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05.07.19 / Strahlkraft des Bauhauses

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-19 vom 05. Juli 2019

Strahlkraft des Bauhauses
Silvia Friedrich

Eckige Formen, gerade Linien, wenig Farben. Walter Gropius, der die Kunstschule 1919 in Weimar gründete, war kein Freund von üppigen Verzierungen. Doch das Bauhaus war mehr als eine Kunstrichtung, die schnörkellose Möbel, Geschirr oder Bauten bevorzugte. „Am Anfang“, so Jeannine Fiedler in ihrem Werk „Bauhaus“, stand die Vision, „aus der Katastrophe des Ersten Weltkrieges einen neuen Menschen erstehen zu lassen“. Ein Geschöpf, das, geschult durch die besten Künstler und Architekten der Zeit, dazu in der Lage sei, Gegenwart und Zukunft eines modernen Jahrhunderts zu erfinden. 14 Jahre lang teilte das Bauhaus den Erneue-rungswillen mit der jungen Republik, die nach der Kaiserzeit die Verkrustungen der historischen Vergangenheit ein für allemal auf den Müllhaufen der Geschichte verbannen wollte. 

Die Nationalsozialisten beendeten die Reformbestrebungen rigoros kurz nach der Machtergreifung 1933. Fiedler legt mit ihrem Buch ein gewaltiges Werk vor. Fast könnte man meinen, es stünde schon rein optisch der bedeutenden Kunstschule, deren Einfluss noch 100 Jahre nach ihrer Gründung auf allen Gebieten der Architektur, der Kunst und des Wohndesigns ihre Strahlkraft ausübt, in nichts nach. 

Nach einem Einstieg in den geschichtlichen Entwicklungsprozess des Bauhauses von seiner Gründung bis in die heutige Zeit gliedert sich das Buch in Themen, wie „Leben und Alltag“, „Persönlichkeiten am Bauhaus“, „Propädeutischer Unterricht“, „Werkstätten“, „Theorie“ und endet mit dem Kapitel „Dokumentation“, das mit einer solchen Fülle an Informationen aufwarten kann, dass allein dieser Abschnitt zu einem eigenen Werk gereicht hätte. Die 800 Abbildungen bereichern den Lesegenuss.

Verschiedene fachlich kompetente Autoren äußern sich zu allen Themen rund ums Bauhaus und geben gut verständlich einen Einblick und Einstieg in diese Kunstschule und darüber hinaus.

Kein Werk, das man mal nebenbei anschaut. Das Buch fordert geradezu dazu auf, sich intensiv mit der Materie zu befassen. Nicht nur vom Umfang her ein Meisterwerk.

Jeannine Fiedler/Peter Feierabend (Hrsg.): „Bauhaus“, h.f. ullmann medien, gebunden, 640 Seiten, 49,90 Euro