler den Schwerpunkt auf die Einführung einer Sozialpastoral. Er gründete den katholischen Volksverein, die Caritas und weitere soziale Werke, wie sie im Deutschen Reich bereits lange bestanden. In nur einem Dutzend Jahren, zwischen 1902 und 1914, konnte Bischof Benzler 41 neue Kirchen einweihen. 

Zwei Jahre nach dessen Amtseinführung besuchte Wilhelm II. den neuen Bischof anlässlich der Einweihung des neuen Westportals der Kathedrale von Metz zum ersten Mal, beide begegneten sich freundschaftlich. Bereits ein Jahr später trübte jedoch die sogenannte Affäre von Fameck das gute Verhältnis der beiden. Bischof Benzler hatte es dem Ortspfarrer untersagt, einem Protestanten auf dem Ortsfriedhof von Fameck im Osten der Diözese ein katholisches Begräbnis zu gewähren. Je mehr Benzler die Gunst des Kaisers verlor, desto mehr gewann er die Herzen der Lothringer. Ein erster Höhepunkt seines Episkopats wurde der Internationale Eucharistische Kongress von 1907 in Metz, der 50000 Gläubige und zwei Kardinäle nach Metz führte. Benzler organisierte maßgeblich den 60. Deutschen Katholikentag, den letzten vor dem Ersten Weltkrieg, der vom 17. bis 21. August 1913 in seiner Bischofsstadt, erstmalig zweisprachig, stattfand. Präsident des Katholikentages war Fürst Aloys von Löwenstein. Im Präsidium des Lokalkomitees dieses Katholikentreffens saß ein junger Rechtsanwalt, Robert Schuman. Für den späteren Ministerpräsidenten und Außenminister Frankreichs sowie Präsidenten des Europäischen Parlaments sollte dieses Katholikentreffen der erste öffentliche Auftritt seiner Karriere sein. Bischof Benzler hatte ihm kurz zuvor, nach Exerzitien im Kloster Maria Laach, die Leitung der katholischen Jugend in seinem Bistum anvertraut. 

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges im August 1914 machte Teile des Bistums zum Kriegsgebiet, die deutsche Zivilverwaltung wurde durch eine Militärverwaltung ersetzt. Für den Bischof wurde es immer schwieriger, zwischen den Erwartungen der deutschen Regierung und seiner Diözesanen einen Mittelweg zu finden. Im September 1918 erreichten die Kriegshandlungen auch die Stadt Metz, eine Bombe traf auch die Bischofsresidenz und verletzte einen Mitarbeiter schwer. 

Als nach dem Ende des Ersten Weltkrieges Metz vom Deutschen Reich an die Französische Republik abgetreten werden musste, wurde ein Deutscher als Bischof problematisch. Bereits beim großen Friedens-Te-Deum in der Kathedrale von Metz am 1. Dezember 1918 bestand der neue französische Regierungskommissar in Metz, Léon Mirman, darauf, dass Generalvikar Jean-Baptiste Pelt dem Gottesdienst vorstand und nicht der Bischof. Bischof Benzler spürte, dass er als Deutscher nicht mehr gern gesehen war in seiner Bischofsstadt. Bereits am 12. Januar 1919 bot er dem Papst seinen Rücktritt an, „wenn der Heilige Vater auch dieser Ansicht sei“, aber dieser lehnte 13 Tage später das Ansuchen ab und wollte zunächst die Unterzeichnung eines die deutsch-französische Grenze längerfristig und offiziell regelnden Friedensvertrages abwarten. Als der französische Ministerpräsident Georges Clemenceau ohne Konsultation mit Rom am 19. April 1919 die Ernennung von Generalvikar Pelt, den Bischof Benzler selbst vorgeschlagen hatte, zum neuen Bischof im Amtsblatt der Republik verkündete, waren Rom und auch viele Katholiken in Metz von diesem einseitigen Vorgehen des antiklerikalen Politikers schockiert. Generalvikar Pelt weigerte sich, sein neues Amt anzutreten. 

Offiziell angenommen wurde die Rücktrittsbitte von Bischof Benzler von Rom am 10. Juli 1919. In der Zeit bis zu seiner Ausweisung bekundeten viele Lothringer ihre tiefe Verbundenheit mit dem Bischof, der im „Herzen ein Lothringer“ geworden war. Bischof Benzler verließ Metz am 29. August, nachdem er die Priester und Gläubigen im Bahnhof von Metz ein letztes Mal gesegnet hatte. 

Benzler lebte zunächst bei einem Neffen in Saarburg im Rheinland. Später ging er in die Abtei von Maria Laach und noch später nach Beuron zurück. Eine Herzkrankheit zwang ihn zum Wechsel in die Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal in Baden-Baden, wo eine bessere medizinische Versorgung möglich war. Am 16. April 1921 starb Benzler in Baden-Baden. Er wurde in Beuron begraben. Der Bischof von Rottenburg, Paul Wilhelm von Keppler, würdigte seinen Mitbruder mit den Worten „ein Bischof der seine Diözese mehr mit Gebeten als mit Geboten regierte“.