19.04.2024

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12.07.19 / Vorbildliche Aufarbeitung

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 28-19 vom 12. Juli 2019

Vorbildliche Aufarbeitung
Manuela Rosenthal-Kappi

Ungarn gedenkt als einziges der Länder, aus denen Deutsche nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben wurden, jährlich mit einem offiziellen Gedenktag der Deportation seiner deutschen Volksgruppe. Der Gedenktag zur Erinnerung an die  „Schwaben“ genannten Ungarndeutschen wurde im Dezember 2012 in der ungarischen Nationalversammlung beschlossen und am 19. Januar 2013 zum ersten Mal feierlich begangen.

Anlässlich des 70. Jahrestags der Vertreibung fand auf dem „Alten Friedhof“ in Wudersch (Budaörs) eine Gedenkfeier der ungarischen Regierung im Beisein des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk, und BdV-Präsident Bernd Fabritius sowie Otto Heinek, Chef der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, an der Landesgedenkstätte zur Vertreibung der Ungarndeutschen statt. Am 19. Januar 1946 war von Wudersch aus der erste Deportationszug gestartet.

Nicht nur, dass die Gedenkfeier in deutscher Sprache abgehalten wurde, lässt aufhorchen, sondern auch die Ansprache des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, der deutliche Worte fand für die als „Aussiedlung“ bezeichnete „Ausplünderung und Vertreibung der ungarischen Schwaben“ (siehe Seite 17). Orbán bezeichnete das Jahr 1946 als ein „schmerzhaftes, unwürdiges Jahr der ungarischen Geschichte“. Mit der Aufarbeitung der Geschichte hat das Land bereits 1990 begonnen. Unter Heinek gibt es 400 lokale Gliederungen der Deutschen Minderheit. Seit 2014 können sich Bürger von Minderheiten in ihrer Muttersprache im ungarischen Parlament zu Wort melden. 

Orbán lobte den positiven Beitrag der Deutschen in allen Bereichen des Lebens in Ungarn und betonte, dass sich die Zahl der deutschen Schulen verfünffacht und die Anzahl der dort lernenden Schüler verdreifacht habe. Die Gemeinschaft der Ungarndeutschen sei auf 200000 angewachsen.

Ganz anders sieht die Aufarbeitung in Tschechien oder Polen aus. Zwar wird in Tschechien das Schweigen über die Verbrechen an Deutschen dank Regisseuren wie David Vondrácek oder Autoren wie Katerina Tucková (siehe Seite 22) aufgebrochen, eine offizielle Aufklärung seitens der tschechischen Regierung lässt jedoch auf sich warten.

In Polen hat die Deutsche Minderheit es schwerer als in Ungarn. Obwohl es zahlreiche Partnerschaften im kommunalen und regionalen Bereich sowie einen deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag gibt, und mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 Deutschland von sämtlichen weiteren Reparationszahlungen befreit wurde, fordert Jaroslaw Kaczynskis nationalkonservative Regierung erneut Entschädigungen von Deutschland. Während Orbán, dessen Regierung eine vorbildliche Aufarbeitung des an Deutschen begangenen Unrechts vorzuweisen hat, wegen seiner beharrlichen Haltung gegenüber EU-Forderungen, etwa in der Asylkrise, scharf kritisiert wird, gilt Polen als strategisch wichtiger Verbündeter, mit dem man es sich nicht verderben darf.